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München auf dem Weg zu Klimaneutralität

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Bis 2035 plant München eine komplette Umstellung der Strom- und Wärmeversorgung auf erneuerbare Energien. Dazu wird die Stadt vor allem die Potenziale der Geothermie verstärkt nutzen.

Die bayerische Landeshauptstadt verfolgt das ambitionierte Ziel, 2035 die Klimaneutralität zu erreichen. Die Stadt muss jetzt Best-Practice-Modelle zur Nutzung erneuerbarer Energien schaffen. Quelle: flyupmike auf Pixabay

München hat sich vorgenommen, bis 2035 klimaneutral zu werden. Von Fachleuten wird aktuell bezweifelt, dass zu diesem Zeitpunkt die Emissionen bei null liegen werden. Es geht in Anbetracht des Klimawandels darum, schnell wirksame Maßnahmen zur Senkung der Emissionen zu ergreifen. „Wichtig ist, dass die Emissionen schnell runterkommen, nicht wann wir auf null sind“, sagt Christoph Timpe, Leiter des Bereichs Energie & Klimaschutz am Freiburger Öko-Institut.

Bereits 2008 hat der Münchner Stadtrat eine Kehrtwende in der Energiepolitik beschlossen. Den ersten Schritt tun die Stadtwerke München (SWM) bei der Stromversorgung. Ab 2025 sollen die SWM den gesamten Stromverbrauch der Stadt mit Ökostrom aus eigenen Anlagen decken. „Wir kommen in diesem Jahr noch auf einen Anteil erneuerbarer Energien, der 80 Prozent des Stromverbrauchs entspricht. Das 100-Prozent-Ziel für 2025 ist noch nicht gesichert, wir sind aber optimistisch, dass wir es erreichen“, erklärt der Vorsitzende der SWM-Geschäftsführung, Florian Bieberbach.

Kohleausstieg und steigender Strombedarf schaffen Versorgungslücken

Die SWM betreiben derzeit 70 Anlagen zur Erzeugung von erneuerbarem Strom, Wärme und Kälte im Großraum München. Weitere Projekte sind in Planung. Mit dem Abschalten der Kernkraftwerke Ende 2022 und einem beschleunigten Ausstieg aus der Kohle könnte es allerdings eng werden für eine 100 Prozent regenerative Energieversorgung. Aktuell planen die SWM neben erneuerbaren Energien noch längerfristig mit der Verwendung von Erdgas zur Strom- und Wärmeerzeugung.

Weiterhin wird in den nächsten Jahren der Strombedarf weiter steigen. Grund dafür sind die wachsende E-Mobilität und der Einsatz von Strom in der Wärmeerzeugung. Die SWM erwarten, dass der Strombedarf bis 2035 von 7,5 TWh auf 8,4 TWh wächst. Auch dieser Bedarf soll mit Energie aus regenerativen Quellen gedeckt werden.

Mit Geothermie zur klimaneutralen Wärmeversorgung

Bei der Wärmeversorgung klimaneutral zu werden, stellt sich um einiges schwieriger dar als bei der Stromversorgung. Mehr als 50 Prozent der in Deutschland verbrauchten Energie entfällt auf die Wärmeversorgung. In Privathaushalten machen Heizung und Warmwasser sogar rund 90 Prozent des gesamten Energiebedarfs aus. Auch der Bedarf an Kälte steigt im privaten und gewerblichen Sektor kontinuierlich. Die SWM sehen eine Versorgung mit klimaneutraler Fernwärme bis spätestens 2040 als realistisches Ziel. Gelingen soll die Wärmewende vor allem mit Hilfe von Geothermie. Zum aktuellen Zeitpunkt stammen rund 13 Prozent der Münchner Fernwärme aus regenerativen Quellen wie Geothermie, Biogas, Biomüll und Klärschlamm. Die restlichen 87 Prozent stammen vorwiegend aus Kraft-Wärme-Kopplung, also aus bei der Stromerzeugung entstehender Abwärme aus der Müllverbrennung und der Nutzung von fossilen Brennstoffen. Insgesamt werden durch Fernwärme 30 Prozent des Wärmebedarfs der Stadt gedeckt. Der Großteil der Wärmegewinnung erfolgt auch in München noch immer durch Gas- und Ölheizungen.

Bis zur vollständigen Wärmewende bleibt also noch viel zu tun. Die Stadtwerke forcieren den Bau neuer Geothermieanlagen in der Schäftlarnstraße und beim Michaelibad. Zudem ist eine weitere Anlage gemeinsam mit der Gemeinde Pullach in Planung. Parallel zum Bau neuer Geothermie-Anlagen wird das etwa 900 Kilometer lange Fernwärmenetz an die Nutzung von Fernwärme aus Geothermie angepasst.

Quellen: Süddeutsche Zeitung, Pixabay