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Serie: Geothermie studieren – aber wie?

| News

Unsere Serie stellt Studienmöglichkeiten vor, die den Einstieg in eine Karriere in der Geothermie ermöglichen. Im aktuellen Interview gibt Prof. Dr. Koenigsdorff spannende Einblicke in zwei Studiengänge an der Hochschule Biberach (HBC).

Prof. Dr.-Ing. Koenigsdorff mit Plattenkollektor in der Hand

Wir haben Prof. Dr.-Ing. Roland Koenigsdorff, Professor für Simulationstechnik, Energiekonzepte und Geothermie, für ein Interview getroffen, um über Studienmöglichkeiten in der Geothermie zu sprechen. Im aktuellen Gespräch gibt er spannende Einblicke in zwei Studienprogramme an der Hochschule Biberach (HBC) am Institut für Gebäude und Energiesysteme (IGE).

Sie sind seit 1998 Professor an der Hochschule Biberach, können Sie kurz erzählen, an welchem Lehrstuhl Sie tätig sind und womit Sie sich in Forschung und Lehre beschäftigen?

Ich bin Professor im Studiengang Energie-Ingenieurwesen mit dem Berufungsgebiet Thermodynamik und Simulationstechnik. Inhaltlich beschäftigen wir uns mit Gebäudeklimatik sowie Energiesystemen für Gebäude und Quartiere – von Wärmepumpen über Wärme- und Kältetechnik bis hin zu ganzheitlichen Energiekonzepten.

Ein regionaler Schwerpunkt meiner Forschungsarbeit liegt auf der Nutzung von Oberflächennaher Geothermie (Grundwasser, Erdwärmesonden, -kollektoren usw.) und Mitteltiefen Thermalwässern in Oberschwaben sowie auf Fragestellungen der Tiefen Geothermie. Dabei betrachten wir die gesamte Prozesstechnik – von der Förderung mittels Pumpe bis zur Integration in gebäudetechnische Systeme.

Als Maschinenbauingenieur mit energietechnischer Ausrichtung vertrete ich vor allem die ingenieurwissenschaftliche und anwendungsbezogene Perspektive.

Was fasziniert Sie persönlich an Ihrem Fachgebiet?

Mich begeistert am Ingenieurwesen die Verbindung von wissenschaftlicher Fundierung und praktischer Anwendung. Theorie und Praxis greifen ineinander – und nichts ist so praktisch wie eine gute Theorie.

Erneuerbare Energien sind für mich zudem eine gesellschaftlich sinnvolle und zukunftsweisende Aufgabe. Mein Weg führte von der Solarthermie über das Bauwesen hin zur ganzheitlichen Energietechnik und der Geothermie. Diese Mischung aus Technik, Wissenschaft und konkreter gesellschaftlicher Relevanz macht das Fachgebiet für mich besonders spannend.

Welche Studiengänge mit Bezug zur Geothermie bieten Sie an und welche Rolle spielt die Geothermie innerhalb des Studienverlaufs?

Geothermie ist an der Hochschule Biberach vor allem in zwei Studiengängen verankert:

Einen eigenständigen Geothermie-Studiengang gibt es nicht, jedoch können die Studierenden vor allem im Masterstudium entsprechende Vertiefungsfächer wählen und Projekt- oder Abschlussarbeiten im Bereich Geothermie bearbeiten. Thematisch spielt Geothermie insbesondere bei Wärmepumpensystemen, bei der Erschließung von Quartieren, bei Wärmenetzen sowie bei der Nutzung von Grund- und Thermalwasser eine Rolle. Wir vertreten dabei klar die Anwendungsseite: Während sich andere stärker mit dem Untergrund beschäftigen, liegt unser Fokus auf der Frage, wie die gewonnene Energie effizient in technische Systeme integriert wird.

Als Vorsitzender der VDI-Richtlinienreihe 4640 „Thermische Nutzung des Untergrunds“ wirke ich zudem an der Standardisierung und Regelwerksarbeit mit. Die dort erarbeiteten technischen Grundlagen und Qualitätsanforderungen fließen unmittelbar in Lehre und Forschung ein und werden konsequent in praxisnahe Standards überführt.

Diese enge Verzahnung von Richtlinienarbeit, wissenschaftlicher Weiterentwicklung und konkreter Anwendung stellt ein besonderes Profilmerkmal der Hochschule Biberach dar.

Ist der Fokus eher technisch, geowissenschaftlich oder interdisziplinär? Welche Kompetenzen erwerben die Studierenden?

Der Schwerpunkt ist ingenieurwissenschaftlich, gleichzeitig aber klar interdisziplinär ausgerichtet. Unsere Studierenden erwerben insbesondere Schnittstellenkompetenz – also die Fähigkeit, zwischen Untergrund, Bohrtechnik, Anlagentechnik und Gebäudeenergiesystemen zu vermitteln.Gerade diese Verbindung ist entscheidend für das Gelingen geothermischer Projekte.

Wie groß sind die Jahrgänge und wie ist die Betreuungssituation?

Die Betreuungssituation ist sehr gut. Im Studiengang lehren acht Professorinnen und Professoren sowie weitere Lehrbeauftragte. Pro Jahr stehen rund 40 Bachelor-Studienplätze und etwa 25 Master-Studienplätze zur Verfügung. Die vergleichsweise kleinen Jahrgänge ermöglichen eine persönliche und enge fachliche Begleitung.

Welche praktischen Erfahrungen sammeln Studierende während des Studiums? Gibt es Laborübungen, Exkursionen oder Feldpraktika? Arbeiten Studierende an realen Geothermieprojekten mit?

Praxisnähe ist ein zentrales Element unseres Studiums. Im Bachelor absolvieren die Studierenden ein Praxissemester, typischerweise in Ingenieurbüros oder Unternehmen der Energiewirtschaft. Abschlussarbeiten entstehen häufig in Kooperation mit Firmen.

An der Hochschule selbst finden Laborübungen und Praktika statt, es gibt ein Geothermietestfeld für Oberflächennahe Geothermie und Exkursionen führen zu Gebäuden mit Geothermienutzung oder zu Geothermieanlagen in der Region, wie beispielsweise zum EnBW-Gebäude in Biberach, wo über 30 Erdwärmesonden genutzt werden.

Unsere anwendungsorientierte Forschung umfasst unter anderem das Monitoring technischer Anlagen, sodass Studierende direkt an realen Projekten mitarbeiten und von bestehenden Systemen lernen können. Viele Projekte sind zudem in die Abschlussarbeiten eingebunden.

Was sind drei Argumente für ein Geothermie-Studium an Ihrer Hochschule in Biberach?

  1. Sehr gute Ausstattung und intensive Betreuung: Sowohl in Laboren als auch in Versuchsanlagen. Ein Ausbau weiterer Versuchsanlagen ist bereits in Planung.
  2. Klare Praxisorientierung: Vom anwendungsnahen Bachelorstudium bis hin zur forschungsnahen Vertiefung im Master stehen alle Wege offen.
  3. Vielfältige Forschungs- und Transferaktivitäten: Starker regionaler Bezug und enger Austausch mit Wirtschaft und Praxis.

Wie sehen Sie die zukünftige Entwicklung der Geothermie in Deutschland und welchen Beitrag können Ihre Studierenden dazu leisten?

Das technische Potenzial der Geothermie ist sehr hoch, und ich sehe ihre zukünftige Entwicklung grundsätzlich positiv. Herausforderungen bestehen vor allem bei Investitionskosten und wirtschaftlichen Risiken. Hier braucht es geeignete Rahmenbedingungen und Absicherungsinstrumente, insbesondere für kleinere Akteure wie Stadtwerke. Denn wie man so schön sagt: Vor der Hacke ist es dunkel.

Entscheidend wird sein, Innovationen, wie wir sie zum Beispiel auf der GeoTHERM gesehen haben, tatsächlich in die Umsetzung zu bringen. Hier leisten Forschung und Lehre einen wichtigen Beitrag, indem sie technische Lösungen weiterentwickeln und qualifizierte Fachkräfte ausbilden.

Hier vor Ort engagieren wir uns aktiv im Bereich geothermischer Wärmenetze für die systematische Erschließung von Potenzialen von der Nutzung von Oberflächengewässern über Grundwasserlösungen bis hin zur mitteltiefen Geothermie, mit dem Ziel, sie in bestehende regionale Wärmeversorgungskonzepte zu integrieren.

Insbesondere in Baden-Württemberg sind wir dazu stark vernetzt. Durch die Einbindung in das Landesforschungszentrum Geothermie (LFZG), das am Karlsruher Institut für Technologie angesiedelt ist, bringen wir unsere anwendungsorientierte Perspektive in landesweite Forschungs- und Transferaktivitäten ein. So tragen wir dazu bei, innovative Konzepte wissenschaftlich zu begleiten und gleichzeitig praxisnah in die Umsetzung zu führen.

Warum lohnt es sich heute, auf eine Karriere im Bereich Geothermie zu setzen?

Die Energietechnik insgesamt bietet große Chancen, insbesondere im Bereich der klimafreundlichen und sicheren Energieversorgung. Geothermie ermöglicht die Nutzung heimischer Energiequellen direkt vor Ort, etwa in Quartieren oder in Nah- und Fernwärmesystemen. Das Berufsfeld ist breit gefächert und zählt zum Kernbereich unserer Infrastruktur.

Mich persönlich fasziniert zudem die Langlebigkeit: Gebäude und Anlagen, die vor 10 oder 20 Jahren geplant wurden, funktionieren heute noch nachhaltig. Geothermische Systeme sind auf Jahrzehnte ausgelegt – das schafft bleibende Wirkung. Wer heute in die Geothermie einsteigt, arbeitet an einer Technologie mit großem Entwicklungspotenzial, gesellschaftlicher Relevanz und enormer Nachhaltigkeit.
 

Bieten Sie an Ihrer Hochschule Studiengänge oder Projekte im Bereich Geothermie an? In unserer Serie stellen wir Ihre Angebote vor und zeigen angehenden Fachkräften die vielfältigen Chancen in der Geothermie.