Riedstadt wird Hessens erster Standort für geothermischen Strom

03.05.05 | Nachrichten & Kurzmeldungen

 

Die knapp 22.000 Einwohner zählende Gemeinde Riedstadt im Landkreis Groß-Gerau gehört geologisch betrachtet zum nördlichen Bereich des Oberrheingrabens. In der „Büchner-Gemeinde“ soll nun Hessens erstes geothermisches Kraftwerk entstehen. Im Ortsteil Goddelau kam 1813 der Dichter Georg Büchner zur Welt. Sein Geburtshaus ist heute eine kulturelles Zentrum. Erdöl- und Erdgasbohrungen, die in den fünfziger und sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts abgeteuft wurden legen nahe, dass bereits in 2300 Metern Tiefe mit Temperaturen von rund 140 °C zu rechnen ist. Projektentwickler HotRock aus Karlsruhe hat im April bis Anfang Mai in der Gegend um die „Büchner-Gemeinde“ auf der Suche nach Störungszonen seismische Messungen durchführen lassen. Nach deren Auswertung sollen die unterirdischen Zielpunkte der beiden Bohrungen festgelegt werden. Die eine wird heißes Wasser fördern, über die andere wird die ausgekühlte Flüssigkeit wieder in den Untergrund zurückgebracht. Beide werden in der Tiefe abgelenkt und insgesamt eine Länge von je 2600 erreichen. Mit den Arbeiten für die erste 4 Millionen teure Bohrung soll noch in diesem Jahr begonnen werden. Diese Arbeiten werden vom Bundesumweltministerium gefördert. Insgesamt werden für das Vorhaben 20 bis 30 Millionen Euro aufgewendet werden müssen. Als wasserführende Schicht soll Rotliegendsandstein erschlossen werden. Das Riedstädter Kraftwerk in der Nähe des Philipps-Hospitals soll Strom für rund 8000 Haushalte ins Netz einspeisen. Dafür kommt eine 3 MW Turbine zum Einsatz, die von Siemens geliefert wird und nach dem Kalina-Prinzip arbeitet, einer Technologie, mit der sehr effizient aus relativ geringen Temperaturen Strom produziert werden kann. Ein Teil der Abwärme wird ausgekoppelt und für die Versorgung eines Gewerbe- und eines Neubaugebietes eingesetzt. Weitere Vorhaben sollen folgen.

Spezifikationen des Geothermiekraftwerks in Riedstadt

 

Geothermiekreislauf

 

Standort

 

 Gemarkung

 Gemeinde Riedstadt

 Gebiet

 Philipps-Hospital

 Flächenbedarf

 Max. 10.000 m2

 Abstand Einspeisepunkt

 Ca. 500m

Nutzhorizont „Rotliegendes“

 

 Gestein

Tonsteine, Konglomerate und Vulkanite

 Mächtigkeit

 >  500 m

 Temperatur

 > 140° C

Bohrungen

 

 Bohrtiefe unter Gelände

 Ca. 2300 m

 Bohrlochlänge

  GT1 Injektionsbohrung

  GT2 Förderbohrung (Dublette)

 

 Ca. 2600 m (je nach Ablenkung)

 Ca. 2600 m (je nach Ablenkung) 

 Förder- und Re-Injektionsrate

 bis 70 l/s

Kraftwerk

 

 Technologie

 Kalina Kreislauf

 Leistung (thermisch)

 Ca. 21,5 MW (thermisch)

 Nennleistung (elektrisch)

 Ca. 3,0 MW (elektrisch)

 Gebäudefläche

 Ca. 500 m2

Umweltaspekte

 

  Stromenge äquivalent Haushalte

 Ca. 8.000

 Jährliche CO2 - Einsparung

 Ca. 13,8 Mio. kg

Seismik

 Riedstadt und Erweiterung

 Anzahl seismischen Erkundungslinien

 Drei Ost-West Linien, zwei Nord-Süd Linien

 Länge einer Erkundungslinie

 Ca. 10 km

 Erkundungstiefe

 Ca. 4000 m

 

(Quelle: HotRock)