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Von Wien bis Berlin: Die neue „Geothermische Energie“ ist da

| News

Die neue Ausgabe der GtE gibt Einblicke in aktuelle Projekte und technologische Entwicklungen, beleuchtet die politischen Rahmenbedingungen der Wärmewende und stimmt auf den Geothermiekongress 2026 in Potsdam ein.

GtE 115

Die neue Ausgabe der „Geothermischen Energie“ (GtE 115) ist da! Die September-Ausgabe der Fachzeitschrift für geothermische Forschung und Anwendung widmet sich aktuellen Projekten, neuen technologischen Ansätzen und den politischen Rahmenbedingungen der Geothermie in Deutschland und Europa.

Im Mittelpunkt steht die Vielfalt geothermischer Anwendungen und Projekte: Ein ausführlicher Beitrag stellt mit dem Projekt Hydros Seestadt den ersten großen Schritt Wiens in Richtung Tiefengeothermie vor. Nach mehr als acht Jahren Forschungs-, Explorations- und Entwicklungsarbeit zeigen die Bohrungen und Tests vielversprechende Reservoirbedingungen. Für die geplante Anlage werden rund 25 MW thermische Leistung erwartet. In Kombination mit einer Großwärmepumpe könnten damit künftig etwa 25.000 Wiener Haushalte mit klimaneutraler Fernwärme versorgt werden.

Auch Deutschland ist mit mehreren aktuellen Entwicklungen vertreten. So berichtet die Ausgabe über die genehmigte Erschließung des Projekts Erdwärme Breisgau, bei dem ein rund 3.200 Meter tiefes Heizwasservorkommen für die Wärmeversorgung der Region genutzt werden soll. Die Bohrarbeiten sind derzeit für das zweite Halbjahr 2027 vorgesehen.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Oberflächennahen Geothermie im urbanen Raum. Am Beispiel des Berliner Olympiaparks wird untersucht, welche Potenziale Erdwärmesonden, Erdwärmekollektoren und innovative Brunnenlösungen für die Wärme- und Kälteversorgung eines großen Sportareals bieten. Die Analysen zeigen, dass Geothermie nicht nur zur Wärmebereitstellung, sondern auch zur saisonalen Wärmespeicherung eingesetzt werden könnte. Dabei reicht der Blick über einzelne Gebäude hinaus: Die Ausgabe zeigt, wie Sportstätten und Stadionbauten zu Bausteinen einer urbanen Wärmewende werden können. Großflächige Erdwärmesondenfelder könnten beispielsweise mit Wärmespeicherung kombiniert und in ein quartiersweites Energie- und Wärmekonzept integriert werden. Wir berichteten darüber bereits im Rahmen unser Serie Geothermie im Fußball.

International geht es unter anderem um das UPLIFT-Projekt in Litoměřice in Tschechien. Das europäische Forschungsprojekt arbeitet an einem integrierten Ansatz für Enhanced Geothermal Systems (EGS) mit Multi-Stage-Stimulation. Im Fokus stehen unter anderem neue Bohrtechnologien, adaptive Stimulationsverfahren, digitale Zwillinge sowie seismisches Echtzeit-Monitoring und Risikomanagement. Ziel ist es, die technischen, ökologischen und gesellschaftlichen Voraussetzungen für sichere und tragfähige EGS-Projekte in Europa weiterzuentwickeln.

Darüber hinaus bietet die neue Ampelkarte für Erdwärmekollektoren, die im Rahmen des Forschungsprojekts WärmeGut entwickelt wurde, gemeinsam mit der bereits 2025 veröffentlichten Karte für Erdwärmesonden einen bundesweit einheitlichen Überblick über die potenzielle Eignung verschiedener Standorte. Die Karten dienen dabei als Informations- und Screeninginstrumente und ersetzen nicht die erforderlichen Genehmigungen.

Ein weiteres Highlight der Ausgabe ist das Quartier Greencity in Zürich. Das erste zertifizierte 2000-Watt-Areal der Schweiz setzt bei seiner Energieversorgung vollständig auf erneuerbare Quellen. Herzstück ist ein Verbund aus Grundwasserbrunnen und 215 Erdwärmesonden, der gemeinsam mit Photovoltaik Wärme und Kälte für die 13 Gebäude des Areals bereitstellt. Mit rund 13.000 MWh Wärme und 5.300 MWh Kälte pro Jahr zeigt Greencity beispielhaft, wie Geothermie auch in dicht bebauten urbanen Räumen als Teil eines integrierten Energiesystems eingesetzt werden kann.

Zudem beleuchtet die Ausgabe die politischen Rahmenbedingungen der Wärmewende. Der Beitrag „Wärmewende: Mehr Klarheit, zu wenig Rückenwind“ nimmt aktuelle politische Vorhaben und Änderungen beim Gebäudemodernisierungsgesetz in den Blick und kommt zu dem Schluss, dass trotz größerer regulatorischer Klarheit weiterhin stärkere Investitionsimpulse notwendig sind.

Nicht zuletzt bietet die GtE 115 einen Vorgeschmack auf den Geothermiekongress 2026, der vom 20. bis 22. Oktober im Kongresshotel Potsdam stattfindet. Das Programm umfasst den Workshoptag sowie die beiden Kongresstage mit vier parallelen Fachforen und insgesamt 28 Sessions zur Bandbreite der Geothermie. Ein besonderer Fokus liegt in diesem Jahr auf dem Partnerland Ungarn und seinem geothermischen Potenzial.

Die GtE 115 zeigt damit einmal mehr, wie breit das Spektrum der Geothermie ist.
Ein Blick in die neue Ausgabe lohnt sich!