Geothermie als Beruf und Berufung: Zum Tode von Dr. Christian Hecht

21.06.17 | Nachrichten & Kurzmeldungen

 

Quelle: Horst Kreuter

Die Geothermie als Fundament der Fernwärmeversorgung Münchens hatte mit ihrem Projektleiter Dr. Christian Hecht ein über die Landesgrenzen hinaus bekanntes Gesicht. Christian Hecht hatte sich einen Namen gemacht durch die Entwicklung geothermischer Projekte und sein unermüdliches Engagement, in der Öffentlichkeit die Vorteile der Geothermie zu erläutern. Er war ein gefragter Experte, kürzlich auch für die Stadt Wien, wenn es um die geothermische Erschließung und Wärmeerzeugung für Metropolregionen ging.

Begonnen hatte der promovierte und habilitierte Geologe seine Laufbahn zunächst in der Wissenschaft. Christian Hecht, am 1. Juli 1959 in Hermannstadt (Rumänien) geboren, hat einmal erzählt, dass seine geologische Vorprägung auf das Lutschen von Kieselsteinen zurückzuführen sei – in Ermangelung von Bonbons in seiner Kindheit. Im Erwachsenenalter hat er sie dann lieber als Geologe mit dem Schwerpunkt Sedimentologie an der Universität Heidelberg studiert. Dort erhielt er mit seiner Arbeit an Sedimenten aus dem Orinoco-Flussdelta (Venezuela) 1989 sein Diplom in Geologie.

Als frisch diplomierter Sedimentologe hat sich Christian Hecht bei Professor Reinhard Greiling der Strukturgeologie zugewandt und an der Universität Heidelberg seine Promotion begonnen. Wohl in Vorahnung auf seine spätere Arbeit in einem Vorlandbecken, dem Bayerischen Molassebecken, hat er im südwest-englischen Culm-Vorlandbecken die thermische und tektonische Entwicklung des Beckens untersucht.

Nach der Promotion 1992 im Fach Strukturgeologie kam Christian Hecht mit der Praxis in Berührung, als er stellvertretender Direktor eines geotechnischen Unternehmens wurde. Er selbst hat diesen Schritt als „Schock“ bezeichnet, wurde doch sein Wissen aus der Strukturgeologie und Sedimentologie auf pragmatische Lösungskonzepte heruntergebrochen. Diese erste Erfahrung mit den Angewandten Geowissenschaften verbunden mit Projektmanagement sollte seinen weiteren Lebensweg entscheidend prägen.

Zunächst zog es Christian Hecht jedoch zurück in die akademische Welt; nach drei Jahren Berufserfahrung wechselte er an die Martin-Luther-Universität in Halle-Wittenberg zum Ingenieurgeologen Professor Christof Lempp. Hier konnte er seine Kenntnisse aus dem geotechnischen Berufsleben mit seinem Grundlagenwissen aus der Strukturgeologie und Sedimentologie verbinden. Er erwarb dabei die Kompetenz in der quantitativen Geologie und die Sichtweise, den geologischen Untergrund als nutzbare und nachhaltig zu behandelnde Ressource zu betrachten. Durch Publikation seiner Ergebnisse über die Rotliegendsande des Perm im Norddeutschen Becken hat er sich einen Namen in der Strukturgeologie, Geomechanik und Petrophysik gemacht. Auf dieser Grundlage habilitierte er sich 2003 in der Angewandten Geologie.

Nach seiner Habilitation kam für Christian Hecht der Einstieg in die Geothermie. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter hat er sich in der Arbeitsgruppe Geothermie an der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover mit dem geothermischen Potential der Rotliegend-Sedimente und -Vulkanite des Perm beschäftigt, genau die Geologie, die er während seiner Habilitation strukturgeologisch-geomechanisch untersucht hatte. Zudem hat er an der Interpretation der Stimulationsexperimente der Forschungsprojekte Groß Schönebeck des GFZ und GeneSys der BGR/LIAG mitgewirkt.

Eigentlich hatte Christian Hecht vor, der akademischen Welt treu zu bleiben, und wollte mit dem Einstieg in die Firma HotRock im Jahr 2004 nur eine weitere Zwischenstation auf dem Weg zu einer Professur machen. Doch fasziniert und überzeugt von der Geothermie als nachhaltiger Energieressource hat Christian Hecht mit seinem vorausschauenden Blick den Weg in die Selbstständigkeit und in die geothermische Energieversorgung gewagt, in der er dann einer der ganz großen Kompetenzträger werden sollte. Mit den geothermischen Erkundungsbohrungen Offenbach a. d. Queich und Bellheim hat Christian Hecht die Möglichkeiten, aber auch die Herausforderungen der Tiefen Geothermie für die kommunale Nahwärmeversorgung kennengelernt. In seiner fast zehnjährigen Tätigkeit als Geschäftsführer der Firma HotRock hat Christian Hecht die gesamte Palette der geothermischen Projektentwicklung abgedeckt. Die Entwicklung der geothermischen Energie im Oberrheingraben ist mit dem Namen Christian Hecht untrennbar verbunden. So ist das Geothermieprojekt Insheim durch die Projektentwicklung von Christian Hecht generiert worden.

2013 folgte der Wechsel vom Oberrheingraben in das süddeutsche Molassebecken zu den Stadtwerken München (SWM). Dort konnte Christian Hecht seinen geballten Erfahrungsschatz aus der Projektentwicklung in das Zukunftskonzept der SWM einbringen. Außerordentlich engagiert und überzeugt von der Geothermie als Basis zur Wärmeversorgung Münchens wurde Christian Hecht eine der entscheidenden Personen für die Energiewende in Bayern. Mit herausragendem Fachwissen, Innovationsgeist und der ihm eigenen Überzeugungskraft hat der Visionär Christian Hecht das Großforschungsprojekt GRAME mit entwickelt und geleitet; allein der Titel GRAME – „Ganzheitliche optimierte und nachhaltige Reservoirerschließung für tiefengeothermische Anlagen im Bayerischen Molassebecken – Entwicklung eines 50 MWel Kraftwerks und Erschließung von 400 MWth für die Fernwärme in München“ – zeigt, wo Christian Hecht die Geothermie und die nachhaltige Energieversorgung der Millionenstadt München verortet sah. Sein großes Ziel war, die Geothermie und den damit verbundenen Klimaschutz in der Fernwärmevision 2040 der SWM zu verankern.

Der Wissenschaft ist er trotz dieser Arbeitsauslastung treu geblieben, indem er bis zuletzt seine Privatdozentur mit Vorlesungen an der Universität Halle-Wittenberg aufrechterhalten hat. Durch die Betreuung zahlreicher Bachelor-, Master- und Doktorarbeiten hat er gezeigt, wie wichtig ihm die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses war.

Auch in den Bundesverband Geothermie brachte Christian Hecht sich mit viel ehrenamtlichem Engagement ein. Er teilte sein Wissen gerne mit anderen Mitgliedern und arbeitete intensiv an Fachthemen mit. Bezeichnend war dabei sein engagiertes, aber immer ruhiges und überlegtes Auftreten. Den Geothermiekongress 2013 gestaltete er als Mitglied des wissenschaftlichen Komitees mit. Beim Wirtschaftsforum Geothermie war Christian Hecht ab 2013 als SWM-Vertreter aktiv und brachte sich insbesondere bei der Diskussion über ein potenzielles EEG-Ausschreibungsmodell ein.

Sein Terminkalender war voll, Christian Hecht war ein gefragter Mann. So sollte er beispielsweise die Stadt Wien beim Projekt „GeoTief“ als Beirat begleiten. Er hatte ein Folgeprojekt für GRAME bereits konzipiert und wollte den Geothermiekongress (DGK) in seiner Wahlheimat München entscheidend mitgestalten. In zahlreichen Vortragsterminen wollte er die Rolle der Geothermie in nachhaltigen Energiekonzepten erläutern.

Aus dieser Schaffensphase wurde er nun unvermittelt herausgerissen. Christian Hecht: ein Mensch, der Herausforderungen angenommen hat, um sie gemeinsam mit anderen zu lösen, der überzeugt hat und durch seine humorvolle Art allseits beliebt war. Kurz vor seinem 58. Geburtstag ist Christian Hecht am 11. Juni 2017 überraschend verstorben. Wir haben einen lebensfrohen Menschen und überaus schätzenswerten Kollegen verloren, dessen Wirken und Erfahrung uns nicht nur in der Geothermie fehlen wird. Wir trauern mit seiner Frau und seiner Familie.

Unser Dank gilt Prof. Dr. Christof Lempp (ehemals Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg) und Dr. Christian Pletl (Stadtwerke München) für ihre wertvollen Anmerkungen und Beiträge.

Text: Inga Moeck, Rüdiger Schulz