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Erschließung „unkonventioneller“ geothermischer Systeme in Mexiko

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Mexikanischer Botschafter besucht Abschlusskonferenz der europäisch-mexikanischen Geothermie-Kooperation GEMex am GeoForschungsZentrum.

Foto: A. Jentsch

Am 18. und 19. Februar fand im Beisein des mexikanischen Botschafters in Deutschland Rogelio Granguillhome Morfin am GeoForschungsZentrum (GFZ) die Abschlusskonferenz der europäisch-mexikanischen Kooperation GEMex (Cooperation in Geothermal energy research Europe-Mexico for development of Enhanced Geothermal Systems and Superhot Geothermal Systems) statt. GEMex ist eine Forschungskooperation zwischen einem europäischen Konsortium aus 24 Partnern (finanziert durch das Horizon 2020 - Research and Innovation Framework Programme der EU) und einem mexikanischen Konsortium aus 8 mexikanischen Partnern (CONACyT). In 72 Konferenzbeiträgen stellten Forscherinnen und Forscher in Potsdam neu entwickelte Ansätze zur Erkundung, Erschließung und Nutzung sogenannter unkonventioneller geothermischer Systeme vor. Etwa 120 Expertinnen und Experten nahmen an der Konferenz teil.

An fünf Standorten sind in Mexiko aktuell „konventionelle“ geothermische Systeme mit einer installierten Leistung von etwa einem Gigawatt vorhanden. Da die Region eine für Geothermie besonders günstige Geologie hat, ließe sich die Nutzung deutlich ausbauen, wenn auch „unkonventionelle“ Systeme, etwa "Enhanced Geothermal Systems" (EGS) und "Superhot Geothermal Systems" (SHGS), erschlossen würden.

EGSs sind Gesteinssysteme mit hohem Energiegehalt, die wenig oder kein Wasser aufweisen. Diese geothermischen Ressourcen befinden sich in der Region des Transmexikanischen Vulkangürtels in einer Tiefe von circa zwei bis vier Kilometern und haben die für die Stromerzeugung erforderlichen Temperaturen von mehr als 200 Grad Celsius. SHGSs weisen außergewöhnlich hohe Reservoirtemperaturen über 350 Grad Celsius auf, in der Regel in Form von Dampf. Ziel des von der GFZ-Sektion „Geoenergie“ koordinierten Projektes GEMex ist, das Verständnis dieser komplexen geothermischen Systeme weiter zu verbessern und ihre Nutzung in der Region voranzutreiben.

GEMex ist die bisher größte Forschungszusammenarbeit zwischen Mexico und der EU. Ihre Stärke liegt in der Zusammenführung der Expertise von 32 Partnern“, sagt GEMex-Projektleiter David Bruhn. „Wir kombinieren das gesamte Spektrum an Untersuchungsmethoden, beziehen Strukturgeologie, Vulkanologie, verschiedene geophysikalische Methoden, Hydrogeologie und Reservoirmodellierung ein.

Darüber hinaus werden Auswirkungen auf die Umwelt und die Akzeptanz in der Öffentlichkeit untersucht. Als Untersuchungsgebiete wurden die Standorte Los Humeros (SHGS) und Acoculco (EGS) ausgewählt. Der hohe Stellenwert des Projektes zeigt sich in der Förderung mit fast zehn Millionen Euro durch die Europäische Kommission im Rahmen von H2020. Das mexikanische Energieministerium steuert ebenfalls einen Betrag von zehn Millionen Euro bei.

Luis C.A. Gutiérrez-Negrín, mexikanischer Projektpartner: „Die Ergebnisse aus GEMex verbessern die Chancen für die Exploration einiger geothermischer Gebiete in Mexiko. Es hat bisher keine vergleichbaren gemeinsamen Anstrengungen gegeben, um das mexikanische Know-how über die Entwicklung und Nutzung konventioneller geothermischer Ressourcen mit dem europäischen Know-how zu kombinieren.“ 

Ein Ergebnis des Projekts sind „Best-practice“-Empfehlungen für die Exploration und Erschließung unkonventioneller geothermaler Systeme, die auch auf andere Standorte übertragen werden können. Alle Ergebnisse werden auf dem Weltgeothermiekongress 2020 in Island in insgesamt 38 Beiträgen vorgestellt. (ph)

Weitere Informationen:

GEMex Projekt Website

Konferenz Website

Quelle: GFZ Potsdam