Tiefe Geothermie in Bayern: Erfolgsregion mit besten Wachstumsaussichten

07.05.12 | Tiefe Geothermie, Wirtschaft & Markt

 

Eine von vielen Geothermieanlagen im bayerischen Molassebecken: Das Heizwerk München-Riem der SWM

Eine Erhebung der „Sektion Tiefe Geothermie“ des GtV-Bundesverbandes Geothermie hat aktuelle Zahlen zur Tiefen Geothermie im bayerischen Molassebecken erbracht. Ein Anlass für Dr. Christian Pletl, Mitglied des Vorstandes der Sektion, die derzeitige Situation der „Erfolgsregion der Tiefen Geothermie in Mitteleuropa“ zu reflektieren sowie einen Ausblick auf ihre weitere Entwicklung zu geben.

Aktuell (Stand 03 /2012) sind in Bayern zwölf Anlagen zur Nutzung der Tiefen Geothermie für Fernwärmeerzeugung bzw. Stromproduktion in Betrieb. Kumuliert verfügen sie bereits über 76 Betriebsjahre. Die ältesten Geothermieheizwerke Erding und Straubing laufen bereits seit 1998 bzw. 1999. In Summe verfügt Bayern über eine installierte geothermische Wärmeleistung von ca. 130 MW sowie ca. 3 MW elektrische Leistung. Im Jahr 2011 haben die Anlagen insgesamt rund 350 GWh Wärme erzeugt. Damit könnte man 25.000 Dreipersonenhaushalte, d.h. fast eine 75.000-Einwohner-Stadt, komplett versorgen. Im Vergleich zu konventionellen Erdgasheizungen hat die geothermisch erzeugte Wärme in Bayern auf diese Weise ca. 90.000 Tonnen CO2 eingespart.

Die Tiefe Geothermie ist in den vergangenen 10 Jahren zudem nicht nur zu einem wichtigen Bestandteil der bayerischen Energiepolitik, sondern auch zu einem Wirtschaftsfaktor des Landes herangewachsen. Allein in die bestehenden Projekte wurden bis heute ca. 450 Mio. € investiert und die Projekte generieren einen jährlichen Umsatz von über 30 Mio. €. Hinzu kommt, dass durch den Einsatz der Geothermie der bayerische Gasbezug aus dem Ausland rechnerisch um ca. 9 Mio. € pro Jahr reduziert wird.

Die bayerischen Tiefengeothermie-Projekte werden in den nächsten Jahren durch weiteren Netzausbau sowie durch Anlagen- und Betriebsoptimierungen ihren Absatz und die geothermische Wärmeproduktion signifikant (>20%) erhöhen können. Darüber hinaus werden in den kommenden Jahren zahlreiche weitere Anlagen realisiert. Bei fünf Projekten sind die Bohrungen bereits fertiggestellt und die Anlagen werden spätestens 2013 in Betrieb gehen. Bei fünf weiteren Projekten sind die Bohrungen in Gang bzw. die Bohrplätze oder die Heizwerke gebaut. Durch diese zehn neuen Anlagen wird sich die installierte Wärmeleistung Bayerns erneut verdoppeln und die Stromproduktion mehr als verzehnfachen. Die Erzeugung elektrischer Energie wird dann in der CO2-Einsparung einen ebenso großen Beitrag leisten wie die Wärmeproduktion. Weitere Anlagen sind bereits sehr weit in der Planung und zum Teil schon mit Gemeinderatsbeschlüssen unterlegt und auch geplante Erweiterungsbohrungen bestehender Projekte kommen hinzu.

Auch in den nördlicher gelegenen Regionen des Molassebeckens, in denen die geothermisch relevante Schicht des Malm weniger tief liegt und daher geringere Temperaturen erreicht werden, wird eine Nutzung des thermischen Potenzials in Abhängigkeit von den Nutzungsmöglichkeiten und unter Einsatz z.B. zusätzlicher Wärmepumpentechnologie nun wieder vermehrt in Betracht gezogen.

Das Gesamtpotenzial der geothermischen Nutzung aus dem Malm wird im bayerischen Energiekonzept »Bayern Innovativ« mit 1.800 MW für die Wärme und mit 300 MW für Strom angegeben. Theoretisch könne, gemäß dem Bayerischen Wirtschaftsministerium, mit dem Wärmepotenzial aus dem Erdinneren der Großraum München komplett mit Wärme versorgt werden. Der Ausbau wird neben der Erschließung neuer Gebiete zunehmend auch über die Erweiterung (siehe z.B. Erweiterung Pullach 2011) und die Nachverdichtung im Bereich bestehender Projekte erfolgen.

Zum Thema „Bayerisches Molassebecken – Erfolgsregion der Tiefengeothermie in Mitteleuropa“ haben Dr. Christian Pletl (Stadtwerke München und Mitglied im STG-Vorstand des GtV-BV) und Dr. Klaus Dorsch (Erdwerk GmbH) einen ausführlichen Artikel im Heft 73 der Zeitschrift „Geothermische Energie“  verfasst. Das Heft geht allen Mitgliedern und Abonnenten in den nächsten Tagen per Post zu.