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Modellprojekt in Australien: Wassersportzentrum setzt vollständig auf Geothermie

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Das Wassersportzentrum Gippsland Regional Aquatic Centre (GRAC) im australischen Bundesstaat Victoria investierte 57 Millionen Dollar in den Bau eines geothermisches Heizsystems.

Einer der größten wirtschaftlichen Faktoren im Betrieb von Bädern betrifft die Wärmegewinnung für die Beheizung des Wassers und des Gebäudes. Mit Geothermie werden diese Kosten gesenkt und die Umweltbilanz verbessert.

Als erste öffentliche Freizeitanlage mit geothermischer Heizungsanlage ist das GRAC-Wassersportzentrum wegweisend für weitere Anlagen in Victoria. Der Standort in der Stadt Traralgon ist bestens für die Nutzung geothermaler Energie geeignet. Das Grundwasser aus der Region bietet mit einem geothermischen Gradienten von bis zu 7,3°C/100m ausreichend Energie für die Nutzung von Erdwärme. Der Zugang zum Grundwasserspeicher erfolgte mittels Geothermiebohrungen in einer Tiefe von 636m und 642m. Aus den Bohrlöchern wird etwa 65 bis 68°C heißes Tiefenwasser mit einer Tauchpumpe zugeleitet. Von dort aus sorgt ein Heizsystem mit Niedertemperaturkreislauf für eine Verteilung der Energie an die Lüftungsanlagen und Schwimmbecken. Das Wasser kühlt während der Förderung und dem Durchlaufen des Heizwassersystems auf eine Temperatur von etwa 40°C ab. Im Anschluss wird das abgekühlte Wasser über einen Sickerbrunnen durch Sand in eine Tiefe von 562 bis 610m zurückgeleitet.

Das Projekt der Latrobe Valley Authority erzielt über das Jahr erhebliche Kosteneinsparungen im Verglich zu fossilen Energiequellen. Geothermie, als zentraler Bestandteil des Projekts, stellt die Weichen für eine ökologische Energieversorgung zukünftiger Anlagen. Am Standort Traralgon werden 11,098l/Sek gefördert und somit rund 2,8 MW Wärmeleistung pro Jahr gewonnen. Die nahezu CO²-neutrale geothermale Anlage versorgt alle Schwimmbäder und Gebäude des GRAC-Komplexes mit kostengünstiger Wärme.

Deutschland hat Potenzial

Im internationalen Vergleich liegt Deutschland in der großflächigen Nutzung von Geothermie zurück. Auch wenn die Potentiale des Effizienzmeisters Geothermie schon lange bekannt sind, gibt es nur wenige Modellprojekte ähnlich dem GRAC-Wassersportzentrum in Deutschland. Das Nettebad in Osnabrück deckt als vergleichbares Projekt seit 2012 etwa 60% seines Wärmebedarfs durch Geothermie. Die Anlage der Stadtwerke Osnabrück fördert aus etwa 360m Tiefe 20°C warme Sole an die Erdoberfläche. Die Temperatur der Sole wird mittels Wärmepumpen angehoben und dem Heizkreislauf des Nettebads zugeführt. Bei 20-jährigem Betrieb können durch die Anlage bis zu 400 Tonnen CO² eingespart werden.

Deutschlandweit nutzen 168 Thermalbäder Erdwärme. Traditionell wird die Sole direkt zu Kur- und Wellnesszwecken genutzt. Die geothermische Nutzung zur Wärmeerzeugung kommt für immer mehr Bäder durch steigende Energiepreise in Betracht. Im österreichischen Ried wird das Wasser im Schwimmbad der Sport- und Freizeitbetriebe durch Erdwärme konstant auf 22°C gehalten. Dieses Beispiel macht deutlich, dass die Potentiale von Geothermie die Nutzung zu Erholungszwecken deutlich übersteigen.

Quellen: Aquatherm, Nettebad, Freibad der Stadt Ried