Im Geothermiekraftwerk Bruchsal stand die Stromerzeugung an erster Stelle. Tiefengeothermie bietet jedoch zwei Produkte – Strom und Wärme. Nutzen wir die Wärme zusätzlich, wird die Geothermie für eine nachhaltige Energieversorgung noch wirtschaftlicher. In Bruchsal plant die EnBW, Kunden in der Umgebung des Kraftwerks mit Heizwärme aus der Geothermieanlage zu versorgen.
Status (in Betrieb, im Bau, in Planung, stillgelegt) | in Betrieb |
Name der Anlage | Bruchsal |
Ort/sonstige Bezeichnung | - |
Betreiber (Name) | BNBW |
Feldname | - |
Bundesland | Baden-Württemberg |
Koordinaten | 49.12572989419394, 8.567386584802927 |
Art der Nutzung | Hydrogeothermie |
Installierte Leistung geothermisch [MWth] | 1,2 |
Installierte Leistung elektrisch [MWel] | 0,5 |
max. Thermalwasser-Temperatur [°C] | 131 |
Tiefe - TWD (wirkliche Tiefe) [m] | 2.542 |
Förderrate [kg/s] | 31 |
Jahresproduktion geothermische Wärme [GWh/a] | 2,3 |
Jahresproduktion geothermischer Strom [GWh/a] | - |
Jahr der Inbetriebnahme | 2009 |
Aufsuchung (Erlaubnis), Gewinnung (Bewilligung) | - |
Endprodukt | Wärme und Strom |
Anzahl der Bohrungen | Dublette |
Hauptnutzung | - |
Nebennutzung | - |
Art des Reservoirs | - |
Geologische Region | Oberrheingraben |
Betreiberstruktur | privater Investor |
Zusätzliche Information | -seit 2019 Nahwärmenetz eine Verdopplung der Kapazität ist im Rahmen des Fernwärmeausbaus in Arbeit |
Das heiße Thermalwasser gelangt über Wärmetauscher in den Kraftwerkskreislauf. Dort werden die Turbinen nicht mit Wasserdampf angetrieben, sondern mit dem Dampf einer Flüssigkeit, die bei den Temperaturen des jeweiligen Thermalwassers siedet. In Bruchsal hat das Thermalwasser eine Temperatur von 120 Grad Celsius, zur Dampferzeugung nutzt man ein Ammoniak-Wasser-Gemisch, das schon bei unter 100 Grad Celsius siedet und somit früher als Wasser verdampft.
Damit das Kraftwerk optimal arbeitet, muss man die besonderen Eigenschaften des heißen Thermalwassers berücksichtigen. Es enthält Gase und Salze, diese können Anlagen und Rohrsystem beeinflussen können. Kohlendioxid kann beispielsweise zu Korrosion in Metallleitungen führen. Wenn sich Mineralien ablagern, verringern sie die Rohrdurchmesser. Die Leistung der EnBW-Forscher bestand darin, die chemischen Wechselwirkungen zu verstehen. Aus diesem Know-how entstand ein Betriebs- und Instandhaltungskonzept, das die jährliche Betriebsstundenzahl deutlich steigert. Insbesondere werden gelöste Gase wie CO2 durch eine spezielle Druckhaltung in jedem Betriebszustand ausreichend in Lösung gehalten. Im Bereich des Kraftwerks werden die noch verbliebenen gasförmigen Bestandteile des Thermalwassers über eine eigens entwickelte Gas-Rohrbrücke am Kraftwerk vorbei geleitet.
| 1983 | Erste Tiefenbohrungen |
| 2005 | Forschungs- und Entwicklungsprojekt startet |
| 2009 | Kraftwerk geht als erstes in BW in Betrieb |
| 2019 | Nahwärmenetz |
Die Anlage befindet sich derzeit in einer spannenden Phase der Erweiterung:
Fernwärme-Offensive: Die Stadtwerke Bruchsal investieren rund 100 Millionen Euro, um das Fernwärmenetz massiv auszubauen. Ab der Heizperiode 2026/2027 soll die Geothermie das Rückgrat der städtischen Wärmeversorgung bilden und langfristig bis zu 6.000 Haushalte (ca. ein Viertel der Stadt) versorgen.
Lithium-Gewinnung: Bruchsal ist ein zentraler Forschungsstandort für die Gewinnung von "grünem" Lithium aus Thermalwasser. Da das Wasser hohe Konzentrationen des Metalls enthält, könnten hier jährlich Mengen für Tausende E-Auto-Akkus als Nebenprodukt gewonnen werden.
Brennstoffzellen-Projekt: Ende 2025 wurde am Standort eine innovative Brennstoffzellenanlage in Betrieb genommen, um die Effizienz der Energieversorgung weiter zu steigern.
Hohe Mineralisation: Das Wasser in Bruchsal ist extrem salzhaltig (ca. 130 g/l). Das erforderte spezielle technische Lösungen wie eine Druckhaltung bei ca. 22 bar, um Ausfällungen und Korrosion in den Leitungen zu verhindern.
Sicherheit: Im Gegensatz zu anderen Standorten im Oberrheingraben läuft die Anlage seit ihrer Inbetriebnahme 2009 ohne nennenswerte seismische Ereignisse (Erdbeben)
Zu Literatur siehe:
zuletzt bearbeitet Februar 2026, Änderungs- oder Ergänzungswünsche bitte an info@geothermie.de