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Geothermie ist Grundbaustein für die Energiewende in NRW

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Die 16. Geothermiekonferenz NRW fand vergangene Woche als Hybridevent in Bochum und online statt.

Staatssekretär Dammerman auf der 16. Geothermiekonferenz NRW in Bochum (03.09.2020)

Das Netzwerk Geothermie NRW der EnergieAgentur.NRW hat am 03. September gemeinsam mit dem Fraunhofer Institut für Energieinfrastrukturen und Geothermie (Fraunhofer IEG) aus Bochum die 16. NRW Geothermiekonferenz als Web-Konferenz ausgerichtet. Die Konferenz informierte über neue Anwendungsmöglichkeiten im Bereich der Geothermie, internationale und nationale Projekte sowie Projekte regionaler Energieversorger.

NRW-Wirtschaftsstaatssekretär Christoph Dammermann begrüßte die Gäste mit grundsätzlichen Erörterungen zur Geothermienutzung in NRW: „Hier in Bochum sind wir am „Forschungspuls“ der Geothermie in Nordrhein-Westfalen, am neuen Fraunhofer Institut für Energieinfrastruktur und Geothermie unter der Leitung von Prof. Dr. Rolf Bracke. Geothermie ist für Nordrhein-Westfalen von besonderer Bedeutung für eine verlässliche und klimafreundliche Wärmeversorgung und damit für die gesamte Energiewende. Das wird auch daran deutlich, dass bis Ende August im Förderprogramm „progres.NRW“ im Bereich der oberflächennahen Geothermie mehr als 1.500 Förderanträge mit einem Volumen von 2,3 Millionen Euro bewilligt wurden.“

Staatssekretär Dammermann weiter: „Neben der Anwendung kommt auch die Forschung gut voran: Im EU-INTERREG-Projekt DGE-ROLLOUT zur Tiefengeothermie mit 18 Partnern aus sechs Ländern unter Federführung des Geologischen Dienstes NRW wird eine Erkundungsbohrung und eine geophysikalische Messung am Kraftwerksstandort Weisweiler durchgeführt. Das Fraunhofer IEG wird gemeinsam mit der RWE Power die Nutzbarkeit des tiefengeothermischen Potenzials an diesem Standort mitten im Rheinischen Revier erforschen.“

Prof. Dr. Rolf Bracke, Leiter des Fraunhofer Instituts für Energieinfrastrukturen und Geothermie, führte die Details aus: „Im Rahmen des europäisch und national geförderten Projektes „HEATSTORE“ soll die Machbarkeit für eine saisonale Speicherung thermischer Energie in einer ehemaligen Steinkohlenzeche in Bochum exemplarisch demonstriert werden. Hierfür wurde das Grubengebäude der ehemaligen Kleinzeche auf dem Gelände des Fraunhofer IEG erfolgreich erbohrt. Mit Hilfe von Parabolspiegeln soll im Anschluss Sonnenenergie gewonnen und im Grubengebäude zwischengespeichert werden. Die Erschließung des Grubengebäudes erfolgt mit drei Bohrungen, einer Injektions-, einer Produktions- und einer Überwachungsbohrung. Nach Fertigstellung der ersten beiden von insgesamt drei Bohrungen zeigen Bohrlochmessungen und Pumptests erste positive Ergebnisse. Der Verlauf der Bohrungen im Rahmen des Projekts „HEATSTORE“ stimmt uns sehr optimistisch, die Bergbaufolgenutzung als Wärmespeicher für weite Teile des Ruhrgebiets umsetzen zu können. Mit unserer Forschung möchten wir einen wichtigen Beitrag für die Wärmewende innerhalb der Region leisten und dabei bereits vorhandenes Wissen und Strukturen nutzen.“  

Die laufenden Arbeiten wurden anlässlich der Konferenz mittels einer ins Bohrloch eingelassenen Kamera präsentiert.

Prof. Bracke erläuterte weiter, dass in einem weiteren Forschungsvorhaben anschließend die Solarenergie des vorgeheizten Grubenwassers mittels einer Hochtemperatur-Wärmepumpe in das bestehende Fernwärmenetz Bochum-Süd übertragen werden soll. Damit möchte das Fraunhofer IEG untersuchen, ob die bestehenden Fernwärmenetze an Rhein und Ruhr auch nach dem Abschalten der Kohlekraftwerke durch die Nutzung der Bergwerke als Wärmespeicher weiterhin betrieben werden können.

Leonhard Thien, Geothermie-Experte der EnergieAgentur.NRW, begrüßte die aktuellen zusätzlichen Planungen der Landesregierung NRW im neuen „Projekt KarboEx“, alle vorhandenen Daten der früheren Kohleexploration zu digitalisieren und diese dann mit den Fragestellungen der geothermischen Exploration im Land zu vernetzen.

Dr. Frank-Michael Baumann, Geschäftsführer der EnergieAgentur.NRW, ergänzte abschließend: „Der Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) muss auch im Energieland und früheren Kohleland NRW reduziert werden. Dafür verfügt das Bundesland über vielversprechende geothermische Energiereserven und jahrhundertelanges Wissen um die Beschaffenheit des Untergrundes. Die Nutzung von tiefer Erdwärme kann klimafreundliche und nachhaltige Wärmeenergie mit hoher Versorgungssicherheit ermöglichen. Ein guter Anteil der zukünftigen nordrhein-westfälischen Wärmeversorgung liegt tief unter unseren Füßen.“

Quelle: Energieagentur NRW