Sprung nach vorn

Geothermische Vereinigung sieht starken Schub durch Novelle des Erneuerbare Energien Gesetzes

Im einzelnen sehen die Regelungen für Strom aus Geothermieanlagen vor:
bis einschließlich einer Leistung von
5 Megawatt 15 Cent pro Kilowattstunde
10 Megawatt 14 Cent pro Kilowattstunde
Unverändert bleiben die Vergütungssätze für Anlagen bis 20 Megawatt (8.95 Cent) und größer (7,16 Cent).

Kleinere Anlagen können mit den bisherigen Vergütungssätzen nicht rentabel betrieben werden. Sie sind aber die Basis für die Entwicklung größerer Kraftwerkseinheiten. In den vergangenen Jahren konnten dank der durch den Bund aus dem Zukunfts-Investitions-Programm (ZIP) bereitgestellten Mittel beträchtliche Fortschritte bei der Entwicklung von Technologien zur Erzeugung Strom aus Erdwärme erzielt werden. Es zeigte sich jedoch, dass die Betriebserfahrungen zunächst an kleineren Anlagen gewonnen werden müssen, bevor größere Einheiten in Angriff genommen werden können.

"Sollte das Gesetz in der vorliegenden Fassung verabschiedet werden können, bedeutet das einen großen Sprung nach vorn für die Entwicklung geothermischer Kraftwerke," so Sanner. Er appellierte zugleich an die Verantwortlichen aller Bundestagsparteien, für eine zügige Abwicklung des anstehenden Gesetzgebungsverfahrens Sorge zu tragen und die weitere Entwicklung nicht zu blockieren.

Mit den derzeitigen Erfolgen hat sich Deutschland an die Spitze einer Entwicklung setzen können, die es zukünftig ermöglichen wird, die unerschöpflichen Energie aus der Tiefe praktisch überall, also auch außerhalb vulkanischer Regionen, zu nutzen. 99% unseres Planeten sind heißer als 1000 °C. Aus dem Erdinnern steigt ein ständiger Wärmestrom an die Erdoberfläche. Davon verschwindet täglich etwa das 2.5fache des menschlichen Energiebedarfs in den Weltraum. Geothermische Kraftwerke nutzen dieses Angebot für die Erzeugung von elektrischem Strom. Eine im April veröffentlichte Studie des Büros für Technikfolgenabschätzung des Deutschen Bundestages (TAB) hat auf die enormen Potenziale verwiesen, die dafür zur Verfügung stehen. Eine erstes kleines Kraftwerk nimmt im November dieses Jahres in Neustadt-Glewe (Mecklenburg-Vorpommern) seinen Betrieb auf. Im süddeutschen Raum befinden sich mehrere Anlagen im Bau. Geothermische Kraftwerke benötigen wenig Platz und können, da Grundlast fähig, rund um die Uhr betrieben werden.

Die Erschließung dieser Ressourcen ist High-tech "vom Feinsten" und setzt ein hochspezialisiertes Know-how voraus. Das ist dank des Forschungs- und Entwicklungsschubes der letzten Jahre in Deutschland vorhanden. Auf dieser Basis sind bereits eine Reihe von Unternehmen entstanden, die sich nun auf dem sich entfalteten Markt präsentieren. Die Anstrengungen in Forschung und Entwicklung müssen in den nächsten Jahren noch verstärkt werden. Die klassische Tiefbohrindustrie, die in den vergangenen fünfzehn Jahren einen permanenten Schrumpfungsprozess zu durchlaufen hatte, erhält mit dem Bau geothermischer Kraftwerke neue Betätigungsfelder. Dieser Negativtrend kann gestoppt, die Entwicklung umgekehrt werden. Ohne Turbine kommt ein Kraftwerk nicht aus. Auf Grund mangelnder Nachfrage wurden die benötigten Niedertemperaturturbinen in Deutschland nicht hergestellt. Mittlerweile gibt es mehrere Anbieter, die ihre Aggregate in der Geothermie aber auch in der Biomasse einsetzen können. Alles Entwicklungen, die ohne das EEG nicht in Gang gekommen wären.

Die Vorgaben aus dem Gesetz hinsichtlich einer Degression der Einspeisevergütung erzwingen schon jetzt die nächsten Innovationsschritte. Das betrifft sämtliche Maßnahmen zur Erschließung des Untergrunds bis hin zu neuen Bohranlagen genauso wie eine Verbesserung der Effizienz der zum Einsatz kommenden Turbinen.

130 000 Menschen finden inzwischen ihren Arbeitplatz in den Bereichen der erneuerbaren Energien. Das EEG wird dazu beitragen, dass diese Zahl noch beträchtlich wachsen kann. Die Geothermie kann und will ihren Beitrag auch dazu leisten. Bislang wurden die Energiepotenziale der Erdwärme kaum genutzt, und in der Stromversorgung sowieso nicht. Hier kann also noch viel erschlossen werden: für eine sichere, klimaschonende und zukunftsfähige Energieversorgung und für viele Tausend Arbeitsplätze, denn auch dieses Potenzial wartet noch darauf, endlich angegangen zu werden.