Die von Dr. Cornelia Wolf und Daniel Bendahan Bitton durchgeführte Studie beruht auf einer Medienanalyse sowie einer Stakeholder- und Bevölkerungsbefragung zur Wahrnehmung und Akzeptanz der Geothermie. Als Teil des Verbundsprojektes EASyQuart-Plus beschäftigte sich das Team der Universität Leipzig in verschiedenen Projektphasen mit der Akzeptanz- und Wissenschaftskommunikation der Oberflächennahen Geothermie. Eine Medienanalyse, Stakeholderanalyse und eine Bevölkerungsbefragung ermöglichten die Ableitung von Akzeptanzfaktoren und Informationsbedarfen. Diese werden darauffolgend im Rahmen von innovativen Dialogformaten öffentlich adressiert.
Der jüngst veröffentlichte Chartbericht, in dem verschiedene Stakeholder befragt wurden, zeigt: Häufig wird Oberflächennahe Geothermie wird mit Tiefer Geothermie oder Fracking verwechselt. Auch besteht Unwissenheit darüber, welche Tiefe der Bohrung als oberflächennah gilt. Einzelfälle, in denen oberflächennahe Geothermie zu Erdbeben und Hebung des Bodens geführt hat und das Grundwasser oder der Boden gefährdet wurden, dominieren die Wahrnehmung. Es besteht die falsche Annahme, dass die Technologie nicht für Bestandsgebäude geeignet sei oder bei der an Erdwärme interessierten Person nicht möglich sei.
Positiv bewerten Teilnehmende beider Studien, also sowohl Bevölkerung als auch Stakeholder, die Grundlastfähigkeit der Technologie. Auch niedrige Betriebskosten werden in beiden Studien als Vortel genannt, aber als wenger wichtig erachtet als andere Faktoren. Ähnlich verhält es sich mit dem Klimaschutz.
In der Bevölkerung zeigt sich eine eher hohe Akzeptanz der Geothermie, wohingegen die Experten eher eine vorherrschende niedrige Akzeptanz der Technologie herausstellen.
Potenzielle Schadensfälle durch Fehler bei Bohrungen und Risiken für Wasserressourcen werden deutlich höher durch die Bevölkerung als durch die Experten eingeschätzt. Während die eingeschränkte Standorteignung in der Bevölkerungsbefragung als sehr wichtig gesehen wird, wird die Komplexität der Planungs- und Genehmigungsprozesse in den Stakeholderinterviews hervorgehoben.
Was bedeutet das für Forschung und Praxis? Die Forschung sollte die Studienergebnisse weiter kontextualisieren sowie sich in Langzeitstudien auf mögliche Veränderungen der Darstellungen der Technologien in den Medien fokussieren.
Für die Praxis lässt sich aus den beiden Studien ableiten: Informationskampagnen, die klar zwischen tiefer und oberflächennaher Geothermie unterscheiden, sind nötig, um das Bewusstsein für Geothermie zu fördern und Missverständnisse zu verringern. Die hohen Investitionskosten sollten nicht verschwiegen oder kleingeredet werden. Wichtige wahrgenommene Vorteile und Werte wie die Langlebigkeit der Anlagen und die Energieunabhängigkeit sollten betont werden. Der Einsatz vertrauenswürdiger Akteuere (z.B. wissenschaftlichen Experten) ist in der Kommunikation nötig, um über die Technologie zu informieren und Missverständnisse aufzudecken. Da die Wahrnehmung der oberflächennahen Geothermie und der Wärmepumpe zusammenhängen, sollte zusätzlich auch über die Wärmepumpe und mit ihr assoziierte Vorurteile aufgeklärt werden.
Einen Link zur Studie finden Sie hier.