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Jetzt stehen alle hinter der Geothermie

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Bisherige Kritiker der Geothermie ändern angesichts des Angriffs auf die Ukraine ihre Meinung. Der Gemeinderat von Pullach beschließt eine große Investition in den Ausbau der geothermalen Wärmeversorung bis 2027.

Pullach decke heute schon 46 Prozent seines privaten und gewerblichen Wärmebedarfs mit Geothermie ab (ohne Chemiekonzern United Initiators). Die Wärme wird in dieser Heizzentrale von der gemeindeeigenen Geothermie-Gesellschaft Innovative Energie für Pullach (IEP) bereitgestellt. Quelle: IEP/Baasch

Die Gemeinde Pullach kommt der Wärmewende immer näher und damit auch der Unabhängigkeit von Energieimporten für die Wärmeerzeugung. Der Gemeinderat beschloss den Ausbau des Fernwärmenetzes bis 2027 mit Geothermie als Wärmequelle. Der Ausbau wird über die Bundesförderung für effiziente Wärmenetze unterstützt.

Das Außergewöhnliche an der Entscheidung in Pullach war, dass alle Fraktionen des Gremiums hinter der Geothermie standen. Susanna Tausendfreund (Bündnis 90/Die Grünen) sprach von einer "historischen Entscheidung für ein bahnbrechendes Projekt zur Daseinsfürsorge". Alexander Betz von der FDP war bisher ein kritischer Begleiter der IEP-Vorhaben. Nun aber habe sich die Dynamik der Energiepreise verändert, und da das Konzept auch der Versorgung der Gemeinde diene, stimmte er zu. Laut Johannes Schuster (Wir in Pullach) ginge es vor dem Hintergrund des Angriffskrieges Putins nicht mehr nur um die Umwelt, sondern auch um die energetische Unabhängigkeit.

Um die Wärmeversorgung der Gemeinde mit Geothermie zu sichern wurde das Eigenkapital der 100-prozentigen Tochter der Gemeinde Pullach im Isartal Innovative Energie für Pullach (IEP) um 12,5 Millionen auf 30 Millionen Euro erhöht. In Kooperation mit den Stadtwerken München soll eine Geothermie Isartal GmbH gegründet werden, in die beide Partner je 30 Millionen Euro einzahlen. Auf dem Claim "Pullach Süd" ist laut Helmut Mangold, Geschäftsführer von IEP, mit 77 Megawatt eine Verdreifachung der geothermischen Energiegewinnung in der Gemeinde möglich. Für ihn ist "der Ukraine-Krieg der Fukushima-Moment der fossilen Energieträger" und ein Ausbau der Geothermie und anderer nachhaltiger Wärmetechnologien ein unabdingbarer Bestandteil der nationalen Sicherheit. Bereits jetzt berichtet Helmut Mangold von "einem regelrechten Ansturm auf die Geothermie, auch von Leuten, die zuvor einen Anschluss abgelehnt hätten".

Quelle: SZ