Billiger Geothermiestrom: Die Aluminiumindustrie zieht nach Island um.

06.07.05 | Nachrichten & Kurzmeldungen

 

Die geothermischen Kraftwerkskapazitäten auf Island werden bereits seit einigen Jahren kräftig ausgebaut. Absicht der Inselregierung ist, durch ein Angebot an unschlagbar preiswertem Ökostrom die energieintensive Aluminiumindustrie ins Land zu holen. Wir haben bereits mehrfach darauf hingewiesen. Inzwischen gehen die isländischen Pläne auf. Aus den USA und Europa verlagern die großen Hersteller wie Alcoa oder Norsk Hydro zukünftig ihre Schmelzen an den Polarkreis. Auch Deutschland ist davon betroffen.

Gestern teilte der Wirtschaftsdienst Bloomberg (www.bloomberg.com) mit, dass der weltweit größte Aluminiumproduzent Alcoa mehr als 900 Mio. Euro in ein neues Werk in Island investieren wird. Basis für diese Entscheidung ist ein Stromliefervertrag mit dem staatlichen Energieversorger Landsvirkun Hf mit einer Laufzeit von 40 Jahren. Auch die Pläne der norwegischen Norsk Hydro, weltweit Nr. 3, ihr gemeinsames Werk mit Alcoa in Hamburg (VAW AG) zu schließen, ist auf dem Hintergrund von Überlegungen zu sehen, auf der Insel im Nordmeer neue Kapazitäten aufzubauen. Isländischer Geothermiestrom kostet etwa ein Drittel der Preise, zu denen in Deutschland industrielle Großabnehmer ihre Energie beziehen können.

Die Umzugspläne treffen aber nicht nur Deutschland. Standorte in den USA, Frankreich oder den Niederlanden sind ebenfalls von Schließungen bedroht. Allein bei Alcoa in den USA könnten bis zu 6.500 Arbeitsplätze entfallen. Für Deutschland ist von einem Verlust von 870 Jobs die Rede.

Der Autor des Bloomberg-Artikels, Matthew Craze (mcraze@bloomberg.net), verwies in seinem Beitrag darauf, dass die Aluminium-Industrie in den nächsten zehn Jahren rund 63 Milliarden Euro für ihre weltweiten Umzugspläne in Länder mit Billigstromangeboten ausgeben wird. Zu den Gewinnern neben Island zählt u.a., wegen seiner Erdgasvorkommen, Katar am Persischen Golf.