Projekt "Dissemination"

Im Rahmen des vom BMU unter Fördernummer 03MAP215 geförderten Projektes: Dissemination

Dissemination – Information und Beteiligung der Öffentlichkeit bei der Planung, beim Bau und während des Betriebs von Geothermie-Heiz(kraft)werken

Der Ausbau der Erneuerbaren Energien in Deutschland geht voran. Atom-, Gas- und Kohlekraftwerke sollen nach und nach aus der Landschaft verschwinden und durch Geothermie-, Biomasse-, Solar-, Wind- und Wasserkraftwerke ersetzt werden. Das führt zu weniger CO2-Ausstoß und der zunehmenden Unabhängigkeit von Importen sowie…

Sowie was? Wenn ein neues, „grünes“ Kraftwerk gebaut werden soll, ist die umliegende Bevölkerung verunsichert: „Was heißt das für uns? Wie verändert sich unser Wohnort? Was passiert mit meinem Grund und Boden?“ Die Unsicherheit und die ungeklärten Fragen können zu einer Abwehrhaltung gegenüber neuen Kraftwerken führen, die sich negativ auf das gesamte Vorhaben auswirkt.

Tiefengeothermisches Kraftwerk der Stadtwerke München, Quelle: SWM

Abb. 1: Geothermiekraftwerk der Stadtwerke München, Quelle: SWM.

 

Genau an diesem Punkt setzt das Projekt „Dissemination – Information und Beteiligung der Öffentlichkeit bei der Planung, beim Bau und während des Betriebs von Geothermie-Heiz(kraft)werken“ an. Anhand aktueller Beispiele wird untersucht, wie die Öffentlichkeit (und hier insbesondere die umliegende Bevölkerung) aktiv in den Prozess des Kraftwerksbaus einbezogen werden kann, um sie über Vor- und Nachteile des Kraftwerks aufzuklären und so eine breitere Akzeptanz zu schaffen.

Was genau wird erforscht?

Erforscht werden zwei Schwerpunkte: die Auswirkungen von Bürgerbeteiligungs- und Bürgerinformationsverfahren im Hinblick auf die Akzeptanz von tiefen Geothermieprojekten sowie die Erstellung von Informationsmaterial, das über Vor- und Nachteile der tiefen Geothermie informiert.

Im Rahmen des Projektes werden zehn tiefe Geothermiekraftwerke/geplante Geothermiekraftwerke untersucht. In deren näherer Umgebung werden verschiedene Formen von Informationsveranstaltungen zum Thema Geothermie durchgeführt (Workshops, Messen etc.), wo Ansprechpartner für interessierte Bürger sich deren Fragen stellen. Bei der Planung einiger Projekte sind verschiedene Verfahren der Bürgerbeteiligung eingesetzt worden, um die umliegende Bevölkerung über das geplante Geothermiekraftwerk zu informieren und ihre Meinung dazu einzuholen.

Wirken sich diese verschiedenen Herangehensweisen auf die Akzeptanz von Geothermiekraftwerken aus? Um dieser Frage nachzugehen wird eine telefonische Befragung der Anwohner durchgeführt, um ihre Einstellung zu dem jeweils in Ihrer Nähe befindlichen Kraftwerks zu erfahren. Die Ergebnisse dieser Befragung geben Aufschluss darüber, wie die Anwohner am besten in die Planung, den Bau und den Betrieb tiefer Geothermiekraftwerke eingebunden werden können.

Während der Veranstaltungen kristallisierten sich vier Themenfelder heraus, die in besonderem Maße zu Verunsicherungen führten. Diese Themenfelder sind Radioaktivität/Radon, Geothermische Stimulation, Seismizität und Tiefenbohrungen.

Zu diesen Themen werden Informationen in verständlicher und vertiefender Form entwickelt und deutschlandweit zur Verfügung gestellt. Diese Informationen sind frei zugänglich und auch auf den Informationsveranstaltungen vor Ort zu finde. Sie sind unabhängig von aktuellen Projekten und bieten allgemeine Informationen zur tiefen Geothermie.

Um einen multimedialen Zugang zu diesen Themen zu ermöglichen, entwickeln wir ebenso Videos zu diesen Themen. Inhalt der Videos ist die Begegnung mit Experten zu diesen Themen, denen wir die Fragen stellen, die uns die interessierten und skeptischen Bürger gestellt haben. Diese Fragen geben wir an die Experten weiter und stellen ihre Antworten in unserem YouTube-Channel online zur Verfügung.

Was ist bisher geschehen?

Zu Beginn der Forschung stand die Auswahl der Projekte, die durch ein Regionales Begleitforum unterstützt werden und wichtige Hinweise liefern sollen. Nach Sichtung der aktuellen geothermischen Vorhaben wurden 20 Projekte in die nähere Auswahl einbezogen, die sich in unterschiedlichen Umsetzungsstadien und in unterschiedlichen Regionen befinden, um verschiedenste Probleme zu erfassen und angehen zu können. Von diesen Projekten wurden Informationen eingeholt und zehn Projekte ausgewählt, die begleitet wurden.

Diese Projekte sind:

-          „Salvea – Lust auf grüne Energie“, Krefeld, Nordrhein-Westphalen

-          „Geothermie Allgäu 2.0“, Mauerstetten, Bayern

-          München-Riem, Bayern

-          Sauerlach, Bayern

-          München-Freiham, Bayern

-          Unterhaching, Bayern

-          „Heidegeo“, Bispinger Heide, Niedersachsen

-          „GeneSys Hannover“, Niedersachsen

-          Altdorf, Rheinland-Pfalz

-          Groß-Gerau, Hessen

 

Die Standorte der untersuchten Geothermiekraftwerke, Quelle: GtV-Bundesverband Geothermie.

Abb. 2: Die Standorte der untersuchten Geothermiekraftwerke, Quelle: GtV-Bundesverband Geothermie.

 

Im Rahmen der Informationsveranstaltungen wurden häufig Fragen zu Stimulation, Seismizität, Radon und Tiefenbohrungen gestellt. Um jedem interessierten Bürger die Möglichkeit zu geben, sich ohne großen Aufwand intensiv mit dem Thema beschäftigen zu können wurden zu diesen Themen Informationsflyer angefertigt und Hintergrundpapiere verfasst. Diese Flyer sind bereits gedruckt und können in der Geschäftsstelle des Verbandes kostenlos bestellt werden. Darüber hinaus entsteht derzeit ein zusätzlicher Flyer, der die Geothermie allgemein vorstellt und ihre Nutzungsmöglichkeiten verdeutlicht.

Im Moment werden die fünf Videos mit unseren Experten zu den Themen Radon, Geothermische Stimulation, Seismizität und Tiefenbohrungen gedreht und geschnitten. Darüber hinaus entsteht ein fünftes Video, das sich mit dem energetischen und wirtschaftlichen Potential der Geothermie in Deutschland befasst.

Einige geothermische Projekte werden von der umliegenden Bevölkerung mit Sorge betrachtet. Aus diesem Grund ist es besonders wichtig mit Fingerspitzengefühl vorzugehen und frühzeitig Informationen zu Geothermievorhaben klar und transparent zu kommunizieren.  Hierfür werden Hinweise für Planer und Betreiber geothermischer Kraftwerke entwickelt, die konkrete Hinweise für den Umgang mit der Öffentlichkeit liefern.

 

Was passiert jetzt?

Aktuell werden die Hintergrundpapiere zu den Schwerpunktthemen editiert und in kurzer Zeit an dieser Stelle zu finden sein. Erarbeitet wird derzeit der Flyer zur Geothermie. Die Videos werden gedreht und professionell geschnitten, während wir unseren YouTube-Channel vorbereiten. In Kürze werden die Videos online gestellt.

Die Begleitung der Projekte findet nach wie vor statt, sodass noch keine abschließenden Ergebnisse veröffentlicht werden können. Um die Auswirkungen dieser verschiedenen Formen der Bürgerinformation und –beteiligung besser beurteilen zu können, wird eine Telefonbefragung der Anwohner derzeit durchgeführt und ausgewertet.

Um interessierten Bürgern weitere Informationen zur Geothermie zur Verfügung zu stellen, entwickeln wir eine Kongressdatenbank mit den Vorträgen unseres jährlich statt findenden Deutschen Geothermie-Kongresses. Die Foren und Workshops beschäftigen sich mit unterschiedlichen Themen, sodass eine große Bandbreite von Themen aus wissenschaftlicher Sicht vorgestellt werden. Eine allgemeine Literaturdatenbank gibt Hinweise auf frei verfügbare Literatur zum Thema Geothermie.

Von allen im Rahmen des Projektes begleiteten Kraftwerken wird die Akzeptanz in der Bevölkerung erfasst und in Beziehung zu den durchgeführten Informationsveranstaltungen und Bürgerbeteiligungen gesetzt. Aus den Ergebnissen werden Handlungshinweise für zukünftige Betreiber und Planer erarbeitet und zur Verfügung gestellt. Ergebnisse finden sie in Kürze hier.

 

Flyer und Hintergrundpapier zum Thema "Beeinflussung der natürlichen Radonverteilung durch Geothermie"

Flyer zum Thema "Geothermie und Erderschütterung"

Flyer und Hintergrundpapier zum Thema "Stimulation"

Flyer zum Thema "Tiefenbohrungen"

Flyer "Was ist Geothermie?"