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Serie: Geothermie studieren – aber wie?

| News

Wo entstehen die Fachkräfte der Energiewende? Unsere Serie beleuchtet Studienwege in die Geothermie.

Prof. Dr.-Ing. Ulf Kirsten, Professor für Bohrtechnik und Bohrungskomplettierung, ©Andreas Hiekel (TUBAF)

Unser Besuch führte uns zur TU Bergakademie Freiberg – der ältesten Bergakademie der Welt. Dort führten wir Gespräche mit Professoren über die Bedeutung des neuen Masterstudiengangs Geothermie und des Diplomstudiengangs Geoingenieurwesen mit Vertiefung Geoenergiesysteme und beschäftigen uns mit der Rolle der Hochschule in der Ausbildung zukünftiger Fachkräfte für die Energie- und Wärmewende.

Prof. Dr. Ulf Kirsten ist Professor für Bohrtechnik und Bohrungskomplettierung und zeigt, wie die traditionsreiche Ausbildung in Freiberg gezielt Fachkräfte für die Wärmewende hervorbringt.

Können Sie kurz erzählen, an welchem Lehrstuhl Sie tätig sind und womit Sie sich in Forschung und Lehre beschäftigen?
Seit dem 1. September 2025 bin ich Professor für Bohrtechnik an der TU Bergakademie Freiberg. Mein Ziel ist es, die Bohrtechnik, die bisher vor allem in der Erdöl- und Erdgasindustrie eingesetzt wird, auf erneuerbare Energien zu übertragen. In Forschung und Lehre lege ich Wert auf praxisnahe Ausbildung, Projektakquise und die enge Vernetzung mit der Industrie. Gleichzeitig möchten wir frühzeitig auf den Fachkräftemangel reagieren, indem wir Schülerinnen und Schüler an Gymnasien über unsere Fächer informieren und die Sichtbarkeit der Ingenieurstudiengänge erhöhen, gerade weil ‚Bergbau‘ in der öffentlichen Wahrnehmung oft als ‚unattraktiv‘ gilt. Das möchten wir ändern.

Was fasziniert Sie persönlich an Ihrem Fachgebiet?
Bergbau ist vergleichbar mit Raumfahrt oder Tiefseeforschung: technisch anspruchsvoll, abwechslungsreich und herausfordernd. Es geht um Sicherheit, Präzision und das Erreichen von Zielen, die andere nicht erreichen. Zudem eröffnet das Fach zahlreiche Möglichkeiten: Geotechnik, Maschinenbau, Datenanalyse, Lehre, Arbeiten auf Bohrinseln oder Beratung. Auch die Karriereperspektiven sind interessant und sehr vielversprechend.

Bohrtechnik spielt in der Geothermie eine zentrale Rolle. Wie wird dieses Thema im Studiengang vermittelt?
Wir unterrichten die Studierenden in der klassischen Tiefbohrtechnik sowie in anwendungsbezogenen geothermischen Modulen. Sie lernen die Grundlagen, wie eine Bohrung angelegt wird, welche Belastungen auf die Bauteile wirken, wie eine Bohrung geplant wird und vieles mehr. Ziel ist, ein umfassendes technisches Verständnis für die gesamte Bohrtechnik zu vermitteln.

Welche praktischen Erfahrungen sammeln Studierende während des Studiums?
Das Praktikumssemester findet meist in Unternehmen statt, oft in mehreren Bereichen, und ist häufig der erste Schritt in die berufliche Praxis. Manche Unternehmen nutzen dies direkt für Recruiting. Networking wird bereits im Studium gefördert, etwa durch Firmenpräsentationen jeden Freitag, für die die Firmen teils einen weiten Weg auf sich nehmen. Außerdem sind Studierende in Versuche eingebunden, absolvieren Sicherheitspraktika im Forschungs- und Lehrbergwerk "Reiche Zeche" und arbeiten als studentische Hilfskräfte bei anderen Lehrstühlen mit. So verbinden sie theoretisches Wissen mit praktischer Anwendung.

Wie stark ist der Bezug zu realen geothermischen Projekten in der Lehre?
Wir stellen reale geothermische Anlagen in der Lehre vor und integrieren neueste Technologien. Exkursionen sorgen dafür, dass die Studierenden die Anlagen auch vor Ort kennenlernen.

Die TU Bergakademie Freiberg ist die älteste Bergakademie der Welt – wie prägt diese Tradition die heutige Ausbildung?
Beim Betreten der Universität bekommt man schon so manches traditionelles ‚Glück auf‘ zu hören. Die lange Bergbautradition vermittelt ein Bewusstsein für Ressourcen, Nachhaltigkeit und Verantwortung. Alte Lieder und traditionelle Kleidung gehören noch heute zur Kultur, gleichzeitig beschäftigen sich die Professuren mit moderner Technik und Forschung. Heutzutage wird der Bergbau hochtechnologisch überwacht, dabei übernehmen die angehenden Ingenieure eine hohe Verantwortung, sowohl für diese technologische Seite als auch finanziell und menschlich, was ein hohes Maß an Wissen und Verantwortungsbewusstsein erfordert. Diese Werte versuchen wir hier an der TU Bergakademie zu vermitteln.

Was unterscheidet die Ausbildung in Freiberg von anderen Hochschulen?
Die Ausbildung hat einen klaren Fokus auf Ingenieurtechnik und ist stark interdisziplinär. Die Gruppen sind klein und sehr gut untereinander vernetzt. Studierende profitieren von der engen Zusammenarbeit der Professoren und können aus einem breiten Spektrum an Disziplinen schöpfen.

Welche Berufsfelder eröffnen sich für Absolventen und Absolventinnen?
Absolventinnen und Absolventen können in Geoingenieurwesen, Exploration und Aufsuchung von Ressourcen, Servicefirmen, Baustellen oder in Projekten zur unterirdischen Energiespeicherung tätig werden. Die Berufsfelder sind breit aufgestellt, von der Gewinnung fossiler Energieträger über die Geothermie bis hin zur oberflächennahen Bohrtechnik bietet das Fachgebiet eine beispiellose Jobsicherheit.

Wie sehen Sie die zukünftige Entwicklung der Geothermie in Deutschland und welchen Beitrag können Ihre Studierenden dazu leisten?
Ich sehe die Entwicklung sehr positiv, insbesondere im Bereich Tiefer Geothermie und der Wärme- und Stromgewinnung. Viele Projekte werden erfolgreich umgesetzt, weitere Projekte stehen bereits in Planung. Auch petrothermale Projekte im Festgestein bergen großes Potenzial. Die Grundlastfähigkeit der Geothermie ist extrem hoch, und durch den erwarteten Boom wird ein hohes Bohraufkommen entstehen. Unsere Studierenden werden diese Entwicklung aktiv vorantreiben und technisch begleiten.

Ihre Hochschule bietet Studiengänge oder Projekte in der Geothermie an? Dann ! In unserer Serie stellen wir Sie vor und zeigen zukünftigen Fachkräften, welche Chancen es in der Geothermie gibt!