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Immobilieninvestment in Zeiten der Klimakrise

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Wer den Preis seiner Immobilie langfristig aufwerten oder erhalten möchte, setzt statt einer neuen Gasheizung besser auf Geothermie und lässt sich den Heizungstausch fördern.

Dieser Wohnkomplex in Berlin-Pankow wird mit Geothermie geheizt. Bildquelle: Geo-En.

Egal ob Neubau oder Altbau: Sole-Wasser-Wärmepumpen, auch Erdwärmeheizungen genannt, steigern den Wert einer Immobilie enorm. Wer in eine Immobilie investiert, hat natürlich ein Interesse an Werterhalt bzw. im besten Fall an einer Wertsteigerung. Nach der Umstellung auf erneuerbare Strom- und Wärmeversorgung steigt der Marktwert deutlich über den Durchschnitt. Die Wertsteigerung wirkt langfristig, da Erdwärmeheizungen auf eine hohe Nutzungsdauer ausgelegt sind. Klar: es ist eine kurze, dreckige, laute Baustelle, doch dann ist jahrzehntelang Ruhe. Ein weiterer immer mehr geschätzer Vorteil ist die Möglichkeit der passiven Kühlung von Gebäuden in den Sommermonaten.

Gebäude und Flächen, die mit Erdwärme geheizt und/oder gekühlt werden, erhalten höchste Einstufungen im EnEV-Energiesparausweis. Durch geschlossenen Kreisläufe erübrigt sich Planung und Auslegung von Schornsteinen oder Lagerflächen für fossile Energieträger. Ein Blick in die länderspezifischen Potenzialkarten gibt erste Anhaltspunke, ob sich die Installation einer Wärmepumpe lohnen wird.

Wer seine fossile Heizung austauschen und steigenden Gaspreisen entkommen möchte, ist in guter Gesellschaft. Bis einschließlich September wurden über 42.000 Förderantrage für Wärmepumpen beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) im Rahmen der Bundesförderung für effiziente Gebäude eingereicht.

Im Jahr 2021 zeigt sich die Trendwende. Erstmals wird im Rahmen des BEG mehr Förderung für eine Erdwärmeheizung, als für eine Biogas-Heizung beantragt. Quelle: BAFA

In einigen Bundesländern wird der Heizungstausch zusätzlich gefördert. Der Heizungstausch ist steuerlich absetzbar. Allerdings müssen sich Eigentümer*innen in selbst bewohnten Gebäuden meist entscheiden, ob sie den Heizungstausch von der Steuer absetzen oder Fördermittel nutzen.

Aufgrund des Fachkräftemangels drängen auch relativ unerfahrene Baufirmen in diesen Markt. So kann es passieren, dass der Bereich zwischen den Rohren und dem Erdreich nicht fachgerecht mit wärmeleitendem Material abgedichtet wird, was zu geringerer Effizienz und erhöhnten Stromkosten der Wärmepumpe führen kann. Bei der Beauftragung eines Bohrunternehmens sollte darauf geachtet werden, dass das Unternehmen ein Zertifikat von der Deutschen Vereinigung des Gas- und Wasserfaches, kurz DVGW, erworben hat. Eine zusätzliche Qualifizierung nach VDI 4645 ist freiwillig, leistet jedoch einen entscheidenden Beitrag zur Qualitätssicherung. Dieses Zertifizierungen stellen sicher, dass das Personal zetifizierter Betriebe geschult ist und Materialien und Bohrgeräte verwendet, die dem Stand der Technik entsprechen.

In NRW kann beispielsweise über das Förderprogramm progres.nrw bis 100.000 Euro je Gebäude und Standort ausgezahlt werden. Bis zu 80 Prozent der Kosten für einen Heizungstausch lassen sich in Berlin durch die regionale Förderungen abdecken. Das bis Ende diesen Jahres laufende Förderprogramm heißt „HeiztauschPLUS“, wird aber auch „Heizungstausch Plus Berlin“ oder „IBB Berlin Heizungstausch“ genannt und wird zusätzlich zur BEG-Förderung des Bundes ausgezahlt:

Kosten für Sole-Wasser-Wärmepumpe (mindestens) 10.000 €
Förderung BAFA 3.500 bis 4.500 €
Förderung Heizungstausch Berlin 3.500 €
Gesamtförderung 7.000 bis 8.000 €

Auch in dicht besiedelten Räumen, wie gewachsenen Innenstädten, ist ein massiver Ausbau der oberflächhennahen Geothermie möglich. In der Studie "Die Stadt als Energiespeicher" wird aufgezeigt, dass genügend Flächen für oberflächennahe Erdwärmebohrungen in Innenstädten zur Verfügung stehen. Die Stadt Wien setzt bereits erfolgreich eine Wärmewende mit Geothermie um.

Besonders für öffentliche Gebäude ist Nachhaltigkeit ein wichtiger Faktor geworden. "Wer keine Zertifizierung hat, ist bei einem neuen Bürogebäude verloren", sagt Georg Fichtinger, Investmentexperte bei CBRE. Die neu eigenführte Taxanomie-Verordnung definiert genaue Nachhaltigkeitsziele im Gebäudesektor und ist Teil des Green Deals, der Geld verstärkt in den ökologischen Umbau lenken soll. "Das ist ein echter Gamechanger und eine Riesenchance", urteilt Immobilienexpertin Carmen Dilch, die sich wissenschaftlich mit der Materie befasst. Neben den bisherigen Überlegungen der Branche – nämlich wie viel Rendite ein Investment abwirft und wie hoch das Risiko ist – rückt eine weitere in den Fokus: Ist die Immobilie EU-Taxonomie-konform? Das Schlagwort, mit dem die Verordnung zusammengefasst wird, lautet ESG, was eine Abkürzung für "environment, social, governance" ist. Gebäude, die die ESG-Richtlinien nicht erfüllen, würden bald deutlich weniger nachgefragt und nur noch mit Preisabschlag verkauft werden können.

 

Quellen: Der Standard, Wissenschaft.de, deutschlandfunk, geokoax, Euroheat&power, BEE, BWP