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Bestandsbohrungen für Geothermie nutzen – von der Forschung in die Praxis

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Das Fündigkeitsrisiko ist oft eine Hürde für neue Geothermieprojekte. Die Nutzung bestehender Tiefenbohrungen für Geothermieprojekte kann die Kosten mindern und die Nutzung geothermischer Energie fördern.

Bohrturm von Bentec beim Geothermieprojekt Schäftlarnstraße in München. Quelle: Macrus Schaf, 14.02.2019

Bestehende Tiefenbohrungen können für die ausschließliche Nutzung für Geothermie umgewandelt werden. Beispielsweise bei Erdölbohrungen mit geringer Fündigkeit kann eine Nutzung für die Geothermie in Frage kommen. Bisher ist es üblich dieses Energiepotenzial nicht zu nutzen, doch das könnte sich jetzt ändern.

Weltweit werden aktuell Forschungsgelder freigegeben, um die Entwicklung und Umwandlung von ehemaligen Öl- und Gasbohrungen und der dazugehörigen Infrastruktur in Anlagen zur Erzeugung von Geothermie zu unterstützen. In den USA erhielten kürzlich Transitional Energy einen staatlichen Zuschuss in Höhe von 500.000 $ vom Amt für wirtschaftliche Entwicklung und internationalen Handel (OEDIT), um einen Standortauswahltest von vorhandenen Bohrlöchern in Colorado zu prüfen.

In Europa wird das europäische Forschungskonsortium MEET durch das „Horizon 2020 research and innovation program“ der EU gefördert. Das Konsortium besteht aus 16 Projektpartnern aus 5 Ländern. MEET veröffentlichte kürzlich erste Ergebnisse eines Forschungsvorhabens in Chaunoy im Pariser Becken in Frankreich. Das ausgereifte Ölfeld Chaunoy des französichen Betreibers Vermilion umfasst 32 Brunnen und produziert über 95 % Wasser. Das Forschungsprojekt läuft bis Oktober 2021. Die erste Pilotanlage erzeugt seit Anfang September erfolgreich eine Bruttoleistung von durchschnittlich 15 kW und eine durchschnittliche Nettoausgangsleistung von 7 kW.

Um das Potenzial bestehender Bohrungen zu nutzen, muss neben der Qualität und Menge der geförderten Sole eine wichtige Voraussetzung erfüllt sein: In der Nähe der bestehenden Bohrungen muss ein Wärmebedarf bestehen, da sonst aufwendig isolierte Wärmeverbundleitungen installiert werden müssen oder Wärmeverluste drohen. Für Off-Shore Bohrinseln, die weit von der Küste entfernt liegen ist die geothermische Nutzung daher nicht geeignt. Es kommen daher vor allem on-shore Erdölbohrungen in der Nähe von Ballungsräumen.

In Deutschland untersucht RGD aus Hannover in Ampfing (Bayern) die geothermische Nutzung einer unwirtschaftlichen Erdölbohrung. In einer aktuellen Pressemitteilung heißt es: „Die bisherigen Ergebnisse zeigen, dass eine Vertiefung der bestehenden Bohrung gute Chancen für die Erschließung von geothermischer Energie bieten würde.“

Während der Testförderung Ende 2019/Anfang 2020 hat die RDG das Produktionsverhalten des Sandsteins in 1.950 Metern Tiefe detailliert gemessen und im Anschluss ausgewertet. Das Ergebnis der Auswertungen zeigt, dass im Ostteil der ehemaliger Erdöllagerstätte von Ampfing (Bereich Schicking) aufgrund der mangelnden Beweglichkeit des im Ampfinger Sandstein verbliebenen Erdöls keine wirtschaftliche Förderung erwartet werden kann. Daraufhin wurde eine Machbarkeit einer Umstellung auf geothermische Nutzung in Erwägung gezogen und beim Bayerischen Wirtschaftsministeriumeinen entsprechenden Antrag auf Erlaubnis zur Aufsuchung von Erdwärme gestellt. Neben geologischen Aspekten fließen Faktoren wie Investitions- und Nutzungsmöglichkeiten der gewonnenen Wärmeenergie in den Entscheidungsprozess mit ein. Die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie stehen noch aus.