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MENSCH.MACHT.KLIMA

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Prof. Dr. Mojib Latif im Gespräch zur Rolle Deutschlands im Kampf für den Klimaschutz - Zur Eindämmung der Klimakrise ist ein radikales Umdenken in der globalen Energieversorgung nötig. Welche Schritte muss Deutschland gehen, um zu einem Vorreiter in puncto Klimaschutz zu werden?

Prof. Dr. Mojib Latif ist einer der renommiertesten deutschen Klimaforscher und prägt seit den 1980er Jahren die öffentliche Debatte zum Thema Klimaschutz. Bildquelle: Danetzki/Unkel (flickr)

Im Podcast MENSCH.MACHT.KLIMA sprechen Christian Riesinger, Geschäftsführer der ConClimate GmbH und Autor Peter Blenke mit Prof. Dr. Mojib Latif vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel über den steigenden globalen Ausstoß von CO₂-Emissionen und Deutschlands Rolle im Kampf für den globalen Klimaschutz.

Prof. Dr. Mojib Latif ist einer der renommiertesten Klimaforscher Deutschlands und seit 1986 in der öffentlichen Debatte um die Klimakrise aktiv. Seit Beginn der 1990er Jahre konnte Deutschland seinen CO₂-Ausstoß zwar bereits um 40% senken und befindet sich somit im Rahmen des Kyoto-Protokolls. Gleichzeitig zieht Latif eine ernüchternde Bilanz: weltweit stieg der CO₂-Ausstoß zwischen 1990 und 2019 um 60 Prozent. Dieser massive Anstieg der Treibhausgasemissionen erklärt sich aus dem wirtschaftlichen Aufschwung in Schwellenländern wie China, Brasilien und Indien. China ist in den letzten Jahren zum weltweit größten Emittenten von Treibhausgasen herangewachsen. Seit 1990 hat sich in China durch den Wirtschaftsmotor Kohle der CO₂-Ausstoß verfünffacht. Dieser Trend gibt Grund zur Sorge, da Staaten wie Indien sich auf ihrem Weg zur Industrienation an Chinas Modell orientieren könnten. Auf der anderen Seite steht mit Deutschland eine Industrienation, die aufzeigt, dass Klimaschutz nicht wirtschaftsfeindlich ist. Hierzulande ist trotz sinkender Emissionen noch ein langer Weg bis zur Klimaneutralität zu bestreiten. Heute beträgt Deutschlands Anteil am weltweiten CO₂-Ausstoß zwei Prozent, bei insgesamt einem Prozent der Weltbevölkerung. Wir leben also trotz starker Reduktion unserer Emissionen hierzulande noch immer über unseren Verhältnissen.

Erneuerbare Energien ausbauen, Innovationen fördern

Deutschland muss in den nächsten Jahren den Sektor der Erneuerbaren Energien massiv ausbauen, um die Ziele des Pariser Klimaabkommens zu erreichen. Neben der tatsächlichen Reduktion von Emissionen spielt dabei aber ebenfalls die Symbolik eine große Rolle. Deutschland muss eine Vorreiterrolle bei Klimaschutzmaßnahmen einnehmen und Best-Practice Beispiele für andere Staaten schaffen. In einer Nation ohne große Rohstoffreserven kann Wohlstand nur durch Innovation erhalten werden, „deswegen muss Deutschland immer zusehen vorne bei den Zukunftstechnologien mit auf der Lokomotive zu sitzen, weil das garantiert letzten Endes auch langfristig unseren Wohlstand“ betont Prof. Dr. Latif.

Weltweit muss in den kommenden Jahren eine Abkehr von fossilen Energieträgern erfolgen. Am Industriestandort Deutschland herrscht eine gewaltige Innovationskraft die in die Exploration neuer Verfahren zur Nutzung erneuerbarer Energien, allen voran der Geothermie eingebracht werden muss. Laut Prof. Dr. Latif lassen sich die Folgen des Klimawandels nur begrenzen, wenn Industrienationen bereit sind ihre Technologien anderen Nationen zur Verfügung zu stellen und darüber einen Transfer von Kapital in Entwicklungs- und Schwellenländern möglich machen. „Wir haben unseren Wohlstand generiert auf Kosten der Umwelt und wir müssen jetzt etwas von dem Wohlstand auch abgeben“, so Latif.

Quellen: ConClimate, GEOMAR, FAZ