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Serie: Geothermie studieren – aber wie?

| News

Unsere neue Serie zeigt Karrierewege für die Energieexperten und Energieexpertinnen von morgen – an Universitäten und Hochschulen mit Geothermie-Bezug.

Prof. Dr.-Ing. Mohd Amro, Professor für Geoströmungs-, Förder- und Speichertechnik

Bei unserem Besuch der ältesten montanwissenschaftlichen Universität der Welt, der TU Bergakademie Freiberg, sprechen wir mit Professoren über die Bedeutung des neuen Masterstudiengangs Geothermie sowie des Diplomstudiengangs Geoingenieurwesen mit Vertiefung Geoenergiesysteme und darüber, wie die Hochschule die Fachkräfte der Energiewende ausbildet.

Prof. Dr. Mohd Amro ist Professor für Geoströmungs-, Förder- und Speichertechnik und zeigt, wie Strömungsprozesse im Untergrund, Energiespeicherung und Geothermie zusammenwirken, um sichere und effiziente Lösungen für die Energieversorgung der Zukunft zu entwickeln.

Können Sie kurz erzählen, an welchem Lehrstuhl Sie tätig sind und womit Sie sich in Forschung und Lehre beschäftigen?
Ich habe den Lehrstuhl für Geoströmungs­, Förder­ und Speichertechnik inne. Wir beschäftigen uns mit der Fragestellung der Erhöhung des Nutzungsgrades einer Lagerstätte, dazu gehört natürlich die Geothermie. Weitere Arbeitsbereiche der Professur sind die Stoff­- und Energiespeicherung sowie die Verwahrung von Kohlendioxid im geologischen Untergrund. Dafür ist besonders wichtig die Betrachtung der Integrität von Bohrung und Lagerstätten-Abdeckung. Für die Bearbeitung dieser Themen stehen uns ein gut ausgerüstetes Labor und leistungsfähige Simulationstools zur Verfügung. In der Lehre werden zunächst die Grundlagen der Geoströmungstechnik vermittelt. Aufbauend darauf gibt es seit neustem eine spezielle Geothermievorlesung.  

Was fasziniert Sie persönlich an Ihrem Fachgebiet?
Dieses Fach zeichnet sich durch eine anspruchsvolle Verknüpfung von geologischem und technologischem Wissen aus. 
Im Laufe der Jahre wandeln sich die Aufgabenstellungen in Folge der sich ändernden Rahmbedingungen. Das bedeutet für uns, sich immer wieder in neue Aufgabenstellung hineindenken zu müssen. Aufgrund der gesammelten Erfahrungen ist es uns bis jetzt immer wieder gelungen, diese Herausforderung zu meistern. 
Als Beispiel können wir die Geothermie erwähnen, sowohl bei der Förderung von Erdöl als auch bei der Gewinnung der Erdwärme strömen im geologischen Untergrund Fluide, die mittels Bohrung an die Oberfläche gebracht werden müssen. So hilft uns unsere Erfahrung, die wir im Erdöl und Erdgas gesammelt haben, bei der Meisterung der Probleme, die es auch in der Geothermie gibt.
Dies ist für mich faszinierend, um unsere gewonnenen Erfahrungen aus der Erdöl- und Erdgasförderung zielgerichtet zu übertragen und anzupassen.
Andererseits ist es aber schön, mit Studierenden und Promovierenden zusammenzuarbeiten. Die Themen, die wir gemeinsam bearbeiten, sind sowohl von nationaler als auch von internationaler Relevanz. 
Die Kontakte mit der Industrie im Rahmen von Projekten helfen uns, unseren Lehrinhalt immer wieder auf dem neusten Stand zu bringen. Das macht die Arbeit abwechslungsreich und herausfordernd.    

Sie beschäftigen sich mit Geoströmungs-, Förder- und Speichertechnik – wie eng sind diese Themen mit der Geothermie verknüpft?
Die Geoströmungstechnik befasst sich im weitesten Sinne mit der mobilen Phase und deren Wechselwirkung mit der Feststoffmatrix, dem sogenannten Speichergestein. Dies sind poröse, zum Teil geklüftete Sedimente, in denen sich die fluide Phase befindet. 
Wie dicht Erdölgewinnung und Geothermienutzung beieinanderliegen, zeigt sich am Beispiel des Oberrheingrabens in Speyer, wo die Öllagerstätte Römerberg in unmittelbarer Nähe einer geplanten Geothermiebohrung liegt. Die Unterschiede bei der Förderung der Fluide sind hauptsächlich deren Viskosität und Förderraten. 

Warum ist ein Verständnis von Speichertechnik so wichtig für die Energiewende?
Große Mengen elektrischer Energie lassen sich schwer speichern, deshalb wandelt man sie in chemische Energie um und speichert sie z. B. in Form von Wasserstoff im geologischen Untergrund. Bei Bedarf wird sie verstromt.
Um diese Speicher effektiv und sicher zu gestalten, bedarf es des Fachwissens von Geoströmungstechnik. 
Industriell anfallendes, nicht-vermeidbares CO2 kann man ebenfalls im geologischen Untergrund langfristig verwahren. 

Welche Kompetenzen brauchen Studierende, um in diesem Bereich erfolgreich zu arbeiten?
Um unser Studium erfolgreich abzuschließen, sollte man gutes Verständnis für naturwissenschaftliche Zusammenhänge haben. Darauf aufbauend vermitteln wir solide Kenntnisse in der Strömungsmechanik, Thermodynamik, Werkstofftechnik, Geologie und Geomechanik.
Außerdem haben die Studenten die Möglichkeit, ihr Wissen bei der Nutzung moderner Simulationsprogramme z. B. für Reservoir Management einzusetzen.
Mit diesem Rüstzeug sollten unsere Absolventen in der Lage sein, in den unterschiedlichsten Bereichen der Praxis, die an sie gestellten Aufgaben qualitativ hochwertig zu erledigen. 

Warum lohnt es sich heute, auf eine Karriere im Bereich Geothermie zu setzen?
Geothermie ist eine Technologie, die sich noch in einem frühen Stadium der Entwicklung befindet. Im Augenblick wird in Deutschland das große Potenzial der Erdwärmenutzung bei weitem noch nicht ausgeschöpft. Dies beginnt sich zu ändern, deshalb sehe ich in der Beschäftigung mit der Geothermie eine vielversprechende Perspektive für junge Leute. Darüber hinaus kann diese Technologie unter bestimmten Bedingungen überall eingesetzt werden und somit ist sie ortsunabhängig.

Wie erleben Sie das Interesse der Studierenden an diesem Thema – steigt die Begeisterung für Geothermie?
Wir stehen erst am Anfang des Weges sind aber guter Dinge, dass sich in Zukunft immer mehr junge Leute für unser Fach interessieren. 

Was macht Freiberg Ihrer Meinung nach zu einem besonderen Studienort für zukünftige Energieingenieure und Energieingenieurinnen?
TUBAF ist die älteste existierende Bergakademie der Welt und hat in ihrer 260-jährigen Geschichte bereits einige Richtungswechsel in Forschung und Lehre durchgemacht. Jedes Mal ist unsere Hochschule gestärkt aus diesen Wandeln hervorgegangen. Insofern denke ich, dass diese Erfahrungen und dieses Selbstverständnis unseren Studenten zugutekommen. 
Wir sind eine kleine überschaubare Hochschule, in der naturgemäß die Vernetzung der einzelnen Fachrichtungen untereinander noch auf persönlicher Ebene beruht. Das kommt der Interdisziplinarität in Forschung und Lehre zugute. 
Die Absolventen der Bergakademie sind in ihrem beruflichen Werdegang sehr erfolgreich und bereichsweise sogar schon vielfach Entscheidungsträger. Dies trägt zur Attraktivität unserer Bergakademie bei. 

Wenn Sie an die Zukunft der Energieversorgung denken – welche Rolle wird die Geothermie Ihrer Meinung nach spielen?
Eine stark wachsende Rolle. Da man die Geothermie als einheimischen Rohstoff bezeichnen kann, machen wir uns durch ihre Nutzung unabhängiger von Energieimporten. 
Die Wärme im Untergrund kann man zu jeder Zeit und an jedem Ort nutzen. Sie ist überall verfügbar und ist eine sichere Energiequelle. 

Sie möchten Ihren Studiengang, Praxisprojekte oder Karrierewege in der Geothermie vorstellen? Melden Sie sich bei uns – wir präsentieren Ihr Angebot in unserer Serie und zeigen zukünftigen Fachkräften spannende Perspektiven auf!