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"Reallabor der Energiewende" in Gelsenkirchen: Sole statt Kohle

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Auf der Fläche einer ehemaligen Kokerei entsteht durch den Einsatz von Geothermie und PV ein „Reallabor der Energiewende“, gefördert vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi).

Im Projekt TransUrban.NRW ersetzen intelligente Niedertemperaturnetze künftig Kohle-Infrastruktur. Auf dem Gelände einer ehemaligen Kokerei in Gelsenkirchen entsteht ein familienfreundliches und nachhaltiges Wohnquartier. Bildquelle: wikimedia commons

Am 1. Mai 2020 startete mit „TransUrban.NRW“ das zweite Reallabor der Energiewende. Das beteiligte Forschungskonsortium ist eines von 20 Gewinnern eines Ideenwettbewerbs, die Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier im Sommer 2019 bekannt gegeben hatte. Mit den Reallaboren beschleunigt das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie den Transfer von Innovationen in die Praxis. In TransUrban.NRW arbeiten die Lehrstühle der RWTH Aachen Institute for Automation of Complex Power Systems (ACS) und der Lehrstuhl für Gebäude- und Raumklimatechnik (EBC) an der Entwicklung neuer digitaler Methoden für die Planung und den Betrieb von Quartiersenergiesystemen.

Ziel des Projektes ist es, die bisherige klassische Fernwärmeversorgung über Hochtemperatur- und Dampfnetze in ein CO2-armes Versorgungssystem zu verwandeln. Erneuerbare Energie aus Geothermie, Abwasser sowie niedrig temperierte Abwärme soll in großem Umfang in die Versorgung einbezogen werden. Dazu erforderliche Niedertemperaturnetze werden neu errichtet oder in die bestehende Infrastruktur integriert. Das Projekt hat eine Laufzeit von fünf Jahren und erhält Zuwendungen des BMWi in Höhe von insgesamt rund 16,7 Millionen Euro.

Auf dem Gelände der 1993 stillgelegten Kokerei Gelsenkirchen-Hassel eröffnete im Juni 2020 der Stadtteilpark Hassel. Hier entsteht auf einer Grundstücksfläche von ca. 50.000 m² das Quartier „Wohnen am Stadtteilpark“. Die Wärme- und Kälteversorgung wird über eine Wärmenetzlösung der 5. Generation sichergestellt. Im Süden des Geländes ist ein Geothermiefeld mit 25 Erdsonden mit einer Tiefe von ca. 100 m angelegt worden. 60 dezentrale Wasser-Wasser-Wärmepumpen werden über PV-Anlagen mit bis zu 1.750 m² Fläche betrieben. Das dynamische Niedertemperaturnetz von E.ON kann flexibel Wärme- und Kälte bereitstellen.

Das Projekt „TransUrban.NRW“ findet in einer typischen von Kohlebergbau geprägten Strukturwandelregion statt und umfasst vier Quartiere in Gelsenkirchen, Mönchengladbach, Herne und Erkrath. Jedes dieser Reallabor-Quartiere steht für einen anderen Innovationsschwerpunkt und unterscheidet sich in seiner Struktur. Die Erkenntnisse, die vor Ort gewonnen werden, können auf jeweils ähnliche Standorte in Deutschland übertragen werden.

Bundesminister Altmaier: „Ich freue mich, dass mit TransUrban.NRW gerade in dieser schwierigen Zeit ein weiteres Reallabor der Energiewende an den Start gehen kann. Das ist ein wichtiges Signal in schwierigen Zeiten. Unsere Reallabore verbinden großformatige Innovationsprojekte mit einem industriepolitischen Anspruch. Sie erproben neue Zukunftstechnologien der Energiewende und leisten so einen wichtigen Beitrag für den Strukturwandel in den ehemaligen Kohleregionen Nordrhein-Westfalens.“

Die „Reallabore der Energiewende" sind im 7. Energieforschungsprogramm der Bundesregierung verankert. Sie greifen die Herausforderungen der Energiewende auf und erproben innovative Technologien im industriellen Maßstab in einem realen Umfeld. Sie sollen Innovationen schnell in den Markt bringen und durch Skaleneffekte wettbewerbsfähig machen.

Quellen: BMWI, E.ON