Fördermittel für zweite Forschungsbohrung in Groß Schönebeck bereitgestellt
18.08.05 | Nachrichten & KurzmeldungenAm Standort der Geothermie-Forschungsbohrung Groß Schönebeck des GeoForschungsZentrums Potsdam (GFZ) soll eine zweite Bohrung mit rund 4300 Metern Tiefe niedergebracht werden. Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) stellt einen Teil der dafür erforderlichen Mittel in Höhe von 10,1 Mio. Euro bereit. Ebenfalls beteiligt ist das Ministerium für Wirtschaft des Landes Brandenburg beteiligt, das eine weitere Million Euro zugesagt hat. Bereits im Winter 2000 hatte das GFZ Potsdam mit einem ersten, ebenfalls 4300 Meter tiefen Bohrloch die Arbeiten zur Technologieentwicklung für ein Geothermiekraftwerk begonnen. Ziel der jetzt anvisierten zweiten Bohrung ist die Herstellung eines geschlossenen oberirdisch-untertägigen Wasserkreislaufs, aus dem die Wärmeenergie für die künftige Anlage bezogen werden kann. Das aus der Förderbohrung zur Oberfläche gepumpte Tiefenwasser wird nach seiner Auskühlung über eine Injektionsbohrung in die Lagerstätte zurückgeführt. Prof. Rolf Emmermann, Vorstandsvorsitzender des GFZ Potsdam, sagte: „Das GeoForschungsZentrum Potsdam untersucht das Potenzial der Geothermie bereits seit fast einem Jahrzehnt. Wissenschaftlich und ökonomisch gesehen ist die vorgesehene Stromerzeugung aus Geothermie unter hiesigen geologischen Bedingungen Neuland. Wir wissen aber: die im tieferen Untergrund vorhandene Erdwärme ist nicht nur umweltfreundlich, sondern bietet sich auch als nachhaltige Optionfür die zukünftige Energieversorgung an.“ Experimente in der GFZ-Geothermie-Bohrung haben nachgewiesen, dass sich die in weiten Teilen des Norddeutschen Beckens verbreiteten Heißwasservorkommen zur Stromerzeugung eignen. Nach den Experimenten wurde ein untertägiger Wasserzufluss erreicht, der die Stromerzeugung aus Erdwärme energiewirtschaftlich interessant macht.“ Durch die Zusammenarbeit mit einem industriellen Partner, der Vattenfall Europe möchte man einen schnellen Übergang der Forschungsergebnisse in die wirtschaftliche Anwendung erreichen. Vattenfall Europe hat die Absicht erklärt, den Nachweis der Nachhaltigkeit geothermischer Stromerzeugung in Groß Schönebeck ebenfalls mit einer Million Euro zu unterstützen. Bei Erfolg wird das Energie-Unternehmen auch den Kraftwerksbau finanziell sicherstellen. Bereits beim Niederbringen der neuen Bohrung soll der Wärmespeicher durch gezielt ausgerichtetes und besonders schonendes Bohren mittels verträglicher Kühl- und Spülverfahren für die spätere Langzeitnutzung optimal vorbereitet werden. Die Bohrarbeiten sollen noch im Herbst dieses Jahres beginnen. Zur wirtschaftlichen Nutzung der Erdwärme müssen in der Tiefe neben einer genügend hohen Temperatur auch ausreichende Mengen an Wasser vorhanden sein. Wenn das Gestein zu wenig Poren und Klüfte aufweist, in denen das heiße Tiefenwasser zirkulieren kann, kann man den Wasserfluss durch Stimulation erhöhen. Dazu wurden an der Forschungsbohrung Groß Schönebeck neue Verfahren entwickelt.
Ernst Huenges, Sektionsleiter Geothermie am GFZ Potsdam, erklärte dazu: „Mit unserem neuen Stimulationsverfahren haben wir gezeigt, dass die Produktivität von Geothermielagerstätten gezielt gesteigert werden kann. Die hier erprobte Stimulationstechnologie ist weltweit auf Gebiete ähnlicher geologischer Struktur übertragbar. Das Projekt hat damit Pilotcharakter für die geothermische Stromerzeugung.“ Vergleichbare Verhältnisse im Untergund finden sich z. B. im gesamten Norddeutschen Becken, das sich von Polen bis in die Niederlande erstreckt. Der größte Vorteil geothermischer Kraftwerke ist die Grundlastfähigkeit. Geothermische Energie steht 24 Stunden am Tag und 365 Tage im Jahr bedarfsorientiert zur Verfügung. Sie kann damit maßgeblich zum Ausbauziel der Erneuerbaren Energien bis 2010 und zu einer nachhaltigen Energieversorgung beitragen. (Quelle: GFZ)




