Die Geothermie gilt als Schlüsseltechnologie für die Wärmewende. Mit dem Geothermiebeschleunigungsgesetz sowie neuen Absicherungsinstrumenten wie der Fündigkeitsversicherung erhält die Branche derzeit politischen Rückenwind. Aus Sicht von Dr. Herbert Pohl, CEO der Deutsche ErdWärme, reichen diese Signale jedoch noch nicht aus, um die Technologie flächendeckend voranzubringen.
Im Interview mit Springer Professional betont Dr. Pohl, dass insbesondere Finanzierung, Fachkräftemangel und fehlende industrielle Kapazitäten den Markthochlauf bremsen. Zwar seien Verbesserungen bei Genehmigungsverfahren sinnvoll, der zentrale Engpass liege jedoch im Aufbau belastbarer Finanzierungsstrukturen und verfügbarer Bohr- und Serviceteams. Auch die Abhängigkeit von internationalem Kapital sieht der CEO kritisch. Deutschland verfüge im Vergleich über zu wenige große Infrastruktur- und Energiefonds, obwohl Geothermie mit langfristig stabilen Erträgen grundsätzlich attraktive Investitionsbedingungen biete.
Positiv bewertet Dr. Pohl die neue Fündigkeitsversicherung für Geothermieprojekte. Gleichzeitig weist er darauf hin, dass Versicherungsmodelle vor allem bei kalkulierbaren Risiken greifen. Für innovative Geothermieprojekte mit neuen technologischen Ansätzen sei sie daher nur eingeschränkt geeignet. Für einen erfolgreichen Markthochlauf braucht es insgesamt langfristige Planungssicherheit, verlässliche Wärmelieferverträge und eine stabile Förderkulisse. Die wichtigste Grundlage für erfolgreiche Projekte bleiben weiterhin hochwertige geologische Planung und erfahrene Teams. Als weiteren Impuls schlägt Dr. Pohl einen bundesweiten Geothermie-Gipfel mit Investorenfokus vor, um Politik, Industrie und Kapitalgeber stärker zusammenzubringen.
Für die kommenden Jahre sieht er die Branche an einem Wendepunkt: Ohne beschleunigten Ausbau drohe Geothermie ein regionales Nischenthema zu bleiben. Gleichzeitig sei das Potenzial groß: Schätzungen zufolge könnten rund zwei Drittel Deutschlands grundsätzlich für Geothermie geeignet sein.
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