Geothermie-Tiefbohrung „RWTH-1“ auf dem Templergraben in Aachen hat die 2.500 Metermarke erreicht!
23.11.04 | Nachrichten & KurzmeldungenDie letzten Meter auf dem Weg in Aachens Untergrund wurden am Abend zurückgelegt: Größtmögliche Spannung herrschte beim Bohrplatzpersonal auf dem Templergraben in Aachen am Montag, den 22.11.2004, als klar wurde, daß der Bohrmeißel nur noch wenige Zentimeter von der zu erreichenden Zielteufe – 2.500 Meter - entfernt ist. Eine Menschenmenge versammelte sich schon Stunden vorher am Bauzaun, um den “Zieleinlauf“ der Geothermie-Tiefbohrung “RWTH-1“ mitzuerleben. Und dann war es soweit: Um 18:24 Uhr durchbrach der Meißel nach einer Bohrphase von rund viereinhalb Monaten die letzten Zentimeter. Damit ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Versorgung des geplanten Studienfunktionalen Zentrums “SuperC“ mit geothermischer Energie abgeschlossen.
Zeit zur Erholung bleibt nicht…
Der Projektleiter Christoph Herzog zeigte sich begeistert: „Wir haben es geschafft! Ich danke allen MitarbeiterInnen der Projektgruppe SuperC Geotherm für die gute Zusammenarbeit. Vor allem das Personal auf dem Bohrplatz wurde in den letzten Wochen im höchsten Maße gefordert. Ein Projektziel wie dieses läßt sich nur mit einem funktionierendes Team realisieren!“ Doch Zeit zur Erholung bleibt nicht – im Anschluß an die eigentliche Bohrung müssen weitere Arbeiten rund um das Bohrloch durchgeführt werden, um die zukünftige Wärmeversorgung des “SuperC“ sicherzustellen. Die Abschlußarbeiten beinhalten den Gestängeausbau, geophysikalische Messungen zur Bestimmung von Neigung, Richtung und Kaliber (Volumen) der Bohrung sowie weitere Druckversuche und Fluidprobenahmen. Im Anschluß fährt das Bohrplatzpersonal einen sog. “Check-Trip“ zur Säuberung und Vorbereitung des Bohrloches auf die Endverrohrung. Nach der Zementierung erfolgt dann der Austausch der Bohrspülung durch ein geeignetes Konservierungsmittel (Wasser, versetzt mit Korrosionsschutz). Nach einer weiteren Zementationskontrolle wird das Bohrloch durch einen Bodenflansch (Abdeckung) verschlossen. Ist dieser Schritt getan, baut das Bohrplatzpersonal die Bohranlage ab und der Rückbau des Bohrplatzes kann beginnen.
Das Interesse übertraf alle Erwartungen
Rückblick: Seit der ersten Planungsphase im Jahr 2000 sorgt das Projekt SuperC Geotherm für Aufsehen: Deutschlandweit interessierte sich Presse, Funk und Fernsehen für das von der EU und dem Land NRW mit insgesamt 5,64 Millionen Euro geförderte Demonstrationsvorhaben. Gestartet wurde die Geothermie-Tiefbohrung „RWTH-1“ auf dem Templergraben in Aachen am 12. Juli 2004.
Rund 12.000 Interessierte, darunter auch viele Schulklassen und Kindergartengruppen, nutzten das reichhaltige Informationsangebot der Projektgruppe SuperC Geotherm. Das fachkundige Personal in der gegenüber vom Bohrplatz gelegenen Info-Station hatten alle Hände voll zu tun, um den großen Wissensdurst der Besucher zu stillen: „Die Bevölkerung interessierte sich besonders für den Stand der Bohrarbeiten, unterschiedliche Verfahren zur Gewinnung von Erdwärme, die geologischen Gegebenheiten in Aachen und den geplanten Bau des SuperC“, so die Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit, Frau Sabine Backus. „Die Führungen waren meistens restlos ausgebucht und das Info-Material zum Projekt SuperC Geotherm ebenso beliebt wie die kostenlos zur Verfügung gestellten Tütchen mit Bohrklein! Die große Nachfrage hat dazu geführt, daß die Info-Station noch bis Mitte Dezember montags, mittwochs und freitags von 9:30 Uhr bis 17:30 Uhr für Besucher geöffnet bleibt.“
Auch hochrangige Vertreter aus Politik und Wirtschaft nahmen die Geothermie-Tiefbohrung „RWTH-1“ auf dem Templergraben in Augenschein. Dr. Axel Horstmann, Minister für Verkehr, Energie und Landesplanung des Landes NRW, kam höchstpersönlich aus Düsseldorf, um die Bohrung zu starten. Auch die Arnsberger Regierungspräsidentin Renate Drewke besuchte das Projekt und lobte den Innovationsgeist und die Leistungsfähigkeit der RWTH Aachen bei der Nutzbarmachung erneuerbarer Energiequellen. Ferner ergriffen zahlreiche bekannte Unternehmen wie Ericsson oder die STAWAG die Gelegenheit, sich vor Ort ein Bild über das Projekt SuperC Geotherm zu machen. Das kühne Vorhaben erhielt besonders regen Zuspruch durch Aachens Bürger und auch zahlreiche Unternehmen und Kleinbetriebe aus Aachen und der Region konnten als Projektsponsoren gewonnen werden.
Der Projektleiter Christoph Herzog: „Wir sind nicht nur auf das Ergebnis sondern auf den gesamten Projektverlauf stolz. Die Projektgruppe konnte eine reibungslos ablaufende und geräuscharme Bohrung realisieren, mit der ein weiterer Schritt getan wurde, um zukünftig auch Großgebäude im innerstädtischen Bereich umweltfreundlich beheizen und kühlen zu können. Wir konnten zeigen, daß eine geothermische Tiefbohrung so sauber und sicher ablaufen kann, daß keine Gefahr für Grundwasservorkommen oder Quellen, die ja gerade in Aachen eine besondere Bedeutung haben, besteht. Ein weiteres Ziel war es, die breite Öffentlichkeit über die Vorteile geothermischer Energiegewinnung zu informieren und den Umweltgedanken im Energiesektor zu stärken. Ich denke, das ist uns gelungen!“
Kontakt:
Projektgruppe SuperC Geotherm
Wüllnerstraße 2, 52064 Aachen
Tel.: 0241-80 94948
Email: info@superc.rwth-aachen.de
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