Berlin, 25. Februar. 2026 – Die Fraktionsspitzen der CDU/CSU sowie SPD haben am 24. Februar Eckpunkte des Gebäudemodernisierungsgesetzes (GMG, vormals GEG) vorgestellt. Der Bundesverband Geothermie e.V. (BVG) sieht die damit verbundene Abschaffung der 65-Prozent-Klausel kritisch und fordert Nachbesserungen im parlamentarischen Verfahren.
Der Bundesverband Geothermie (BVG) kritisiert die von den Fraktionsspitzen vorgestellten Eckpunkte zum Gebäudemodernisierungsgesetz (GMG). Das vielfach als wirksam anerkannte zentrale ordnungsrechtliche Element, nämlich die Vorgabe, dass jede neue Heizung mit mindestens 65 Prozent Erneuerbaren Energien betrieben werden muss, wird abgeschafft. Damit sorgt der Gesetzgeber für Verunsicherung. Zudem ist zu prüfen, ob er damit auch im Widerspruch zur verbindlichen EU-Vorgabe in Artikel 15a der EE-Richtlinie steht, die die Nutzung Erneuerbarer Energien in Gebäuden verbindlich festschreibt.
Neue Heizungen dürfen nunmehr auch wieder mit Öl und Gas betrieben werden. Einzige ordnungsrechtliche Vorgabe: die neue „Bio-Treppe“. Öl- und Gasheizungen, die ab dem 01. Januar 2029 eingebaut werden, müssen mit mindestens 10 % klimafreundlichen Brennstoffen (bspw. Biomethan oder synthetischen Kraftstoffen) betrieben werden. Bis 2040 ist ein stufenweiser Anstieg dieser Quote vorgesehen.
„Die in den Eckpunkten angeführte „Biotreppe“ lässt viele Fragen offen, insbesondere, ob genug klimafreundliche Gase zur Verfügung gestellt werden können, um den hohen Bedarf auch zukünftig zu decken“, sagt BVG-Geschäftsführer Gregor Dilger. „Industrie und Gewerbe sollten an alternative Technologien wie Erdwärme herangeführt werden, insbesondere, wenn die Regelung für diese Sektoren nicht gilt.“
Mit Blick auf die BEG-Förderung begrüßt der BVG, dass diese bis mindestens 2029 fortgeführt und auskömmlich ausgestaltet sein soll. Der Geothermieverband sieht dabei Anpassungsbedarf bei den maximal förderfähigen Kosten, die aktuell auf 30.000 € festgeschrieben sind. Damit werden die zusätzlichen und langfristigen Investitionen in Erdwärmesonden und Kollektoren bei erdgekoppelten Wärmepumpen und deren Systemdienlichkeit häufig unzureichend gefördert und angereizt.
Die in den Eckpunkten umrissene Vereinfachung in der Wärmeplanung in Verbindung mit der Abschaffung der 65-Prozent-Klausel darf nach Meinung des Bundesverbandes Geothermie ebenfalls nicht dazu führen, dass die kommunale Wärmewende ausgebremst wird. Die Bundesregierung sollte die Kommunen zukünftig stärker bei der Erkundung des Untergrunds unterstützen, damit die Potenziale noch umfassender betrachtet werden können. Hier würde die systematische Exploration des Untergrundes durch die Bundesregierung oder wahlweise eine Förderung von Erkundungsmaßnahmen der Länder im Rahmen des Infrastrukturfonds Abhilfe schaffen.
Problematisch ist darüber hinaus, dass die Kälteversorgung nicht explizit berücksichtig wird, obwohl diese künftig zunehmend an Bedeutung gewinnen wird und mittels Erdwärme effizient und einfach umzusetzen ist.
„Mit den vorgelegten Eckpunkten bremst die Koalition die Energie- und insbesondere die Wärmewende. Es droht ein verstärkter Attentismus in falschem Glauben an zukünftige Energielieferungen. Die Fokussierung auf die Biotreppe lässt viele Fragen offen. Deutschland muss sich weiterhin unabhängig von Brennstoffimporten machen. Es ist mehr als unsicher, dass zukünftig ausreichend klimafreundliche Gase zur Speisung der Gasnetze zur Verfügung stehen, insbesondere im Inland. Außerdem gibt es andere Nutzungsbereiche wie den Industriesektor, der diese Gase dringender benötigt. Im Gebäudesektor sollte der maximale Anreiz gesetzt werden, um auf effiziente und resiliente Energieformen wie die Erdwärme zu setzen und damit die heimische Wirtschaft zu stärken“, so Dilger.
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Berlin, 24. Februar 2026 – Die Landkarte „Tiefe Geothermieprojekte in Deutschland“, die alle bestehenden Projekte sowie jene im Bau und in Planung aufführt, macht den stetigen Aufwärtstrend der Geothermiebranche deutlich sichtbar. Mit der aktuellen Ausgabe seiner einzigartigen Landkarte appelliert der Bundesverband Geothermie e.V. (BVG) auch an die Politik, nun die richtigen Weichen zu stellen, damit der Ausbau der tiefengeothermischen Fernwärme in Deutschland weiter Fahrt aufnehmen kann.
Gegenwärtig sind in Deutschland so viele tiefengeothermische Anlagen in Betrieb wie noch nie zuvor: Insgesamt 45 Anlagen nutzen mit Bohrungen von meist mehreren tausend Metern Tiefe Erdwärme zur Bereitstellung von Wärme oder Strom. Zum Vorjahresbeginn waren es noch 42 Anlagen. Insgesamt 43 der 45 Anlagen in Betrieb dienen zur Bereitstellung von Wärme. Zwölf speisen Strom in die Netze ein, der Großteil ergänzend zur Fernwärmelieferung. In Bau sind derzeit 18 Anlagen, zwei mehr als im Vorjahr. Bei den geplanten Anlagen wird der Aufwärtstrend besonders deutlich: Aktuell liegt ihre Zahl bei 178. Das sind 23 mehr als noch im Jahr zuvor. Bereits 2024 hatte sich die Zahl der erteilten Aufsuchungserlaubnisse im Vergleich zum Vorjahr nahezu verdoppelt (von 82 auf 155 Anlagen). Das zeigt: Das Interesse an der Tiefen Geothermie als Instrument zur Dekarbonisierung der Wärmenetze ist deutlich gestiegen.
Mit dem kürzlich in Kraft getretenen Geothermiebeschleunigungsgesetz (GeoBG) sowie dem von der Bundesregierung in Zusammenarbeit mit der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und der Munich Re entwickelten „Förderkredit Tiefengeothermie“ hat die Politik Rahmenbedingungen geschaffen, die den Erdwärmeausbau in Deutschland erleichtern. Der Bundesverband Geothermie sieht es als entscheidend an, dass sich die Bundesregierung ambitionierte Ausbauziele für die Erneuerbaren Energien insgesamt setzt. Vorgaben zur Nutzung von Erneuerbaren Energien – beispielsweise in Form von Quoten im Rahmen des Gebäudenergiegesetzes – haben sich als erfolgreiches Steuerungselement erwiesen und sollten weiter Kern einer langfristigen Energiewende sein.
„Viele heimische Unternehmen stehen in den Startlöchern und wollen Projekte realisieren, die Arbeitsplätze schaffen, zur Versorgungssicherheit beitragen und unsere Umwelt erhalten. Jetzt ist es wichtig, klare Signale zu senden, dass die Wärme- und Kältewende ungebremst weitergehen soll“, sagt Gregor Dilger, Geschäftsführer des Bundesverbandes Geothermie. „Wir brauchen verlässliche Förderprogramme und ein zugkräftiges Ordnungsrecht. Beim Gebäudemodernisierungsgesetz muss die Bundesregierung so schnell wie möglich für Klarheit sorgen, wie sie das aktuelle Gebäudeenergiegesetz überarbeiten will und dabei gleichzeitig europarechtliche Verpflichtungen einhalten kann. Ebenfalls sollten die Förderprogramme, die Investitionen in Milliardenhöhe auslösen und die heimische Wirtschaft stärken, zukunftsfähig ausgestaltet werden“, so Dilger weiter.
Aktuell kommen die tiefengeothermischen Anlagen in Deutschland auf eine installierte Wärmeleistung von 442 MW. Das Potenzial ist sehr viel größer: „Perspektivisch könnten tiefengeothermische Anlagen allein mindestens ein Viertel des Wärme- und Kältebedarfs in Deutschland decken“, so Dilger. Wenn wie geplant die Tiefe Geothermie von derzeit 1,8 TWh auf 10 TWh pro Jahr ausgebaut wird, könnten in Deutschland rund 24.000 neue Arbeitsplätze entstehen, 34 Millionen Tonnen CO2 vermieden und Importkosten für fossile Brennstoffe von bis zu 9 Milliarden Euro eingespart werden, schätzt der BVG.
Der Verband aktualisiert die Karte im jährlichen Rhythmus. Zusätzlich bietet der BVG unter diesem Link auch eine digitale Karte an, die unterjährig in regelmäßigen Abständen aktualisiert wird.
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