Mitglied werden Sponsor werden

Geothermie als Hoffnungsträger gegen Klimawandel

| News

Pullach – Ganz im Zeichen der Weiterentwicklung der Geothermie und des damit verbundenen Klimaschutzes stand der Festakt zum 15jährigen Jubiläum des Bohrbeginns in Pullach.

„Geothermie als großer Hoffnungsträger gegen Klimawandel“: Festredner Professor Hans Joachim Schellnhuber

„Die Ergebnisse der Seismik-Kampagne von 2018 sind sehr ermutigend. Die IEP und die SWM planen eine gemeinsame Erschließung der Thermalwasservorkommen südlich von Pullach.“ Damit formulierte IEP-Aufsichtsratsvorsitzender Dr. Andreas Most eine der zentralen Botschaften beim Festakt „15 Jahre Geothermie“ im Pullacher Bürgerhaus. Der Pullacher Gemeinderat habe diesem Zukunftsvorhaben bereits im Oktober einstimmig zugestimmt, die Entwicklung des größten Infrastrukturprojekts in der Geschichte der Gemeinde könne damit erfolgreich weitergehen.

Bürgermeisterin Susanna Tausendfreund stellte sich hinter die Pläne von IEP und SWM, schließlich habe die IEP eine stolze Erfolgsbilanz vorzuweisen und sei deshalb für weitere Aktivitäten bestens gerüstet und motiviert: „Fast 50 Kilometer Fernwärmenetz, rund 1.000 mit Geothermie versorgte Gebäude, alle kommunalen Liegenschaften sowie die meisten großen Unternehmen und Einrichtungen am Netz – das zusammen verringert die CO2-Bilanz jedes Pullachers und jeder Pullacherin um fast zwei Tonnen jährlich.“ Die Versorgung Pullachs mit Geothermie sei ein essentieller Teil einer modernen Daseinsvorsorge, „Geothermie ist Standortvorteil und Zukunftsvorsorge, sie ist saubere Luft und Umweltschutz, sie ist unser Rohstoff, sie ist lokale Wertschöpfung“, so die Bürgermeisterin weiter, „und nicht zuletzt, unsere IEP steht wirtschaftlich bereits auf eigenen Beinen“.

Gleicher Spirit – gemeinsame Vision

Helge-Uve Braun, der als technischer Geschäftsführer der SWM den Partner bei der Erschließung weiterer Geothermiequellen repräsentierte, freute sich auf die gemeinsamen Aktivitäten mit der IEP: „Die IEP als Pionier hat seit Anfang der 2000er Jahre die Geothermie entscheidend vorangebracht – die SWM haben in dieser Zeit das Gleiche gemacht. Wir haben den gleichen Spirit und beide die Vision einer CO2-freien Wärmeversorgung verinnerlicht, nun werden wir gemeinsam dickes Gestein bohren.“ Die Zusammenarbeit mit der IEP werde das Optimum für die Bürger in der Region und die beteiligten Unternehmen erbringen, so Braun, schließlich habe Pullach „eindrucksvoll gezeigt, dass kommunales Unternehmertum erfolgreich sein kann.“ Nach der zu erwartenden Genehmigung durch den Münchener Stadtrat könnten die Bohrungen bereits 2023 beginnen.

Sowohl Braun als auch Tausendfreund betonten, die Kommunen dürften bei der weiteren Entwicklung der Geothermie nicht alleine gelassen werden. Vielmehr sei eine Unterstützung durch die Politik dringend erforderlich, die sowohl in der Schaffung attraktiver administrativer Rahmenbedingungen als auch in Fördermaßnahmen auf Betreiber- und Kundenseite bestehen könne.

Think global, act local

Den globalen Rahmen über die kommunalen Aktivitäten im Rahmen der Energiewende spannte der Festredner des Abends, Professor Hans Joachim Schellnhuber. Er ist Gründer und ehemaliger Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, langjähriges Mitglied des Weltklimarats und gehört zu den weltweit renommiertesten Klimaexperten. Anhand konkreter Beispiele aus jüngster Zeit, so zum Beispiel der dreifachen Überflutung Venedigs oder mehrerer Hurricanes an der amerikanischen Küste, erklärte Schellnhuber Fernwirkungen von Klimaphänomenen, die teilweise über tausende von Kilometern von ihrem Entstehungsort ihre Wirkung entfalteten.

„Wir erleben in den letzten Jahrzehnten nicht nur vorübergehende Klimaerscheinungen, sondern eine tiefgreifende Umorganisation der Struktur der Atmosphäre und beispiellose Eingriffe in unsere zivilisatorische Basis“, so Schellnhuber. Der Klimaforscher, der unter anderem für seine Theorie der „Kippelemente“ bekannt wurde, warnte vor allem vor der stark ansteigenden Erwärmung der Erde und der damit wachsenden Gefahr irreversibler Ereignisse. „Das Abschmelzen des Grönländischen Eispanzers wäre ein solcher Kippvorfall, irreparabel und mit dramatischen weltweiten Folgen“, so Schellnhuber.

„Nur disruptive Veränderungen können uns noch vor den Folgen des Klimawandels bewahren“, sagte der Festredner, „das heißt so schnell wie möglich raus aus den fossilen Energien und spätestens 2050 null Emissionen von CO2.“ Chancen dafür sieht Schellnhuber unter anderem in einer digitalen Kreislaufwirtschaft, Künstlicher Intelligenz, einem starken Ausbau der Photovoltaik und tiefgreifenden Veränderungen im Bauwesen. Die Geothermie, so Schellnhuber, sei ebenfalls ein großer Hoffnungsträger, dem wesentlich mehr Unterstützung und Förderung durch die Politik zukommen müsse.

Rege Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger

Nicht nur an der abschließenden Podiumsdiskussion der Referenten, moderiert von IEP-Geschäftsführer Helmut Mangold, auch an den weiteren Angeboten des Kongresses nahmen die zahlreichen Besucher regen Anteil. Gut frequentiert waren sowohl die Stände der Kongress-Aussteller als auch das breite Vortragsprogramm zu Themen wie Netzausbau, Heizungseinstellung oder `Kälte aus Wärme´. Mangold freute sich über den guten Besuch und die zahlreichen Diskussionen und zeigte sich motiviert für weitere Veranstaltungen: „Der IEP-Kongress beginnt sich deutlich zu etablieren, deshalb wird es sicher auch im kommenden Jahr eine derartige Veranstaltung geben. Gerade angesichts dessen, was wir zusammen mit den SWM vorhaben, wird es viel Spannendes zu berichten geben und wir wollen die Pullacherinnen und Pullacher dabei natürlich eng einbinden.“

Quelle: Dr. Norbert Baumgärtner | www.geothermie-pr.com