Aktive Entwicklung der Tiefen Geothermie in der Schweiz

13.04.12 | Geothermie weltweit

 

Gleich mehrere Initiativen und Projekte in der Schweiz haben derzeit das Ziel, das große Potenzial des Landes im Bereich Tiefe Geothermie wieder stärker zu erkunden und zu nutzen. Damit soll trotz der abgebrochenen Projekte in Basel (2006) und Zürich (2010) die Nutzung der Tiefen Geothermie in der Schweiz weiterhin gestärkt werden.

So hat in Zürich der Stadtrat bereits im März beantragt, die Beteiligung der städtischen Elektrizitätswerke (EWZ) an der Geo-Energie Suisse AG von 2 auf 10,6 Millionen Franken zu erhöhen. Zusammen mit den Mitteln sechs weiterer beteiligter Energieversorger will die Geo-Energie Suisse AG damit der „Tiefengeothermie in der Schweiz zum Durchbruch verhelfen“. Dabei sollen eine neue Bohrtechnik zur Vermeidung von Erschütterungen, ergänzt durch ein von der ETH Zürich entwickeltes System zur Erdbebenvorhersage, eingesetzt werden. Eine erste Prüfung hat 40 von 130 möglichen Standorten als geeignet befunden, die sich im Mittelland und im Jura befinden. In den nächsten Monaten soll für drei von ihnen bereits mit den Bewilligungsverfahren begonnen werden.

Erst kürzlich hatte auch eine überparteiliche «Allianz für untiefe und tiefe Geothermie im Kanton Zürich» die Schaffung günstiger gesetzlicher Rahmenbedingungen gefordert, um im Kanton Zürich mit Investoren ein geothermisches Kraftwerk errichten zu können (siehe GtV-Newsmeldung vom 3. April 2012). Ebenfalls auf den Geothermie-Geschmack gekommen ist der in Zürich ansässige Energiekonzern ABB. Hier wird derzeit ein elektrothermischer Speicher entwickelt, der die aus dem Erdinneren gewonnene Wärme aufnehmen und der jeweils am besten geeigneten Nutzung zuführen solle. Zusammen mit Partnern aus der Elektrizitätsbranche soll in näherer Zukunft eine Pilotanlage im Großraum Zürich realisiert werden.

Zum landesweiten, strategischen Vorgehen haben bereits im Jahr 2011 mehrere Elektrizitätsversorger unter dem Dach der Schweizerischen Vereinigung für Geothermie (SVG) einen „Aktionsplan Tiefengeothermie Schweiz“ entwickelt. Der Plan sieht vor, in einer ersten Phase zwischen 2013 und 2018 schweizweit zehn geeignete Standorte zu erkunden und in einer zweiten Phase ab zirka 2016 bis 2020 fünf Pilot-Kraftwerke zu bauen. Im Verlauf der dritten und vierten Phase von 2020 bis 2035/2050 soll die Technologieentwicklung dann so weit fortgeschritten sein, dass mehrere große Geothermiekraftwerke ausgebaut werden können bei gleichzeitigen Explorationsarbeiten weiterer Regionen hinsichtlich ihrer Eignung für die tiefengeothermische Stromproduktion. Weitere Details können Sie diesem pdf-Dokument der SVG entnehmen.

Als mögliches Ziel dieser Aktivitäten erachtet der Bund bis zum Jahr 2050 eine jährliche geothermische Stromproduktion in der Schweiz von 4.000 Gigawattstunden (GWh) als realistisch. Bei einem Jahresverbrauch der Schweiz von derzeit 60.000 GWh entspräche dies einem Anteil von knapp 7%. Die Präsidentin der Geothermie-Vereinigung SVG, die Zürcher CVP-Nationalrätin Kathy Riklin, sähe es hingegen als Erfolg, wenn bis dahin 20 - 30 % des Strombedarfs aus der Geothermie gedeckt werden könnten. Noch optimistischer ist der Kanton Zürich: In einer Antwort auf ein Postulat zur Geothermie wagte die Regierung im Jahr 2008 die Prognose, dass rund 40 % des kantonalen Strombedarfs geothermisch produziert werden könne.

Quelleb: Neue Züricher Zeitung, SR DRS