Bundesverband Geothermie fordert von Großer Koalition einen ambitionierteren Ausbau der Erdwärmenutzung

12.02.18 | Politik & Recht

 

Nur mit Geothermie sind die Klimaschutzziele 2030 zu erreichen. Die Vorteile der Geothermie liegen auf der Hand. Anders als Wind und Sonne ist Erdwärme jederzeit und überall verfügbar bei Tag und Nacht. Geothermie kann zum Heizen, Kühlen, Speichern sowie zur Stromerzeugung eingesetzt werden.

Dr. Erwin Knapek, Präsident des Bundesverbandes Geothermie, unterstreicht besonders die Klimaschutzwirkung geothermischer Technologien. „Im Oktober 2017 hat das Umweltbundesamt in einer Studie zur Emissionsbilanz erneuerbarer Energieträger die Klimaschutzwirkung von Geothermieanlagen bestätigt und höher eingestuft als vorher. Das sollte künftig auch bei der Genehmigung von Geothermieanlagen anerkannt werden.“

Die Energieberatung für Hauseigentümer sollte mit einer Informationspflicht über die Möglichkeiten der Geothermie ergänzt und die Ergebnisse im Energieausweis veröffentlicht werden. Gleichzeitig sollte der Ausbau von Wärmenetzen und die Einspeisung von Erdwärme in diese Netze verstärkt werden.

Geothermie ist im Betrieb günstig und ein lokaler Energieträger. Doch in der Startphase entstehen hohe Investitionskosten. Mit MAP-Ausfallbürgschaften und Direktzuschüssen könnte man das kompensieren, schlägt der Bundesverband vor. Und weil an vielen Orten der Untergrund nicht ausreichend erforscht ist, sollte sich hier künftig der Staat engagieren und die geologische Erkundung des Untergrundes koordiniert vorantreiben.

Mit der Tiefen Geothermie lassen sich Strom- und Wärmeproduktion koppeln. Doch Tiefe Geothermie braucht Planungssicherheit und ihre Realisierung geht über die Zeitspanne von Legislaturperioden hinaus. Der Bundesverband hat deshalb Sorge, dass eine fünfprozentige Degression bei der Vergütung des Geothermiestroms ab 2021, wie derzeit geplant, der Tiefen Geothermie die verlässliche Entwicklungsgrundlage entziehen würde. Deshalb der Vorschlag von Knapek: „Die Degression sollte sich zukünftig an der installierten Leistung orientieren. Außerdem sollte der Pumpenstrom von der Zahlung der EEG-Umlage entlastet werden. Durch EEG-Umlage und Stromsteuer, die dem Umweltschutz dienen sollen, wird paradoxerweise eine umweltfreundliche Technologie stark belastet und in ihrer Entwicklung ausgebremst“.

Dringenden Handlungsbedarf sieht der Bundesverband Geothermie beim Wärmemarkt. „Heute sind noch acht von zehn verkauften Heizgeräten Öl- oder Gasheizungen. Eine schnelle Kehrtwende ist nötig, verbunden mit einem Verbot der Installation von fossilen Heizsystemen, sonst rücken auch die Klimaziele 2030 schnell außer Reichweite. Zunächst muss vor allem die Praxis der Förderung von Gasheizungen beendet werden“, fasst BVG-Präsident Knapek die Lage zusammen.

Auch die in Betrieb befindlichen Geothermieanlagen brauchen mehr Mittel für begleitende Forschung, um das unerschöpfliche Potenzial der Wärme unter unseren Füßen optimal nutzen und somit einen Standardisierungsgrad erreichen zu können. In Mitteleuropa nimmt die Temperatur um 30 Grad Celsius pro Kilometer Tiefe zu. Die Wärme, die in den obersten 3000 Metern gespeichert ist, entspricht dem vielfachen des weltweiten Energiebedarfs. Gerade deutsche Unternehmen haben die Chance auch in dieser Zukunftstechnologie weltweit führend zu werden.

 

Quelle: Pressemitteilung des Bundesverbandes Geothermie