Offizieller Bohrbeginn in Traunreut
01.02.12 | Tiefe GeothermieMit dem feierlichen „Meißelanschlag" begannen am 31. Januar 2012 offiziell die Bohrungen für das Geothermiekraftwerk in Traunreut. Mit den Bohrarbeiten ist die Anger's Söhne Bohr- und Brunnenbaugesellschaft aus Hessisch-Lichtenau beauftragt, die die elektrohydraulische Bohranlage "Innovarig" zum Einsatz bringt. Diese arbeitet sehr leise und ist deshalb besonders für den wohnortnahen Einsatz ausgelegt.
Erwartet werden in einer Tiefe von fast 5.000 m Wasser führende Schichten mit Temperaturen von rund 130°C. Über 500 bis zu 20 m lange Rohrstücke aus Stahl werden während der Bohrung miteinander verbunden, um die notwendige Tiefe zu erreichen. Der Bohrmeißel arbeitet sich dabei mit einem Anpressdruck von rund 20 Tonnen voran und wird mit einem Wasser-Bentonit-Gemisch (eine Art Ton) gekühlt. Thomas Neu, Geschäftsführer der Geothermiekraftwerks-gesellschaft Traunreut (GKT), erklärte gegenüber den Medien vor Ort die Sicherung des Bohrkanals durch Metallrohre sowie durch eine Betonauskleidung, die eine Gefährdung des Trinkwassers ausschließen.
Nach Abschluss der ersten Bohrung wird die Bohranlage um 7,5 Meter seitlich verschoben, um bis August 2012 eine zweite Bohrung in den Malmkarst des nordalpinen Molassebeckens niederzubringen. Am Fußpunkt werden die beiden Bohrungen rund 2.500 Meter auseinanderliegen. Insgesamt betragen die Investitionen für Bohrungen und Kraftwerk rund 65 Millionen Euro. Das Kraftwerk mit einer installierten Wärmeleistung von 12 MW und einer elektrischen Leistung von 5,5 MW soll ab Ende 2013 das lokale Fernwärmenetzwerk versorgen und ab Anfang 2014 geothermalen Strom liefern.
Wesentliche Dienstleistungen rund um die erste Bohrung des Geothermieprojektes übergibt die GKT, eine Tochtergesellschaft der Grünwald Equity, an die Schlumberger GmbH. Dazu haben die beiden Gesellschaften kürzlich einen Rahmenvertrag abgeschlossen. Die Schlumberger GmbH ist einer der weltweit führenden Dienstleister in der Tiefbohrindustrie. Für die GKT wird sie die Bohrlochmessungen durchführen, die Zementation zwischen Verrohrung und Bohrlochwand bzw. Gestein ausführen sowie die Bohrwerkzeuge liefern. Auch bei der Durchführung und Auswertung einer „InBohrLochSeismik“ unterstützt Schlumberger die GKT. Im rund zur Hälfte niedergebrachten Bohrloch werden in regelmäßigen Abständen hochsensible Sensoren (Geophone) angebracht und über Kabel mit einem Messwagen verbunden, um die Impulse der Vibrationsfahrzeuge aufzunehmen. Die seismischen Messungen werden im Zeitraum Februar 2012 bis voraussichtlich April 2012 im Rahmen eines vom Bayerischen Wirtschaftsministeriums flankierten Forschungsprojektes durchgeführt. Ziel ist die Präzisierung der bereits durchgeführten 3D-Seismik zur genaueren Lokalisierung der untertägigen Thermalwasserschichten. So soll eine optimale Einbindung der Wasser führenden Schichten zur Auskopplung von Fernwärme und zur Erzeugung von Strom gewährleistet werden.
Weitere Informationen zum Geothermieprojekt Traunreut finden Sie auf den Internetseiten der GKT.
Quelle: Wochenblatt, Pressemitteilung der Schlumberger GmbH




