Morris, C: Zukunftsenergien.

21.12.05 | Nachrichten & Kurzmeldungen

 

Die Wende zum nachhaltigen Energiesystem. Heise Zeitschriften Verlag, Hannover 2005, 170 S., ISBN 3-936931-26-7

Ein Buch zum Thema Zukunftsenergien verortet nicht unbedingt in einem Verlag, der sich mit der Ware Information über Informationstechnologien profiliert. Bei Heise weiß man aber auch ein Medium selbst daraus zu machen: das im deutschen Sprachraum einzigartige Online-Magazin Telepolis publiziert beständig aktuelle, gut aufbereitete Informationen aus Wissenschaft, Gesellschaft und Kultur. Eine Druckausgabe gibt es nicht. Dafür aber eine Buchreihe. Die setzt die Themen fort, z. B. mit einem Report über Zukunftsenergien. 

Autor Craig Morris ist Fachübersetzer und Autor im Bereich Erneuerbarer Energie, Umwelttechnik, IT und mehr, stammt aus den USA und lebt heute in Deutschland. Das Buch startet originell: „Im Mittelalter dachte man im Bergbau, dass das Silber nachwächst. Und als die Kohle in Nordengland im 14. Jahrhundert große Verwendung fand, beschmierte man die Fundstellen mit Düngern, um das Wachstum der Kohle zu fördern.“ Unsere Nachkommen werden uns nicht klüger für klüger halten, als wir die Menschen des Mittelalters. Wir wissen, dass uns das Öl ausgeht, dass wir die Ressourcen schneller verbrauchen, als sie „nachwachsen“. Wir wissen, dass alles Wachstum endlich ist, aber welche Konsequenzen ziehen wir aus solchen Einsichten? Craig beantwortet diese Frage zunächst einmal mit: keine. Heute leben keine Generationen der gescheiten Köpfe, hier haust eine der egoistischten Kulturen in der Geschichte der Menschheit. Wir „Energie-Analphabeten“ plündern nach Belieben und hinterlassen unseren Kindern eine verarmte, durch Klimawandel bedrohte Welt. Wen kümmern heute aber die Menschen von 2200?

Uns kümmert heute das längst absehbare Ende des „billigen“ Öls. Uns sollte kümmern, was danach kommt. Das Ende des „billigen“ Erdgas? Wer auf seine Heizkostenrechnung blickt, wird glauben, das Ende bereits hinter sich gelassen zu haben. Craig sieht Erdgas und Kohle als Brücken in jene Zeit, die mit den Erneuerbaren leben muss und leben wird. Von ihnen verlangt er, so so effizient wie möglich zu nutzen. Und die Kernkaft? Angesichts ungelöster Endlagerproblematik schreibt er sie ab. Gebraucht wird sie sowieso nicht: effiziente Nutzung der Ressourcen nehmen einen Teil des Bedarfs vom Markt. Penibel untersucht Craig die Ressourcen, Einsatzmöglichkeiten und Energiebilanzen von Biomasse, Photvoltaik und Windkraft, sieht eine vollständige Versorgung als machbar. Ach ja, und wie ist das mit der Geothermie, Herr Craig? Sie ist das „Erd-Dorado.“ Was er dann mit einer Reihe aktueller Beispiele untermauert.