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Pressemitteilungen 2021

Geothermiekongress 2021 verkündet Programm

(Berlin, 25.  August 2021) Der Kongress findet vom 30. November bis 2. Dezember unter Berücksichtigung eines detaillierten Hygienekonzepts im Haus der Technik in Essen statt.

Der Geothermiekongress 2021 findet dieses Jahr unter Einhaltung der behördlich vorgegebenen Sicherheitsmaßnahmen im Haus der Technik in Essen statt. Die Besucher erwarten insgesamt 175 Fachvorträge, darunter Workshops, Sessions, Postersessions und Keynotes. Beim Science Bar Wettbewerb können Doktor- und Abschlussarbeiten den Nachwuchspreis des Bundesverbands Geothermie gewinnen. Darüber hinaus präsentiert sich die AG Geothermie des BMWi-Forschungsnetzwerkes Energiewendebauen und lädt zur Diskussion ein.

Dr. Erwin Knapek, Präsident des Bundesverbands Geothermie: „Wir freuen uns auf den Vor-Ort-Fachkongress und hoffen, dass sich die Branche dort wieder persönlich vernetzen kann. Gemeinsam möchten wir die Energie- und besonders die Wärmewende vorantreiben und der Kongress kann helfen, die richtigen Partner und Experten dafür zu finden. Sollte uns die Pandemie wieder einen Strich durch die Rechnung machen, setzen wir den Kongress, wie im letzten Jahr bereits erfolgreich geschafft, digital um. “ Für Interessierte aus dem Ausland, oder Personen, die nicht reisen möchten, wird außerdem alternativ ein Streaming-Ticket angeboten.

Prof. Dr. Horst Rüter, Leiter des Wissenschaftlichen Komittees: „Wir bedanken uns bei den zahlreichen, fachlich hochqualitativen Einreichungen. Unsere Themengebiete sind dieses Jahr u.a. Tiefe, Mitteltiefe und Oberflächennahe Geothermie, Prozesswärme und die Nutzung von Grubenwasser. Das Wissenschaftliche Komitee hat wieder ein sehr vielseitiges und anspruchsvolles Programm ausgearbeitet, welches alle Aspekte der geothermischen Nutzungsarten umfasst.“

Partnerländer Schweiz und Österreich

Am Dienstag, den 30. November startet der Kongress mit einem Workshoptag. Highlights sind u.a. die Workshops der Partnerländer Schweiz und Österreich und der gemeinsame DACH-Workshop zu den regulativen Rahmenbedingungen für die Nutzung der tiefen Geothermie im Vergleich der Länder. Außerdem wird am Dienstag die deutsche Sektion des internationalen Verbands WING – Women in Geothermal offiziell in einem Kick-Off-Workshop vollzogen. Der Tag endet mit einem Icebreaker-Abend für die Besucher.

Der Mittwoch geht mit der offiziellen Eröffnung, Vorträgen und Postersessions weiter. Unter anderem sind die Themen geothermisch gewonnenes Lithium, Kalte Nahwärmenetze, Grubenwassernutzung und innovative Bohrtechniken.  Beim Gesellschaftsabend feiert der Bundesverband Geothermie seinen 30. Gründungstag.

Donnerstag, den 2. Dezember erwarten die Besucher u.a. Fachvorträge zu einem «Strategiepapier Geothermie» der Fraunhofer Institute, Sessions zur industriellen Nutzung geothermischer Wärme und zum Leuchtturmprojekt der Schweriner Stadtwerke im Fachbereich der Mitteltiefen Geothermie. Außerdem wird am Donnerstag der Preis für ausgezeichnete junge WissenschaftlerInnen und der Nachwuchspreis der Science Bar vergeben.

Das Programm ist auf der Website des Kongresses einsehbar und wird auch zum Teil in englischer Sprache angeboten. Die Anmeldung ist eröffnet.  

Weitere Informationen:

www.der-geothermiekongress.de

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Bundesförderung effiziente Wärmenetze (BEW)

(Berlin, 28. Juli 2021) Der Bundesverband Geothermie (BVG) reagiert auf den Entwurf des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie zur „Richtlinie für die Bundesförderung für effiziente Wärmenetze - BEW“. Der Bundesverband Geothermie begrüßt den Willen der Bundesregierung, die Wärmeversorgung bis zum Jahr 2045 treibhausgasneutral zu gestalten. Grundsätzlich stellt der Regierungsentwurf zur BEW vom 16.07.2021 für die Geothermie eine geeignete Grundlage dar, um einen beachtlichen Beitrag zur Wärmeversorgung zu leisten. BVG-Präsident Dr. Erwin Knapek betont: „Nur durch einen umfangreichen Ausbau der Geothermie kann eine dekarbonisierte Energieversorgung, auch bezüglich der Wärmenetze, innerhalb der gesteckten Ziele erreicht werden. Das Förderprogramm hat für den Ausbau der Tiefen Geothermie und der netzgebundenen Oberflächennahen Geothermie eine herausragende Bedeutung. Es könnte die notwendige Dekarbonisierung der Fernwärmenetze wesentlich voranbringen, wenn noch wesentliche Nachbesserungen für geothermische Anlagen im Förderprogramm aufgenommen werden.“ Damit kritisiert der Bundesverband Geothermie unter anderem die durch den Entwurf fehlende Investitionssicherheit, die fehlende Betriebskostenförderung für Geothermie-Anlagen, die fehlende Berücksichtigung geothermischer Untergrundspeicher, die geplante Laufzeit der Richtlinie sowie die Begrenzung der förderfähigen Bohrungen.

Die wesentlichen Kritikpunkte des Bundesverbandes lauten:

Fehlende Planungssicherheit für kommunale und privatwirtschaftliche Investoren

Die im Bundeshaushalt vorgesehenen Mittel sind für die Zielerreichung zu gering und die Gewährung der Förderung steht laut BEW-Entwurf unter Vorbehalt der Verfügbarkeit der Haushaltsmittel. Der Bundesverband fordert eine Anpassung der Haushaltsmittel durch den Bundestag, sowie die Einfügung eines Rechtsanspruches auf die Gewährung der Förderung, um die Investitons- und Planungssicherheit zu erhöhen.

Fündigkeitsversicherung für Geothermie-Projekte weiterhin nötig

Die „Richtlinie für die Bundesförderung für effiziente Wärmenetze“ verbessert in ihrer jetzigen Form die Fündigkeitsabsicherung für Geothermie-Projekte; eine umfassende Fündigkeitsversicherung ist aus der Sicht des Bundesverbandes jedoch weiterhin nötig. Das Fehlen einer vollständigen Fündigkeitsversicherung bleibt für kleine und mittlere Stadtwerke sowie private Investoren eine wesentliche Hürde bei der Umsetzung von Geothermie-Vorhaben.

Förderung für bestehende Geothermie-Fernwärmenetze

Ausschlaggebend für die Förderung einer Anbindung einer erneuerbaren Wärmeerzeugungsanlage an Fernwärmenetze sollte nicht sein, dass diese Anlage neu ist, sondern dass sie erneuerbare Wärme erzeugt.

Betriebskostenförderung für Geothermie-Anlagen

Die hocheffizienten Wärmeerzeuger oberflächennahe und tiefe Geothermie werden durch die vorgesehene einseitige Betriebskostenförderung für Solarthermie und Wärmepumpen massiv benachteiligt. Der Bundesverband schlägt in seiner Stellungnahme vor, die Wirtschaftlichkeitslücke gegenüber fossilen Netzen durch eine einheitliche Betriebskostenförderung von 4 Cent / KWh für nachgewiesene Stromkosten zu schließen.

Erweiterung der Anzahl an förderfähigen Bohrungen

Die im jetzigen Entwurf der BEW geplante Begrenzung der förderfähigen Bohrungen sieht der Bundesverband Geothermie als Rückschritt gegenüber der bisherigen KfW-Förderung an. Statt der geplanten drei Bohrungen sollen laut BVG zur Realisierung einer hohen Verfügbarkeit und Effizienz mindestens acht Bohrungen förderfähig sein.

Bewilligungszeitrum zu knapp

Der Bundesverband Geothermie schließt sich in der Kritik des Bewilligungszeitraums dem Bundesverband Erneuerbare Energie an. Die Geltungsdauer der Richtlinie sowie die Gültigkeitsdauer für Einzelmaßnahmen ist zu gering bemessen. Die entsprechenden Zeitvorgaben sollten deutlich verlängert werden und der üblichen Umsetzung von Infrastrukturmaßnahmen in Deutschland angepasst werden.

Kleine Wärmenetze

Kleinere Kalte-Nahwärmenetze sollten laut BVG entweder durch die BEW oder parallel durch die Bundesförderung für effiziente Gebäude gefördert werden.

Kombinierbarkeit mit weiteren Programmen

Weiterhin fordert der Bundesverband Geothermie eine Kombinierbarkeit mit zusätzlichen, zur Verfügung stehenden, Programmen. Anlagen, welche über das EEG gefördert werden, sollten beim Aufbau eines Fernwärmenetzes zum Beispiel auch das BEW nutzen können.

Berücksichtigung geothermischer Untergrundspeicher

Geothermische Untergrundspeicher müssen  zukünftig vor allem als saisonale Speicher eine systemstabilisierende Wirkung übernehmen können, weshalb sie in der BEW klar zu nennen und zu berücksichtigen sind.

Das Präsidium des Bundesverband Geothermie e.V. bringt sich am Donnerstag, den 29.7.2021 bei einer Anhörung zur BEW im Bundeswirtschaftsministerium mit seinen Vorschlägen ein.

Weitere Informationen:

Stellungnahme des BVG zum Entwurf der „Richtlinie für die Bundesförderung für effiziente Wärmenetze“.

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Geothermiekongress 2021 verkündet Partnerländer Österreich und Schweiz

(9.6.2021) - Der Kongress findet vom 30. November bis 2. Dezember unter Berücksichtigung eines Hygienekonzepts im Haus der Technik in Essen statt. Der Call for Papers läuft derzeit.

Dr. Erwin Knapek, Präsident des Bundesverbands Geothermie, über die Partnerschaft: „Um die Ländergemeinschaft von Deutschland, Österreich und der Schweiz zu stärken, haben wir unlängst die redaktionellen Verantwortlichkeiten unseres Fachmagazins Geothermische Energie auf die Geothermieverbände der Schweiz und Österreich ausgeweitet. Folglich lag es für uns auch auf der Hand, diese neu gestärkte Kooperation auch beim diesjährigen Geothermiekongress zu zeigen.“ Da in diesem Jahr wieder ein Präsenzkongress in Essen geplant wird, sollen dort auch gemeinsame und eigenständige Workshops der Partnerländer stattfinden.

„Wir freuen uns auf die erstmalige Zusammenarbeit der Geothermie-Verbände im DACH-Raum für den Geothermiekongress und sind überzeugt, dass eine zukünftig verstärkte gemeinsame Kommunikation im deutschsprachigen Raum die Sichtbarkeit und Relevanz der Geothermie gegenüber Entscheidungsträgern verbessern wird,“ so Dr. Peter Seifert, Obmann des Vereins Geothermie Österreich.

Auch die Präsidentin von Geothermie-Schweiz, Nathalie Andenmatten Berthoud, weiß um den Wert internationaler Kooperation: „Sie ermöglicht es, vom gegenseitigen Fachwissen zu profitieren, gängige Praktiken zu verbessern und generell das Potenzial der Geothermie in den Ländern besser zu nutzen. In diesem Sinne ist Geothermie-Schweiz bereits 2019 eine Partnerschaft mit dem französischen Verband eingegangen. Ich freue mich sehr, dass wir diesen Austausch nun auch im deutschsprachigen Raum intensivieren.“

Der Call for Papers läuft derzeit und ruft Interessierte dazu auf, aktuelle wissenschaftliche Ergebnisse einzureichen. Außerdem können angehende Wissenschaftler*innen sich beim Posterwettbewerb der „Science Bar“ beteiligen und ihre Bachelor-, Master- oder Doktorarbeiten zur Geothermie vorstellen. Die beste Präsentation wird mit dem Nachwuchs-Förderpreis des Bundesverbandes Geothermie e.V. prämiert.

Einsendeschluss für wissenschaftliche Arbeiten ist der 30. Juni 2021. Bei Fragen zu Einreichungen wenden Sie sich bitte an das Organisationsteam: dgk(at)geothermie.de

Alle Infos zum Kongress unter: www.der-geothermiekongress.de

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Karriere in der Geothermie-Branche – BVG veröffentlicht Überblick zum Thema Studium, Aus- und Weiterbildung

(Berlin, 2. Juni 2021) In der Geothermie arbeiten bereits knapp 25.000 Beschäftigte und die Branche wächst seit Jahren konstant. Der Bedarf an interdisziplinär ausgebildeten Fachkräften ist groß. Der BVG (Bundesverband Geothermie) veröffentlicht in diesem Zuge einen Überblick zu Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten, wie auch möglichen Studiengängen für einen Einstieg in die Branche.

Der BVG gibt in seiner neuen Infobroschüre „Studium, Aus- und Weiterbildung Geothermie“ einen Überblick über geeignete Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten in der Geothermie. Die Infobroschüre steht auf der Website des Bundesverbands Geothermie zum Download bereit.

In den letzten Jahren hat sich die Forschung und Lehre im Bereich der Geothermie stark weiterentwickelt. Die geothermische Forschung und Anwendung ist ausgesprochen multidisziplinär und der Arbeitsmarkt wächst stetig. Im Jahr 2000 verzeichnete das BMWi ca. 2000 Beschäftigte im Bereich Geothermie und Umweltwärme. 2020 waren es bereits ca. 25.000 Beschäftigte mit einem Akademikeranteil von etwa 22%. Dr. Erwin Knapek, Präsident des Bundesverbandes Geothermie: „Das ist eine sehr erfreuliche Entwicklung am Arbeitsmarkt. Umso wichtiger ist es, dass auch die ganzheitlichen Master-Studiengänge Geothermie, die es nur an wenigen Universitäten und Hochschulen in Deutschland gibt und die auch den disziplinübergreifenden Tätigkeiten in der Geothermiebranche Rechnung tragen, jetzt flächendeckend ausgebaut werden.“

Interessierten bieten sich diverse, teilweise fachübergreifende, Möglichkeiten für eine Ausbildung im Erdwärmesektor. Zahlreiche Universitäten und Hochschulen bieten Studiengänge in den Bereichen Geowissenschaften, Geochemie, Energiewirtschaft, Ingenieurs- und Umweltwissenschaften an. Es werden gut ausgebildete Menschen gesucht, die ihre berufliche Zukunft darin sehen, die Forschung und Anwendung der Geothermie voranzubringen. Für die Durchführung von Bohrungen sowie den Bau von Förder- und Untertagespeichertechnik bedarf es fachspezifisch geschulten TechnikerInnen. In den Bereichen Installation/Montage, Planung und Finanzierung herrscht großer Bedarf an qualifizierten ArbeitnehmerInnen. Prof. Dr. Horst Rüter, Sprecher des BVG-Fachausschusses Wissenschaft und Bildung, betont den Fachkräftebedarf: „Der unverzichtbare Beitrag der Geothermie zur Energiewende besonders im Bereich Wärme und Kälte kann nur mit ausreichend Personal gesichert werden. Fachkräfte in allen Teildisziplinen vom Installateur bis zum Wissenschaftler werden zukünftig in großer Zahl benötigt. Ihre Ausbildung muss heute beginnen.“ 

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BVG fordert Nachbesserung des Klimaschutzgesetzes

(Berlin, 11. Mai 2021) Der Bundesverband Geothermie (BVG) reagiert auf den Referentenentwurf des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit für eine Änderung des Bundes-Klimaschutzgesetzes mit einer Stellungnahme.  BVG-Präsident Dr. Erwin Knapek: „Der aktuelle Gesetzentwurf folgt den Maßgaben durch das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes (BVerfG) vom 29. April 2021 nur unzureichend. Vor allem im Gebäudesektor müssen die Potentiale der Geothermie für Einsparungen von Treibhausgasen stärker berücksichtigt werden“. Das BVerfG hatte geurteilt, dass eine Verlagerung von Treibhausgasminderungen in die Zukunft aufgrund von unterlassenen Maßnahmen nicht zulässig ist. In der BVG-Stellungnahme sind 10 explizite Schritte zur schnellen Dekarbonisierung des Wärmemarktes mit Geothermie gefordert.

Das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes hat zur Folge, dass Treibhausgasemissionen schneller als bisher geplant reduziert werden müssen, um die Grundrechte zukünftiger Generationen nicht einzuschränken. BVG-Präsident Dr. Erwin Knapek fordert daher einen deutlich beschleunigten Ausbau bei der Nutzung Erneuerbarer Energien, speziell der klimafreundlichen Geothermie.

Der Referentenentwurf des Bundes-Klimaschutzgesetzes folgt diesen Maßgaben nur unzureichend. Den hier erstmals genannten expliziten Zielen für Treibhausgasabsenkungen und negativen Emissionen im Sektor Landwirtschaft stehen nur minimale zusätzliche Einsparziele im Gebäudesektor gegenüber. Der größte Anteil des Primärenergieverbrauches in Deutschland entfällt auf den Wärme- und Kältesektor. Es existieren eine Vielzahl von regulatorischen und technischen Möglichkeiten zur Reduktion der Emissionen im Gebäudesektor.

In diesem Sektor fand bisher nur ein langsamer, weitgehend auf Biomasse begrenzter Ausbau statt. Die effizienteste Form, den Wärmemarkt mittels Sektorkopplung mit dem Strommarkt zu verknüpfen, erfolgt über die Nutzung geothermischer Ressourcen. Oberflächennahe- und Tiefe Geothermie haben den geringsten Flächenbedarf pro Kilowattstunde, die höchste Jahresarbeitszahl, sowie die geringsten Gestehungskosten aller EE-Technologien. Vor allem besitzt Geothermie den geringsten CO2-äquivalenten Fußabdruck pro Kilowattstunde und benötigt nur geringe „graue Energie“ z.B. für den Transport des Energieträgers.

Eine klimaneutrale Wärmeversorgung kann bis 2050 durch einen Mix aus Geothermie, Solarthermie, Bioenergie und PtX oft in Verbindung mit Wärmepumpen realisiert werden. Gemäß einer aktuellen Studie des Umweltbundesamtes vom Oktober 2020 kann Tiefe Geothermie hierbei 118 TWh pro Jahr beitragen (siehe UBA: 31/2020). Einen deutlich höheren Beitrag kann die Oberflächennahe Geothermie in Verbindung mit Wärmepumpen liefern. Dr. Erwin Knapek betont: „Oberflächennahe- und Tiefe Geothermie stechen bei der Emissionsbilanz erneuerbarer Energieträger mit besonders hohen CO2-Vermeidungsfaktoren heraus. Bei der Nutzung von 1 kWh Wärme aus oberflächennaher Geothermie werden 120,54 g CO2 Äq. vermieden. Der Vermeidungsfaktor von Tiefer Geothermie im Wärmemarkt beträgt sogar 283,09 g/kWh (siehe: UBA 37/2019). Mit einem ambitionierten Ausbau von Geothermie kann das Sektorziel für den Bereich Gebäude deutlich angehoben werden.“

Folgende 10 Schritte sind dafür die Voraussetzung und müssten im Anschluss an die Novellierung des KSG 2021 zügig und möglichst noch in der laufenden Legislatur umgesetzt werden:

1. Gerechte und an CO2-Emissionen orientierte Belastung von Energieträgern: Nur mit fairen Preisen kann die Wärmewende und damit die Energiewende als Ganzes gelingen. Von zentraler Bedeutung ist daher, dass die Klimafolgen von fossilen Energien sich im Endkundenpreis adäquat niederschlagen. Genauso müssen die positiven Wirkungen von geothermischen Heizsystemen preisrelevant sein. Daher sollten die Steuern und Abgaben zukünftig noch wesentlich deutlicher an der Klima(schutz)wirkung der unterschiedlichen Technologien orientiert werden.

2. Grundlagen schaffen – Untergrundkenntnisse durch Erkundungsprogramm ausbauen: Die Kenntnisse des Untergrunds sind an vielen Orten unzureichend. Sie sind aber gerade für tiefengeothermische Projekte und für die stoffliche Nutzung des Untergrundes von herausragender Bedeutung. Die systematische Erkundung des Untergrundes von Staatsseite ist geeignet, eine Dynamik beim Ausbau der Tiefen Geothermie zu erzeugen. Das ist auch eine grundsätzliche Voraussetzung für eine risikoarme Erschließung der Ressource.

3. Informationen ausbauen – Einführung einer Beratungspflicht: Die Vorteile von geothermischen Heizsystemen müssen Bürger, Kommunen und Unternehmen kommuniziert werden. Daher sollte eine verpflichtende Beratung zur Wärmeerzeugung eingeführt werden. Die Ergebnisse sollten im Energieausweis veröffentlicht werden. Die BGR sollte für die öffentliche Datenbereitstellung und Kommunikation befähigt werden.

4. Wärme- und Stromprojekte absichern: Tiefengeothermische Projekte sind im Betrieb günstig, in der Anfangsphase jedoch mit vergleichsweise hohen Investitionskosten verbunden. Diese Finanzierungshürden sollten über Eigenkapital stärkende KfW-Ausfallbürgschaften und eine Fündigkeitsabsicherung in der Startphase kompensiert werden.

5. Wärmenetze mit Geothermie-Einspeisung stärken: Der Ausbau von Wärmenetzen und die Möglichkeiten zur Einspeisung von Erdwärme in diese Netze sollten gestärkt werden. Deshalb muss mit der Bundesförderung effiziente Wärmenetze der Ausbau von geothermisch kompatiblen Wärmenetzen verbessert werden. Der Ansatz im Rahmen der Bundesförderung effiziente Wärmenetze, die Interdependenzen in Investitionen in Erzeugung und Infrastruktur zu verankern, ist sehr zu begrüßen. Für den Ausbau der Geothermie ist besonders wichtig, dass bisherige Förderbegrenzungen hinsichtlich Größe und Tiefe der Projekte aufgehoben werden und die Förderquote für Erzeugungsanlagen insgesamt angehoben wird. Von zentraler Bedeutung ist, die Förderung von Speichern und die Netzanbindung von EE-Wärmeerzeugungsanlagen an bestehende Wärmenetze in die Förderung einzubeziehen. Darüber hinaus gilt es, eine bessere bundesweite Erkundung des Untergrundes zur Erschließung geothermischer Projekte über bestehende Erschließungsgebiete hinaus sowie die Absicherung von Ausfallrisiken für die Geothermie in die Bundesförderung effiziente Wärmenetze zu integrieren.

6. Novellierung der Wärmelieferverordnung: Die Wärmelieferverordnung muss novelliert und die Erfordernisse der Betriebskostenneutralität gestrichen werden, um Lock-in-Effekte zu vermeiden und klimaneutraler Fernwärme auch im Bestand einen deutlichen Schub zu verleihen. Die Wärmekunden sollten nicht hin zu einer Umrüstung auf fossile Systeme getrieben werden, welche in Zukunft einen hohen CO2-Preis unterliegen.

7. Geothermie auch in der Prozesswärme nutzen: Geothermie bietet auch die Möglichkeit für einen Einsatz als industrielle Prozesswärme. Deshalb ist hier eine Gleichstellung in der Förderrichtlinie zu Erneuerbaren Energien in der Industrie als neuer Baustein mit aufzunehmen.

8. Entlastung des EE-Stroms für Wärmepumpen und Tiefpumpen von EEG-Umlage und Stromsteuer: Durch EEG-Umlage und Stromsteuer, die dem Umweltschutz dienen sollen, wird paradoxerweise eine umweltfreundliche Technologie in ihrer Entwicklung blockiert. Insgesamt wird der Preis für den Strom für Erdwärmeheizungen durch Steuern und Abgaben verdoppelt; zum Vergleich: Öl und Gas werden nur zu 20-30 % belastet.

9. Geothermie als Gebäudeheizung nutzen: Geothermie ist Klima- und Umweltschutz. Deshalb müssen Genehmigungsverfahren für Geothermie-Heizungen vereinfacht und vereinheitlicht werden. Der Einbau von Klima und Umwelt schädigenden Gas-, Öl und Kohle- Heizungssystemen muss beendet werden.

10. Effizienzmeister angemessen fördern: Geothermie benötigt wenig Fläche und wandelt elektrischen Strom hocheffizient in Wärme um. Deshalb sollte diese Technologie auch stärker über die Bundesförderung für effiziente Gebäude berücksichtigt werden, u. a. mit einer angemessenen Förderung für den Neubau oder einen Effizienzbonus.

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„Klimaneutrale Wärme aus Geothermie 2030/2050“ BVG veröffentlicht Impulspapier für den Wärmemarkt

(Berlin, 7. Mai 2021) Der Bundesverband Geothermie (BVG) reagiert auf das Gerichtsurteil des Bundesverfassungsgerichtes zum Klimaschutzgesetz und den BMWi-Dialog „Klimaneutrale Wärme“ mit Vorschlägen zur Dekarbonisierung des Wärmemarktes, denn mit der Nutzung von Geothermie kann der wesentliche Teil der Treibhausgasminderung im Wärmmarkt zeitnah, wirtschaftlich, umweltfreundlich und zuverlässig erfolgen.

In dem Impulspapier zeigen die Autoren auf, wie der Pfad zur Klimaneutralität im Wärmemarkt durch Geothermie zu erreichen ist und welche Maßnahmen die Politik dazu ergreifen kann. BVG -Präsident Dr. Erwin Knapek: „Der größte Anteil des Primärenergieverbrauchs in Deutschland entfällt auf den Wärme- und Kältemarkt (ca. 50 %).  Darüber hinaus ist die Erzeugung von Wärme- und Kälte in Haushalten und Industrie für mehr als 30 % der Treibhausgasemissionen verantwortlich. 90 % dieser Energie wird immer noch aus fossilen Energieträgern bereitgestellt. Es besteht also dringender Handlungsbedarf!“

Die effizienteste Form, den Wärmemarkt mittels Sektorkopplung mit dem Strommarkt zu verknüpfen, erfolgt über die Nutzung der geothermischen Ressourcen. Oberflächennahe und Tiefe Geothermie haben den geringsten Flächenbedarf und hat den geringsten CO2-äquivalenten Fußabdruck pro Kilowattstunde, die höchste Jahresarbeitszahl und die geringsten Gestehungskosten aller EE-Technologien. Geothermie ist jederzeit und jahreszeitenunabhängig verfügbar und schafft lokale Arbeitsplätze.

Um die heimische Ressource Geothermie stärker zu nutzen bedarf es:

  • Der Entlastung des EE-Stroms für Wärmepumpen und Tiefpumpen von EEG-Umlage und Stromsteuer. Derzeit wird der Preis für den Strom für Erdwärmeheizungen durch Steuern und Abgaben verdoppelt; zum Vergleich: Öl und Gas werden nur zu 20-30 % belastet.
  • Ausbau der Untergrundkenntnisse durch ein Erkundungsprogramm. Die systematische Erkundung des Untergrundes von Staatsseite ist geeignet, eine Dynamik beim Ausbau der Geothermie zu erzeugen.
  • Eigenkapital stärkende KfW-Ausfallbürgschaften und eine Fündigkeitsabsicherung für die Startphase von Tiefen Geothermie Projekten.
  • Einen zeitnahen Start der Bundesförderung effiziente Wärmenetze zum Ausbau von geothermisch kompatiblen Wärmenetzen.
  • Die Wärmelieferverordnung muss novelliert und die Erfordernisse der Betriebskostenneutralität gestrichen werden, um Lock-in-Effekte zu vermeiden und klimaneutraler Fernwärme auch im Bestand einen deutlichen Schub zu verleihen.
  • Geothermie bietet auch die Möglichkeit für einen Einsatz als industrielle Prozesswärme. Deshalb ist hier eine Gleichstellung in der Förderrichtlinie zu Erneuerbaren Energien in der Industrie als neuer Baustein mit aufzunehmen.
  • Genehmigungsverfahren müssen für Geothermie-Heizungen vereinfacht und vereinheitlicht werden. Der Einbau von klima- und umweltschädlichen Gas-, Öl und Kohle- Heizungssystemen muss beendet werden.
  • Gerechte und an CO2-Emissionen orientierte Belastung von Energieträgern. Steuern und Abgaben sollten zukünftig noch wesentlich deutlicher an der Klima(schutz)wirkung der unterschiedlichen Technologien orientiert werden.

In dem Impulspapier verdeutlichen die Autoren an den Beispielen eines kleinen und eines großen Stadtwerkes (München und Grünwald) das eine Wärmewende mit oberflächennaher- und tiefer Geothermie schon heute Realität werden kann, wenn die Rahmenbedingungen stimmen.

Nach der erfolgreichen Klage von Klimaschützern hatte das Bundesverfassungsgericht Teile des deutschen Klimaschutzgesetzes als verfassungswidrig beurteilt. Das Bundesverfassungsgericht unterstrich in seinem Urteil, dass eine Verlagerung von Treibhausgasminderungen in die Zukunft aufgrund von unterlassenen Maßnahmen nicht zulässig ist. Dies bedeutet, dass der Ausbau der Nutzung Erneuerbaren Energien stark beschleunigt werden muss.

Das Impulspapier „Klimaneutrale Wärme aus Geothermie 2030 / 2050 - Antworten auf zentrale Fragen (Stand Mai 2021)“ steht auf der Webseite des Bundesverbandes Geothermie zum Download bereit (Link gekürzt):

https://t1p.de/q6xt

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Europäischer Geothermiekongress 2022: Call for Abstracts eröffnet

(22.04.2021) - Der Call for Abstracts zum Europäischen Geothermiekongress 2022 (EGC2022) ist gestartet. Eingereicht werden können Abstracts für Vorträge zu allen Bereichen der geothermischen Energienutzung, von oberflächennahsten Systemen bis hin zu Tiefbohrungen und Hochenthalpie-Feldern. Dabei wird sowohl die technologische als auch die wirtschaftliche Seite abgedeckt.

Das Programm wird in vier grundlegende Themenstränge oder "Streams" unterteilt, die sich an den Praktiken und Standards der jeweiligen Zielgruppen orientieren.

Die vier Themenstränge des EGC 2022 sind:

  • Geothermie-Lösungen für die erneuerbarer Energiesysteme der Zukunft
  • Politik und Markt
  • Technologie und Innovation – Good Practices
  • Forschung und Entwicklung

Ernst Huenges, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Ausschusses von EGC2022, sagte: „Für den Europäischen Geothermiekongress 2022 werden wir uns den Herausforderungen des Klimawandels stellen und das Thema - Geothermische Lösungen für das zukünftige Energiesystem - ins Zentrum stellen. Wir möchten das Wachstum der Geothermieindustrie und ihre grundlegende Rolle in Technologien mit erneuerbaren Energieträgern zur Dekarbonisierung unserer Wirtschaft widerspiegeln. Für die Konferenz 2019 wurden über vierhundert Abstracts eingereicht, und wir freuen uns auf eine noch größere Anzahl hochwertiger Einreichungen im Jahr 2022.“

Alle Hinweise zum Call for Abstracts für die EGC 2022 können hier eingesehen werden.

Kontakt

Valeria Mazzagatti, EGEC Head of Communications: v.mazzagatti(at)egec.org
Désirée Reimer, Bundesverband Geothermie: desiree.reimer(at)geothermie.de

Über den Europäischen Geothermiekongress:

Der Europäische Geothermiekongress (EGC) ist die größte Veranstaltung, die den gesamten europäischen Geothermiesektor zusammenbringt und hunderte von Menschen aus Europa und der ganzen Welt anzieht. Seit 2013 wird die Veranstaltung alle drei Jahre von Europäischen Geothermie Council (EGEC) organisiert. Jede Ausgabe wird mit einem nationalen Mitglied des EGEC organisiert. Der EGC 2022 wird zusammen mit dem Bundesverband Geothermie organisiert. www.europeangeothermalcongress.eu

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Der Europäische Geothermiekongress 2022 findet in Berlin statt

(Berlin, 31.03.2021) EGEC Geothermal und der Bundesverband Geothermie (BVG) freuen sich, bekannt zu geben, dass der Europäische Geothermiekongress 2022 von 17. bis 21. Oktober 2022 im Berliner Congress Center (bcc) stattfinden wird. 

Der Europäische Geothermiekongress (EGC) ist der größte Geothermiekongress in Europa, mit mehr als 800 Besuchern aus der ganzen Welt und einer einzigartigen Mischung von Veranstaltungen für den gesamten Geothermiesektor. Der EGC findet alle drei Jahre statt und bietet eine einzigartige Chance für Stakeholder verschiedener Bereiche, wie aus der Wissenschaft, der Industrie, dem Finanzsektor, der Politik oder aus gesellschaftlichen Initiativen, zusammen zu kommen und neue Lösungswege zu finden.

„Wir haben über die letzten Jahre herausragende Entwicklungen im Geothermie-Sektor erleben können: Bahnbrechende Innovationen, immer mehr Investitionen aus dem Öl- und Gas-Sektor und bessere Kopplung mit anderen erneuerbaren Energien. Der Geothermiekongresses 2022 wird all das widerspiegeln. Es wird ein wichtiges Event für jeden mit Interesse an Geothermie,“ so Philippe Dumas, Generalsekretär des EGEC. André Deinhardt, Geschäftsführer des Bundesverbands Geothermie ergänzt: „Als Bundesverband Geothermie sind wir sehr glücklich, dass der EGC 2022 dieses Mal in Berlin stattfinden wird. Ich bin zuversichtlich, dass wir ein tolles Event mit der Geothermie-Community, sowie der Energiebranche als Ganzes haben werden. Wir erwarten, dass der EGC 2022 ein positives Signal für die Energiewende mithilfe der Geothermie sein wird.“

Deutschland gehört heute zu den führenden Märkten für Geothermie in Europa. Es ist der viertgrößte Markt für geothermische Fern- und Nahwärmenetze und der größte in Bezug auf den geplanten Kapazitätsausbau. Geothermisch betriebene Wärmepumpen und Fernwärme steuern zusammen über 4700 MWth zur Versorgung mit Wärme und Kühlung. Darüber hinaus sind 35 MWel Stromleistung installiert, womit Deutschland zu den wichtigsten europäischen Ländern beim Einsatz von Geothermie zur Stromerzeugung zählt. Die Gastgeberstadt Berlin hat das Ziel, bis 2050 Klimaneutralität zu erreichen und sieht Geothermie als Teil der Lösung.

Der EGC folgt seinem bewährten Format und bietet ein Konferenzprogramm mit Vorträgen und Posterpräsentationen, Beiträge von lokalen, nationalen und europäischen Politikern, Sitzungen zu den Themen Wissenschaft und Forschung, Politik, Bildung, Finanzierung und Kommunikation, eine große Industrie-Ausstellung, Besichtigungen von Geothermieprojekten vor Ort, Vernetzungsveranstaltungen und vieles mehr. 

Der Call for Abstracts wird im April 2021 bekannt gegeben.

Über den Europäischen Geothermiekongress:

Der Europäische Geothermiekongress (EGC) ist die größte Veranstaltung, die den gesamten europäischen Geothermiesektor zusammenbringt und hunderte von Menschen aus Europa und der ganzen Welt anzieht. Seit 2013 wird die Veranstaltung alle drei Jahre von Europäischen Geothermie Council (EGEC) organisiert. Jede Ausgabe wird mit einem nationalen Mitglied des EGEC organisiert. Der EGC 2022 wird zusammen mit dem Bundesverband Geothermie organisiert. www.europeangeothermalcongress.eu

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Auf dem Weg zur Sprunginnovation: Forschungslandschaft Geothermie vorgestellt

(Berlin, 17. März 2021) Um den Sprung in einen fossilfreien Wärmemarkt erfolgreich zu meistern, forscht eine breite Community für die Wärmewende mit Geothermie. Angeregt durch die zunehmende Bedeutung der Forschung für geothermische Energie und die dadurch bedingten Veränderungen bei einer Reihe von Forschungsinstitutionen hat sich der Bundesverband Geothermie e. V. entschlossen, die wesentlichen aktuellen Forschungsgruppen und ihre Aktivitäten zu erfassen und zu beschreiben, um so einen Überblick über die derzeitige Forschungslandschaft Geothermie zu gewährleisten.  

An drei Beispielen wird die Breite der Geothermischen Forschung auszugsweise verdeutlicht:

Projektbeispiel 1: Grubenwassergeothermie als innovative Energiequelle

Stillgelegte Bergwerke bieten eine Möglichkeit zur regenerativen Energiebereitstellung. Aufgrund ganzjährig nahezu konstanter Temperaturen und der großen Gesteinsflächen als wärmeübertragende Flächen ist Grubenwasserideal zum Heizen und Kühlen einsetzbar. An Standorten, an denen auch nach Beendigung des Bergbaus noch Grundwässer gehoben werden müssen z. B. im Ruhrgebiet kann das ohnehin nach oben gepumpte Wasser noch energetisch genutzt werden und bietet damit einen positiven Zusatzeffekt der Ewigkeitsaufgabe. In Deutschland wurden bisher vor allem in Sachsen Grubenwassergeothermieanlagen gebaut und in Betrieb genommen. Nun werden auch im Ruhrgebiet weitere Anlagen installiert. Die Anlage »Reiche Zeche« im sächsischen Freiberg versorgt Universitätsgebäude ganzjährig mit Wärme und Kälte. Dabei werden seit 2015 umfangreich Messwerte erfasst. Es zeigt sich, dass durch die Kombination von Wärme- und Kältebereitstellung Arbeitszahlen des Gesamtsystems von über 7 möglich sind. Darüber hinaus wird dargestellt, wie sich die Anteile der Wärme- und Kältebereitstellung über ein Jahr entwickeln. Ein interessanter Aspekt ist dabei auch, dass abhängig davon, ob mehr Wärme oder Kälte benötigt wird, die Entnahmestelle des Grubenwassers geändert werden kann. Bei einem überwiegenden Kühlbedarf wird das kältere (≈14 °C) Wasser aus einem Entwässerungsstollen genutzt, bei überwiegendem Heizbedarf wärmere aufsteigende Tiefenwässer (≈20 °C). Aktuelle Forschungsmaßnahmen betreffen auch die Reduzierung von Ablagerungen (Fouling) und finden in den Projekten VODAMIN II und GeoMAP statt.

Projektbeispiel 2: Oberflächennahste Geothermie als eine Quelle kalter Nahwärmenetze

Das ZIM Kooperationsnetzwerkes Soil2Heat kombiniert zwei innovative Ansätze zur Nutzung energetischen Potentials im Bereich der Geothermie: Die kalte Nahewärme (KNW) sowie die Oberflächennaheste Geothermie. Als KNW wird die neueste Entwicklung in der netzgebundenen Wärmeversorgung bezeichnet. Hierbei werden Ringleitungen (KNW-Netze) mit verhältnismäßig ›kalten‹ Systemtemperaturen der Trägermedien von -5 °C bis 12 °C (20 °C bei passiver Kühlung) betrieben. Es treten dadurch kaum Verteilungsverluste und nur minimale Umwandlungsverluste auf, da die Entzugstemperatur des Systems permanent mit der Temperatur des Erdreichs interdependent korrespondiert. In Kombination mit der oberflächennahsten Geothermie, bei der Erdwärmekollektoren als Wärmequelle dienen, die in einer maximalen Tiefe von 5 m horizontal installiert werden, weisen KNW-Netze eine sehr hohe energetische Effektivität auf. Diese Art der geothermischen Erschließung braucht weder Bohrungen noch sind aufwendige genehmigungsrechtliche Verfahren zu berücksichtigen, was die Nutzung des geothermischen Potentials erheblich vereinfacht Durch das ZIM-Kooperationsnetzwerk Soil2Heat werden alle Ebenen der Wertschöpfungskette dieser innovativen Technologie abgebildet: von Erschließung der Energiequelle, Wärmeverteilung bis hin zur Entwicklung neuer Verlegeverfahren, der Energiebereitstellungs- und -speichersysteme sowie der Gebäudeintegration über intelligente Steuer- und Regelungstechniken. Das Netzwerk ist mit siebzehn KMUs, fünf assoziierten Partnern und fünf Forschungseinrichtungen aus Deutschland und Österreich hervorragend aufgestellt, um für jegliche F&E Fragestellungen dieser Technologie eine innovative und marktnahe Antwort zu liefern.

Projektbeispiel 3: Bestimmung von Eigenschaften und Reaktionsprozessen geothermaler Fluide zur Optimierung von Energiegewinnung

Die Effizienz der geothermischen Nutzung hängt stark vom Verhalten der Fluide ab, die Wärme zwischen der Geosphäre und den technischen Komponenten eines Kraftwerks übertragen. Chemische oder physikalische Prozesse wie Ausfällung, Korrosion oder Entgasung treten bei Druck- und Temperaturänderung auf und haben schwerwiegende Folgen für den Kraftwerksbetrieb und die Projektwirtschaftlichkeit. Derzeit gibt es keine Standardlösungen für Betreiber, um mit diesen Herausforderungen umzugehen. Ziel von REFLECT ist es, die mit der Fluidchemie verbundenen Probleme zu vermeiden. Dies erfordert genaue Vorhersagender physikalischen und chemischen Eigenschaftender Flüssigkeiten im gesamten Geothermiekreislauf. Diese Eigenschaften sind oft nur unzureichend definiert, da sowohl In-situ-Probenahmen als auch Messungen unter extremen Bedingungen bisher kaum möglich sind. Im Projekt soll die Erhebung neuer, qualitativ hochwertiger Daten in kritischen Bereichen angegangen werden. Der Ansatz umfasst moderne Techniken zur Probennahme von Flüssigkeiten, die Messung der Fluideigenschaftenunter In-situ-Bedingungen und die genaue Bestimmung der wichtigsten Parameter. Die beprobten Fluide und gemessenen Fluideigenschaften deckeneinen großen Bereich bei Salinität und Temperatur ab, einschließlich solcher aus Enhanced- und Superhot-Geothermal-Systems. Die gewonnenen Daten werden in einen Europäischen Atlas Geothermischer Fluide und in Vorhersagemodelle einfließen. In REFLECT arbeiten Universitäten, Forschungseinrichtungen, Betreiber geothermaler Anlagen, ein mittelständisches Unternehmen und ein Berufsverband aus 10europäischen Ländern. Das Projekt wird von der Europäischen Kommission im Rahmen des Forschungsrahmenprogramms Horizon2020 gefördert.

Quelle: Forschungslandschaft Geothermie März 2021
Die komplette Forschungslandschaft finden Sie unter: https://www.geothermie.de/bibliothek/downloads.html

Die Pressemitteilungen finden Sie als pdf: Pressemitteilung des Bundesverband Geothermie e.V.: "Geothermie-Forschungslandschaft 2021"


Call for Papers: Geothermiekongress 2021 im Haus der Technik in Essen

(Berlin, 1. März 2021) Nach dem erfolgreichen Digital-Geothermiekongress 2020 plant der Bundesverband Geothermie (BVG) die diesjährige Ausgabe als Präsenzveranstaltung. Der Kongress findet vom 30. November bis 2. Dezember im Haus der Technik in Essen statt. Hierfür startet der BVG einen Call for Papers. 

Nach dem Geothermiekongress (DGK) ist vor dem Geothermiekongress! Die Planungen für die diesjährige Ausgabe laufen bereits auf Hochtouren. Jetzt steht fest: Deutschlands größter und wichtigster Fachkongress rund um das Thema Erdwärme findet vom 30. November bis zum 2. Dezember 2021 in Essen statt. Das dort ansässige Haus der Technik ist mit flexiblen Räumlichkeiten sowie durchdachten und bewährten Hygienekonzepten ein verlässlicher Partner und Tagungsort. Sollten die Umstände es dennoch erfordern, ist die Umplanung auf einen digital stattfindenden Kongress rechtzeitig möglich.

Auch 2021 wird es eine thematische Vielfalt geben: Neben den übergeordneten Themengebieten Sektorenkopplung, rechtliche Rahmenbedingungen der Wärmewende, Wärmepumpen sowie Wärmenetze und -speicher, wird es auch zur Tiefen und zur Oberflächennahen Geothermie jeweils spezifische Schwerpunkte geben. So stehen für die Tiefe Geothermie die Exploration, die stoffliche Nutzung, die Mitteltiefe Geothermie sowie der Komplex Reservoirerschließung und -management im Fokus. Im Bereich der Oberflächennahen Geothermie werden Konzepte zur Kostenreduktion und Maßnahmen zur Effizienzsteigerung ebenso behandelt wie kalte Nahwärmenetze und Quartierskonzepte sowie Qualitätssicherung und Grundwasserschutz. Darüber hinaus können auch weitere wissenschaftliche Themen zur Geothermie eingereicht werden.

Mit einem Call for Papers ruft der Bundesverband Geothermie Interessierte dazu auf, ihre aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse auf dem DGK zu präsentieren. Junge Wissenschaftler*innen sind außerdem aufgerufen, sich an der „Science Bar“ zu beteiligen. Der Poster-Wettbewerb bietet die Möglichkeit, Bachelor-, Master- oder Doktorarbeiten zum Thema Geothermie einem breiten Fachpublikum zu präsentieren. Die beste Präsentation wird mit dem Nachwuchs-Förderpreis des Bundesverbandes Geothermie e.V. prämiert.

„Wir freuen uns, dass auch der Digital-Kongress mit über 780 Besuchern aus 21 Ländern ein voller Erfolg war“, so BVG-Präsident Dr. Erwin Knapek: „Die Veranstaltung bietet Vertreter*innen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik die Möglichkeit, sich über aktuelle Entwicklungen zu informieren und über die Zukunft der Branche zu diskutieren. Mit dem digitalen Format ist es gelungen, dies auch in Pandemiezeiten zu ermöglichen. Dennoch hoffen wir diesen Herbst wieder auf ein persönliches Treffen.“

Einsendeschluss für die Abstracts ist der 30. Juni 2021. Bei Fragen zu Einreichungen wenden Sie sich bitte an das Organisationsteam: dgk(at)geothermie.de

Alle Infos zum Kongress unter: www.der-geothermiekongress.de

 

Die Pressemitteilungen finden Sie als pdf: Pressemitteilung des Bundesverband Geothermie e.V.: "Call for Papers: Geothermiekongress 2021 im Haus der Technik in Essen"


Geothermie effizient gegen den Klimawandel nutzen

(Berlin, 15. Januar 2021) Der Bundesverband Geothermie hat ein Positionspapier mit einem Überblick über die aktuellen Entwicklungen in der Geothermie veröffentlicht. Neben Tiefer und Oberflächennaher Geothermie wird auch der Stand zu Wärmeverteilernetzen, Energiespeichern im Untergrund sowie Umwelteinwirkungen, Nachhaltigkeit und Akzeptanz erläutert. Ziel ist es, den weiteren Ausbau der Geothermie durch bedarfsgerechte Forschungs- und Entwicklungsarbeit zu fördern.

„Die Geothermie ist eine Schlüsseltechnologie für die Energie- und vor allem Wärmewende“, sagt Prof. Dr. Horst Rüter, Sprecher des Fachausschuss Wissenschaft und Bildung des Bundesverbandes Geothermie. „Im Vergleich zu den anderen Erneuerbaren Energien ist die Geothermie jung. In den letzten Jahren gab es viele wichtige Projekte, welche die Geothermie weiter vorangebracht und als erfolgreiche Technologie etabliert haben. Um ihr Potential voll ausschöpfen zu können, besteht aber noch weiterer Forschungsbedarf.“

In der Tiefen Geothermie haben vor allem Fortschritte bei der Erkundung und Reservoir-Erschließung dazu beigetragen, das Fündigkeitsrisiko zu verringern und die Ausgangs- und Erfolgsbedingungen für Projekte zu verbessern. Forschungsbedarf besteht vor allem für die Entwicklung eines umfangreicheren Erkundungsprogramms, das geothermisches Potential in weiteren Gebieten bestimmen und nutzbar machen kann. Durch weitere Forschung im Bereich Energiebereitstellung und stoffliche Nutzung kann die Effizienz gesteigert werden. Eine weitere Möglichkeit ist die Rohstoffgewinnung aus Thermalwasser. Diesbezüglich gibt es weltweit bereits mehrere kommerzielle und wissenschaftliche Projekte zur Lithiumextraktion.

In der Oberflächennahen Geothermie sind die Kernthemen: Kostenreduktion, Effizienzsteigerung, Erweiterung der Einsatzbereiche sowie der Grundwasserschutz. Relevant sowohl für Tiefe als auch Oberflächennahe Geothermie ist die Weiterentwicklung von Wärmeverteilernetzen für die niedrigeren Temperaturen, die durch die Geothermie, aber auch andere Wärmequellen wie beispielsweise Müllverbrennung, geliefert werden können. Über Energiespeicher im Untergrund bietet sich die Möglichkeit, Wärmeenergie beispielsweise für den höheren Bedarf im Winter zu speichern. Alternativ können diese Kapazitäten auch zur Klimatisierung genutzt werden. Für oberflächennahe Speicher ist dabei ein entsprechender Grundwasserschutz essenziell und erfordert dementsprechend zusätzliche Forschung.  

„Wir befinden uns mitten in der Klimakrise und erleben jedes Jahr ihre immer stärkeren Auswirkungen. Jetzt besteht Handlungsbedarf“, so Dr. Erwin Knapek, Präsident des Bundesverbandes Geothermie. „Mit den Erneuerbaren Energien haben wir alle Werkzeuge in der Hand, die gesetzten Klimaziele zu erreichen. Voraussetzung dafür ist aber eine effiziente und umfangreiche Nutzung. Diese wird nur gewährleistet, wenn wir kontinuierlich an der Verbesserung der Technologien arbeiten und neue Nutzungsmöglichkeiten erschließen. Dafür brauchen wir eine bedarfsgerechte Forschung. Konkrete Vorschläge hinsichtlich der Geothermie haben wir dazu in unserem Positionspapier zusammengestellt.“

Das komplette Positionspapier finden Sie hier.

Die Pressemitteilungen finden Sie als pdf: Pressemitteilung des Bundesverband Geothermie e.V. 
"Geothermie effizient gegen den Klimawandel nutzen"