Patricius-Plakette 1994 - Dr. Oskar Kappelmeyer

l: Dr. Oskar Kappelmeier, r: GtV-Vorsitzender Helmut Tenzer

Dr. Oskar Kappelmeyer, Jahrgang 1927, ist der international anerkannte deutsche geothermische Praktiker seit 1953, in dem Jahr, in dem er in die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Hannover eintrat. Sein Referat, dem er vorstand, entwickelte seinerzeit das heute noch gebräuchliche Instrumentarium für die Messung der Wärmeleitfähigkeit des Gesteins. Auch die Erkenntnis, daß wegen der jahreszeitlichen Temperaturschwankungen Infrarotaufnahmen im flachen Untergrund zur Wärmestromuntersuchung nicht verwendet werden können, geht auf seine Arbeiten zurück.

Mit seinem Namen verbindet sich seit den 70er Jahren vor allem die Hot-Dry-Rock-(HDR)-Forschung. Aber schon zwei Jahrzehnte früher legte er mit seinen Veröffentlichungen die Grundlagen der heutigen geothermischen Literatur. Viele Regionen der Erde, die heute geothermische Ressourcen in bedeutendem Umfang nutzen, wie die Philippinen, Indonesien, China oder Mittelamerika verdanken Kappelmeyers Arbeiten vor Ort wesentliche Erkenntnisse über die umweltfreundlichen Energievorräte im Untergrund. Für einige Jahre übernahm er die Projektleitung im ersten deutschen HDR-Forschungsvorhaben in Falkenberg in der Oberpfalz. 1986 gründete er die Firma Geothermik Consult - GTC Kappelmeyer GmbH. Das europäische Forschungsprojekt im elsässischen Soltz-sous-Forêts geht nicht zuletzt auch auf seine Initiative zurück. Ende der 80er bis Anfang der 90er Jahre koordinierte er in diesem Projekt die deutschen Arbeitsgruppen. Noch heute vertritt er die deutsche Industriegruppe im Europäischen Hot-Dry-Rock-Konsortium EHDRA. Dabei widmete er sich zuletzt vor allem den Fragen der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen künftiger Hot-Dry-Rock-Systeme und -Kraftwerke.

Seine aus diesen Aktivitäten gewonnenen Erkenntnisse trugen auch in benachbarten Fachbereichen Früchte:

So errechnete Kappelmeyer z.B. für den Kalibergbau, daß der Wärmestrom der eingesetzten Maschinen größer ist als der Wärmestrom aus der Erdkruste selbst. Er wies nach, daß die bei der Endlagerung radioaktiver Abfälle entstehenden hohen Temperaturen zu gebirgsmechanischen Problemen und zur Rißbildung in Gesteinen führen können. Außerdem entwickelte Kappelmeyer ein neues Verfahren zur Dichtigkeitsprüfung von Deichen und Dämmen mittels Temperaturmessungen.

Als sich im Zuge der deutschen Vereinigung mit der Geothermischen Vereinigung zum ersten Mal auch hierzulande ein Fachverband zu bilden begann, der die unterschiedlichen Sparten der Erdwärmenutzung zusammenführte, stellte sich Oskar Kappelmeyer in der schwierigen Anfangsphase von 1991 - 1992 als Mitglied des Gründungsvorstands zur Verfügung.