GtV-Bundesverband Geothermie stellt Position zur Induzierten Seismizität bei tiefen Geothermieprojekten vor
Größere seismische Ereignisse können verhindert werden
Position wurde im Dialog mit führenden Wissenschaftlern entwickelt
Hintergründe und Handlungsempfehlungen
Berlin/München, 8. Juli 2010 – Der GtV-Bundesverband Geothermie (GtV-BV) hat gemeinsam mit führenden internationalen Seismologen ein Positionspapier zur Induzierten Seismizität bei tiefen Geothermieprojekten entwickelt. Anlässlich des vom GtV-BV organisierten Workshops „Tiefe Geothermie und Seismizität“ stellt der Verband das Papier am heutigen Donnerstag, den 8. Juli, der Öffentlichkeit vor. Unter induzierter Seismizität versteht man das Auslösen seismischer Ereignisse durch Eingriffe des Menschen in den Untergrund. Ereignisse dieser Art wurden in der Vergangenheit auch bei geothermischen Projekten gemessen und haben eine öffentliche Diskussion um vermeintliche Erdbebengefahren ausgelöst.
Grundsätzlich legt der GtV-BV Wert auf die Feststellung, dass durch Geothermieprojekte induzierte seismische Ereignisse weltweit noch nie strukturelle Schäden an Gebäuden ausgelöst, die Infrastruktur beschädigt oder gar Menschenleben gefährdet haben. Diese Feststellung muss nach Aussicht des Verbands die Grundlage für eine sachliche Diskussion zu diesem Thema sein. Ebenso wichtig für die Planung von Geothermieprojekten ist es, dass induzierte Seismizität im Gegensatz zu natürlich entstehenden Erdbeben im Grundsatz vorhersehbar und kontrollierbar ist.
Um diese Kontrolle zu gewährleisten und größere seismische Ereignisse im Zusammenhang mit Geothermieprojekten zu verhindern, schlägt der GtV-BV ein Vorgehen nach der Methode des kontrollierten Betriebs vor. Das bedeutet, dass jede Maßnahme, die Einfluss auf die Seismizität haben kann, so gestaltet werden muss, dass das Risiko nur langsam und kontrolliert anwächst und alle Ereignisse (statistisch) unterhalb der Schwelle der Fühlbarkeit bleiben. Wesentliche Bausteine dieser Methode sind das umfassende Monitoring aller Betriebsphasen, das Erstellen eines öffentlich zugänglichen Reaktionsplans sowie die gutachterliche Begleitung jedes Projekts durch einen Seismologen. Durch diese Vorgehensweise können größere seismische Ereignisse bei Geothermieprojekten nach Auffassung des GtV-BV und der führenden Wissenschaftler verhindert werden.
Dennoch sollte darüber hinaus ein umfassender Versicherungsschutz gewährleistet sein. Dieser sollte hohe Versicherungssummen und eine unbürokratische Schadensabwicklung bei kleineren Schäden umfassen. Der GtV-BV spricht sich auch dafür aus, die Erweiterung der Beteiligungsrechte der Bürger bei solchen Projekten zu prüfen. Eine Pflicht zum Planfeststellungsverfahren, wie sie in der vergangenen Woche von der rheinland-pfälzischen Landesregierung als Bundesratsvorlage beschlossen wurde, lehnt der Verband aber als überzogen ab.
„Bei entsprechender Planung können spürbare seismische Ereignisse im Zusammenhang mit geothermischen Projekten verhindert werden“, so Hartmut Gaßner, Präsident des GtV-BV. „Daher darf eine von manchen geschürte angebliche „Erdbebengefahr“ dem weiteren Ausbau der Geothermie zur Wärme- und Stromerzeugung nicht im Weg stehen. Es ist aber sehr wichtig, die Menschen vor Ort frühzeitig und umfassend in die Planung einzubeziehen, um Ängste nicht entstehen zu lassen.“
Das Papier wurde federführend von Prof. Dr. Horst Rüter verfasst, Vizepräsident des GtV-BV. Falls Sie an einem Interview oder Hintergrundgespräch zu diesem Thema mit ihm oder mit dem Verbandspräsidenten Hartmut Gaßner interessiert sind, wenden Sie sich bitte an unten stehenden Pressekontakt.
Pressekontakt:
Stefan Dietrich
Referent für Kommunikation
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