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Ampel (Seismologie)

Ampelsystem (traffic light system, TLS) in verschiedenen Ländern. Erstaunlich ist die Spanne von ML 0 bis ML 4 was einem Faktor von 1 Million in der Ereignisstärke (Energieinhalt) entspricht. Quelle: Kendall et al. First Break, 2019

Ampel (traffic light system, TLS) ist ein etwas salopper Begriff, der in der Seismologie oder genauer bei der Beschreibung der Beherrschbarkeit induzierter Seismizität anstelles des Begriffes 'Reaktionsschema' insbesondere bei der Kommunikation mit der Öffentlichkeit gerne benutzt wird.

Die Ampel definiert dabei genaue Vorgehensweisen, die einzuhalten sind, wenn das seismische Monitoring Grenzwerte erreicht oder überschreitet.

Emission oder Immission

Der maßgebliche Grenzwert ist meist die maximale Schwinggeschwindigkeit (PGV), gelegentlich werden aber im Einvernehmen zwischen Betreiber und Öffentlichkeit leider auch Magnituden als Grenzwerte vereinbart. Wegen des lokal engen Bezuges zwischen diesen beiden Größen ist dies tolerierbar wenn auch unschön, da die Magnitude eben ein Emissionsmaß und kein Immissionsmaß ist. Bei der Beurteilung der Einwirkung an einem bestimmten Einwirkungsort oder auf ein bestimmtes Schutzgut sind grundsätzlich Immisionwerte zu verwenden, Dies geschieht normkonform auch bei den meisten anderen Einwirkungsarten, wie Lärm, Staub, Gas (NOx).

Die Wissenschaft arbeitet derzeit daran, neben den sich auf die Vergangenheit beziehenden Messgrößen auch 'prognostische' Elemente in ein dann deutlich komplexeres Ampelmodell einzubauen.

Beispiel aus Rhenland-Pfalz

Ein typische Ampel ist die des Mediansverfahrens in Rheinland-Pfalz, wo richtigerweise die Schwinggeschwindigkeit benutzt wird.:

Betriebsregeln

Stufenplan (nach Landesamt für Geologie und Bergbau Rheinland Pfalz)

Stufe

Schwinggeschwindigkeit

Maßnahme

1

0,2 mm/sec < V < 0,5 mm/sec

Benachrichtigung; Dokumentation aller Erschütterungen

2

0,5 mm/sec < V < 1,0 mm/sec oder 5 Ereignisse in 12 h nach 1.

Benachrichtigung; vorübergehende Verringerung der Fließrate

3

1,0 mm/sec < V < 3,0 mm/sec

Benachrichtigung; Auswertung der Ereignisse; vorübergehende stufenweise Reduktion der Fließrate

4

3,0 mm/sec < V < 5,0 mm/sec

Benachrichtigung; Auswertung der Ereignisse; weitere Reduktion der Fließrate

5

5,0 mm/sec < V < 10,0 mm/sec

Benachrichtigung; Betrieb mit minimierter Fließrate über einen längeren Zeitraum in Absprache mit der Bergbehörde

6

V > 10 mm/sec, d.h.
1 Ereignis > 20 mm/sec oder
5 Ereignisse > 10 mm/sec

Herunterfahren des Kraftwerks

 

Literatur

Peter Meier, Andreas Alcoles Rodrguez, Falko Bethmann: Lessons Learnt from Basel: New EGS Projects in Switzerland using Multistage Stimulation and a Probabilistic Traffic Light System for the Reduction of Seismic Risk

Gaucher, E.: Microseismic monitoring of geothermal fields: More than a traffic light system. In: Aspects of geothermal power plants in operation, eds. Dittman, E. & Schneider, J. Enerchange GbR, Freiburg im Breisgau, Germany S. 14-18

Hofmann H., Zimmermann G., Zang A., Min K.-B.: Cyclic soft stimulation (CSS): a new fluid injection protocol and traffic light system to mitigate seismic risks of hydraulic stimulation treatments.
In: Geothermal Energy Nummer 6 (2018), 10.1186/s40517-018-0114-3

zuletzt bearbeitet April 2020