Industrie und Kommunen im Rheinischen Revier stehen vor einem Wandel: Ab 2029 werden das Kohlekraftwerk Weisweiler stillgelegt und im Braunkohletagebau Inden endet die Kohlegewinnung. Deshalb werden bereits jetzt neue Quellen für die Fernwärme erschlossen, um die Versorgung sicherzustellen. Die Geothermie hat das Potenzial, mittelfristig Heiz- und Prozesswärme als ein Baustein beisteuern, doch noch ist die Datenlage über das untertägige Wärmepotential lückenhaft.
Die Fraunhofer IEG hat gemeinsam mit RWE Power AG zwei Erkundungsbohrungen bis ca. 500 Meter Tiefe auf dem Kraftwerksgelände Weisweiler abgeteuft und vermessen. Die Ergebnisse liefern erste direkte Messdaten zum Wärmepotenzial des Untergrunds und bilden die Grundlage für die weitere Erkundung im "Reallabor Geothermie Rheinland". Die Daten wurden nun im Fachmagazin »Zeitschrift der Deutschen Gesellschaft für Geowissenschaften« vorgestellt.
„Diese Bohrungen schaffen einen Wissensvorsprung für die Wärmewende im Rheinischen Revier. Erstmals messen wir Temperatur und Wärmeleitung im Untergrund bei Weisweiler – das sind entscheidende Größen für Stadtwerke, Gewerbe und Energieversorger, die Geothermie als zukunftsfeste Alternative zu fossiler Wärme entwickeln wollen“, sagt Dr. Alexander Jüstel, Erstautor und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fraunhofer IEG. Geothermie wird in Städten wie München und Paris seit Jahrzehnten in Fernwärmenetzen eingesetzt. Schon aus einigen hundert Metern Tiefe kann ausreichend Wärme gewonnen werden, um Wohnquartiere oder Unternehmen zu versorgen.
Die nun vorgestellten Erkundungsbohrungen EB1 und EB2 sind die ersten ihrer Art in der Region seit dem Jahr 2004 – und damit einzigartige Referenzpunkte für die Geothermie-Planung. EB1 wurde im Oktober 2023 auf 100 Meter Tiefe abgeteuft und mit einem Seismometer ausgestattet, das seismische Signale – vom Schwerlastverkehr der Autobahn bis zu natürlichen Erdbeben - misst. EB2 folgte mit ca. 500 Meter Tiefe im Februar 2024 und diente dazu, die Schichtenfolgen im Untergrund genau zu erkunden. Aus den Bohrungen wurden regelmäßig Gesteinsproben genommen, sowie die Innenwände mit verschiedenen physikalischen Verfahren vermessen.
Als nächste Schritte in der Region planen Fraunhofer IEG und seine Partner im Rahmen des "Reallabor Geothermie Rheinland" geophysikalische Vermessungen nach dem Echolot-Prinzip sowie Tiefbohrungen bis ggf. 3.000 Meter. Die Pressemitteilung in voller Länge finden Sie hier.