Patricius-Plakette 2007 - André Gérard

Träger der Praticius-Plakette 2007 ist Dr. André Gérard. Sie wurde dem französischen Wissenschaftler im Rahmen des Bochumer Geothermiekongresses am  29.10.2007 überreicht.

Der Bundesverband  Geothermie würdigt mit der Verleihung Gérards 40jährige erfolgreiche Arbeit für die Geothermie.

Dr. Gérard wurde 1942 in den Vogesen geboren. Er studierte Geophysik an der Universität von Nancy sowie in Straßburg. Dort promovierte er mit einer Arbeit zur “Interpretation der magnetischen Anomalien im Pariser Becken.” Während der 70er, inzwischen beim Bureau de Recherches Géologiques et Minières (BRGM) in Orléans, befasste er sich mit Potenzialanalysen und der Entwicklung numerischer Methoden in der geophysikalischen Exploration. 1980 wurde er zum Leiter der Geothermie-Sektion beim BRGM ernannt und arbeitete  in geothermischen Projekten im Zentral-Massiv, auf Réunion und Martinique, in  Djibuti und auf den Azoren. 1982 gründete er das “Institute Mixte de Rercherches Géothermiques”, dass alle französischen Aktivitäten auf dem Gebiet der Geothermie bündelte, eine einmalige Einrichtung in Mittel- und Westuropa. Von daher war es nur konsequent, das  Dr. Gérard (neben Dr. Baumgärtner, Deutschland und Dr. Baria, Großbritannien) 1987 als französischer Vertreter in das Core-Team des Europäischen Hot-Dry-Rock-Projekts berufen wurde. Nach 20jähriger Tätigkeit zog er sich 2007 von dieser Position zurück.

Seine Person stand für die erfolgreiche  Zusammenarbeit  von französischen und deutschen Wissenschaftlern bei der Entwicklung des “Soultz-Projekts”  von  einem ursprünglich rein wissenschaftlichen Pilotvorhaben zu einem Industrie-Projekt. Ab dem Frühjahr 2008 wird dort ein 1.5 MW-Kraftwerk seinen Betrieb aufnehmen, dessen Energiequelle in einer Tiefe von 5 km erschlossen wurde.

Seine Beiträge zur Wissenschaft sind in 53 Veröffentlichungen und zahlreichen Reports dokumentiert, angefangen bei der Potenzial-Theorie bis hin zur Entwicklung von Verfahren zur Nutzung geothermischer Energie aus tiefen, heißen Gesteinen. Viele  seiner späteren Publikationen entstanden mit Koautoren aus Frankreich, Deutschland, Großbritannien, Japan oder den USA und demonstrieren  seinen  Willen  zu  internationalen Zusammenarbeit. Diese Veröffentlichungen decken alle Aspekte seines komplexen Arbeitsfeldes  ab,  Seismik, Stimulation, Geochemie,  Hydrogeologie,  und numerische Modellierung.  Für die meisten dieser Publikationen war er der Initiator und Motor. Dass Soultz als Standort des Europäischen HDR-Projektes  unter  den  Konkurrenten aus Urach, dem Zentral-Massiv und Cornwall ausgewählt würde, lag nicht zuletzt  an  seinem  engagierten Plädoyer.

Mit der Verleihung der Patricius-Plakette ehrt der Bundesverband Geothermie nicht allein sein wissenschaftliches  Lebenswerk, sondern erst recht Dr. Gérard als Person und als ein Symbol der deutsch-französischen Zusammenarbeit bei der Entwicklung der Geothermie in Europa.

Der Namensgeber der Plakette ist der Bischof Patricius von Prusa, dem heutigen Bursa in der Türkei. Im dritten Jahrhundert versuchte er den römischen  Prokonsul Julius und seine Soldaten vom geothermischen Ursprung der dortigen heißen Quellen zu überzeugen. Für diese wissenschaftliche Erklärung bezahlte er mit seinem Leben.