Unterhaching: Siemens erhält Auftrag für Bau des Geothermischen Kraftwerks

18.11.05 | Nachrichten & Kurzmeldungen

 

Der Siemens-Bereich Industrial Solutions and Services (I&S) hat von der Geothermie Unterhaching GmbH und Co. KG den Auftrag erhalten, ein schlüsselfertiges Erdwärmekraftwerk in Unterhaching bei München zu errichten. Der Vertrag wurde heute in Anwesenheit des bayerischen Wirtschaftsministers Dr. Otto Wiesheu, des Unterhachinger Bürgermeisters Dr. Erwin Knapek, von Siemens-Vorstand Prof. Dr. Claus Weyrich und dem Geschäftsführenden Partner von Rödl & Partner, MartinWambach unterzeichnet. Rödl & Partner, Nürnberg, ist für die Steuerung des Gesamtvorhabens verantwortlich.

Der nun an Siemens gegangene Auftrag umfasst den Turbosatz, einen Wärmetauscher-Kreislauf, die Kühlanlage, die komplette elektrische Energietechnik bis hin zur Stromeinspeisung sowie das Leitsystem. Das Erdwärmekraftwerk ist für eine elektrische Leistung von 3,36 Megawatt ausgelegt, wird nach dem Kalina-Prinzip arbeiten und ca. 2000 Haushalte versorgen. Mi Kalina-Anlagen lassen sich Wärme aus Niedertemperaturquellen mit einem gegenüber herkömmlichen Anlagen höheren Wirkungsgrad in elektrische Energie umwandeln. Siemens ist auch für den Bau von Verwaltungsgebäude und Maschinenhaus einschließlich Schallschutzmaßnahmen verantwortlich und übernimmt die Wartung des Kraftwerks während der ersten zehn Betriebsjahre. Das Gesamtauftragsvolumen beläuft sich auf rund 16 Mio. EUR. Der Start des kommerziellen Betriebs ist für Mitte 2007 geplant.

Die Gemeinde Unterhaching bei München liegt im süddeutschen Molassebecken. Dort führt der poröse Kalkstein in rund 3000 Meter Tiefe über 100 °C heißes Wasser. Zur Erschließung des Thermalwassers hat die 21.000 Einwohner zählende Gemeinde die Geothermie Unterhaching GmbH und Co. KG gegründet, deren alleinige Gesellschafterin sie ist. Eine im Sommer 2004 durchgeführte Bohrung stieß in 3.300 Meter Tiefe auf Wasser mit einer Temperatur von 122 °C. Die Förderbohrung wird einen Thermalwasserstrom von 150 Liter pro Sekunde liefern. Davon sollen 25 Liter pro Sekunde zur Erzeugung von Wärme für das Fernwärmenetz genutzt werden, die verbleibenden 125 Liter pro Sekunde dienen der Erzeugung von 3,36 Megawatt elektrischer Energie im neuen Erdwärmekraftwerk.

Für das Kraftwerk liefert und installiert Siemens die kompletten oberirdischen Anlagenteile. Dazu gehören der Wärmetauscher-Kreislauf, die Dampfturbine mit Generator und der Kühlkreislauf ebenso wie die gesamte Automatisierungs- und Leittechnik auf der Basis von Simatic PCS7. Herzstück des neuen Erdwärmekraftwerks ist der nach dem Kalina-Prinzip arbeitende Wärmetauscher-Kreislauf. Dabei kommt ein Arbeitsmedium aus Wasser und Ammoniak zum Einsatz. Gegenüber reinen Medien mit konstantem Siedepunkt wie Wasser oder Pentan siedet dieses Gemisch bei vorgegebenem Druck über einen großen Temperaturbereich. Der Wärmenutzungsgrad der Kalina-Technik liegt nach Angaben von Siemens deshalb im Vergleich zum Wasser-Dampf- oder einem Organic-Rankine-Kreislauf (ORC) deutlich höher und erlaubt auch bei niedrigen Temperaturen einen wirtschaftlichen Betrieb der Anlage. Die KALINA-Technologie ist weltweit bei Geothermie- und Industrieanlagen einsetzbar und kann aufgrund ihrer Umweltfreundlichkeit einen großen Beitrag zur Energieversorgung der Zukunft leisten. Das Kraftwerk in Unterhaching gilt als ökologisch wie ökonomisch richtungsweisend.

Desweiteren liefert Siemens die vollständige Energietechnik, bestehend aus Mittel- und Niederspannungstransformatoren, aus einer 22-Kilovolt-, einer 6-Kilovolt- und einer Niederspannungs-Schaltanlage sowie Energieverteilung, Gleichstromversorgung und Erdungsanlage. Siemens ist auch für den Bau des Verwaltungsgebäudes inklusive Leitwarte, des Maschinenhauses und des Kühlturmbeckens verantwortlich. Zum Projekt gehören weiterhin die Wartung des Erdwärmekraftwerks während der ersten zehn Betriebsjahre.

Die konkreten Verhandlungen die zwischen den beiden Partnern begannen nach Feststellung der Fündigkeit im September 2004. Der Pumptest in Unterhaching hatte seinerzeit ergeben, dass in ca.3.500 Metern Tiefe Thermalwasser mit einer Temperatur von 122°C bei einer

Schüttung von 150 Litern pro Sekunde zur Verfügung steht. „Es war ein langer und manchmal steiniger Weg in den Verhandlungen. Letztendlich haben Siemens und Unterhaching ein wie ich meine sehr gutes und faires Vertragsergebnis erzielt“, so der Bürgermeister von Unterhaching, Dr. Erwin Knapek. Im Frühjahr 2006 wird mit dem Bau der KALINA-Anlage begonnen. Als Bauzeit werden 16-18 Monate veranschlagt.

 

"Wir brauchen dringend mehr Strom und Wärme auch aus Niedertemperaturquellen. Deshalb errichten wir jetzt die modernste Anlage dieser Art in Unterhaching", sagte Bürgermeister Dr. Erwin Knapek. Den Auftrag für dieses Erdwärmekraftwerk habe Siemens erhalten, weil die Kompetenz des Unternehmens einer innovativen wie nachhaltigen Strom- und Wärmeversorgung der Bürger zu Gute kommt.

Das Geothermieprojekt wird mit einem nicht rückzahlbaren Zuschuss sowie einem Sonderdarlehen vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit in Höhe von bisher 4,8 Millionen Euro unterstützt. „Unseren eingehenden Recherchen zufolge besteht derzeit deutschlandweit auf der Basis bestehender Aufsuchungserlaubnisse ein Investitionsvolumen für geothermische Energieerzeugung von ca. 3 - 3,5 Milliarden Euro“, erklärt Martin Wambach, Geschäftsführender Partner von Rödl & Partner. Die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft hat die Projektleitung für das gesamte Geothermieprojekt in Unterhaching inne. „Von der heutigen Vertragsunterzeichnung geht eine Signalwirkung aus.



Denn das Geothermieprojekt hier in Unterhaching ist das Musterbeispiel für die weltweite Entwicklung der Stromversorgung aus Geothermie im Niedertemperaturbereich“, betont Wambach.

Weitere Informationen auch unter: http://www.industry.siemens.de/geothermal

Weitere Ansprechpartner:
Rödl & Partner: Dipl.-BW. (FH) Christian Schönwiesner-Bozkurt, Gesamtprojektleiter Geothermie Unterhaching, E-Mail: christian.schoenwiesner-bozkurt@roedl.de, Tel.: +49 (9 11) 91 93-36 11

Dr. Erwin Knapek, Bürgermeister der Gemeinde Unterhaching,  E-Mail: rathaus@unterhaching.de, Tel.: +49 (89) 6 65 51-0

Dipl. Ing. (FH) Jörg Specht, Geschäftsführer Geothermie Unterhaching GmbH & Co KG
E-Mail: geothermie@unterhaching.de, Tel.: +49 (89) 6 65 51-205