Geothermieflatrate statt steigender Brennstoffkosten

30.07.14 | Oberflächennahe Geothermie

 

Bild 1: Bei 5 Mehrfamilienhäuser wurde gestern die Erdwärmeheizung in Betrieb genommen. Bild 2: 49 weitere werden in den nächsten 1-2 Monaten folgen. Sie werden bis dahin saniert, ausgebaut und an die Erdwärmeanlage angeschlossen werden.

Gestern wurde der erste Bauabschnitt des deutschlandweit größten Geothermieprojekts im Wohnungsmarkt in Betrieb genommen. Zu finden ist es im Norden der Stadt Celle. Wo früher die Soldaten der Bundeswehr untergebracht waren, entsteht ein beispielhaftes Erdwärmeprojekt. Die Bewohner von fünf Mehrfamilienhäusern sollen ab sofort vom sogenannten „Trautsch-Modell“ profitieren, 49 weitere bis zum Beginn der Heizperiode.

Christoph F. Trautsch, Vorstandsvorsitzender der DGI AG, verspricht mit seinem Konzept nicht weniger als auf Jahre garantierte Wärmelieferung zum Festpreis. „Solange sie hier wohnen, zahlen sie jedes Jahr das Gleiche“, sagt der Immobilienunternehmer im Celler Stadtteil Klein Hehlen, auch vor zahlreichen Bewohnern. Für eine Studiowohnung im Dachgeschoss sind das zum Beispiel 100 € pro Monat. Das Trautsch-Modell, so der Namensgeber, sei eine Versicherung, eine Möglichkeit sich unabhängig zu machen von steigenden Brennstoffpreisen für Öl und Gas. Insgesamt 25 Mio. Euro wird der Immobilienunternehmer für Ausbau und energetische Sanierung investieren.

Der Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende begrüßt, dass dieses einzigartige Projekt nun in seiner Stadt umgesetzt wurde. Beispielhaft sei es dafür, wie die beschlossene Energiewende sinnvoll umgesetzt werden könne. In seinem Grußwort wünscht er dem Unternehmen und den Mietern alles Gute.

Drei Mehrfamilienhäuser werden nun bereits mit Erdwärme beheizt, weitere sollen folgen. In Celle und Rotenburg werden insgesamt 1.250 Bewohner von 509 Wohnungen von der regenerativen Wärme profitieren. Dazu wurden und werden 30.000 Meter Erdwärmesonden im Boden versenkt. Der Vorteil dabei zeigt sich bei der Besichtigung der unsanierten Häuser. Im Heizungskeller eines Hochhauses sorgen derzeit noch zwei fossile Kessel für die Wärme im Wohngebiet. Sie sind seit über 20 Jahren in Betrieb und werden bald durch effiziente Erdwärmepumpen ersetzt. Da sich der Großteil der Anlage für das menschliche Auge unsichtbar unter der Erde befindet, wird im Heizungskeller neuer Stauraum geschaffen. Der Hausmeister will ihn zu einem zentralen Lager für den gesamten Wohnkomplex umfunktionieren. Vorbei sein dürfte es auch mit der stickig-warmen Luft, für die die alten Ölheizungen sorgen.

Einige baugleiche Häuser werden derzeit noch saniert. Das beinhaltet eine Dämmung der Gebäudehülle, das Treppenhaus wird generell überholt und im Dachgeschoss entstehen je zwei Wohnungen. Das Resultat: Statt Öl im Umfang von ca. 6 Mio. Kilowattstunden pro Jahr zu verfeuern, benötigen die Erdwärmepumpen nach Projektabschluss nur noch rund 1 Mio. Kilowattstunden Strom als Antriebsenergie.