Eine aktuelle Studie des Fraunhofer-Instituts für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung (IFAM), erstellt im Auftrag des Umweltinstituts München und der Initiative GasWende, stellt die Wirksamkeit der im geplanten Gebäudemodernisierungsgesetz vorgesehenen Grüngasquote und sogenannten "Biotreppe" infrage.
Die Bundesregierung plant, den Einbau neuer Gasheizungen wieder unbegrenzt zu ermöglichen. Künftig sollen steigende Anteile von Biogas und anderen erneuerbaren Gasen den fossilen Erdgasverbrauch schrittweise ersetzen. Neue Gasheizungen sollen ab 2029 nur noch mit einem Vertrag über wachsende Biogasanteile betrieben werden dürfen, für Bestandsheizungen ist eine allgemeine Grüngasquote vorgesehen.
Die Studie kommt jedoch zu dem Schluss, dass dieses Konzept den langfristigen Rückgang der Gasversorgung nicht aufhalten kann. Grund dafür ist die sinkende Zahl der Gaskundinnen und -kunden: Mit dem Ausbau von Wärmepumpen und Wärmenetzen nimmt die Auslastung der Gasnetze kontinuierlich ab. Dadurch verteilen sich die Kosten für Betrieb und Instandhaltung auf immer weniger Haushalte, wodurch die Netzentgelte steigen und Gasheizungen zunehmend an Wettbewerbsfähigkeit verlieren.
Nach den Berechnungen des Fraunhofer IFAM ist deshalb davon auszugehen, dass Gasverteilnetze in Wohngebieten spätestens bis zum Jahr 2045 großflächig stillgelegt werden. Selbst bei steigenden Anteilen von Biomethan lasse sich ein wirtschaftlicher Netzbetrieb unter realistischen Annahmen nicht dauerhaft aufrechterhalten.
Die Studie weist zudem darauf hin, dass Biomethan langfristig knapp und vergleichsweise teuer bleiben dürfte. Die verfügbaren Preisprognosen zeigen, dass der Betrieb einer Biomethanheizung in den meisten Szenarien wirtschaftlich nicht mit Wärmepumpen konkurrieren kann. Für einen typischen Drei-Personen-Haushalt mit einem Wärmebedarf von 15.000 Kilowattstunden pro Jahr ergeben sich laut Studie in nahezu allen untersuchten Szenarien deutliche Betriebskostenvorteile zugunsten der Wärmepumpe. Über einen Zeitraum von 20 Jahren können sich Einsparungen von bis zu rund 30.000 Euro ergeben.
Gleichzeitig warnt die Untersuchung vor Fehlinvestitionen. Da Gasheizungen üblicherweise eine Lebensdauer von rund 25 Jahren haben, könnten neu installierte Anlagen ihre geplante Nutzungsdauer nicht mehr vollständig erreichen, wenn Gasnetze vorzeitig stillgelegt werden. Nach Einschätzung der Studie erhöht das geplante Gesetz daher das Risiko, dass Haushalte in eine Heiztechnik investieren, deren wirtschaftliche Grundlage bereits in den kommenden Jahrzehnten entfällt.
Auch aus volkswirtschaftlicher Sicht sehen die Autoren Nachteile. Wird der Ausstieg aus den Gasnetzen verzögert, müssten Netzbetreiber weiterhin in eine Infrastruktur investieren, deren Auslastung kontinuierlich sinkt. Hochgerechnet auf Deutschland könnten dadurch laut Studie bis 2045 zusätzliche Netzkosten von mehr als 50 Milliarden Euro entstehen.
Die Autoren sprechen sich daher für eine frühzeitige und planbare Transformation der Wärmeversorgung aus. Eine geordnete Stilllegung der Gasnetze sowie der konsequente Ausbau von Wärmepumpen, Wärmenetzen und weiteren erneuerbaren Wärmequellen könnten sowohl Verbraucherinnen und Verbraucher als auch Kommunen vor unnötigen Mehrkosten schützen und die Wärmewende wirtschaftlicher gestalten.
Die Meldung des Umweltinstitut München e. V. finden Sie hier. Die Studie des Fraunhofer IFAM als .pdf finden Sie hier.