Kohlenstoffdioxid (im normalen Sprachgebrauch auch Kohlendioxid, oft fälschlich Kohlensäure genannt) ist eine chemische Verbindung aus Kohlenstoff und Sauerstoff und gehört damit neben Kohlenstoffmonoxid (auch Kohlenmonoxid), Kohlenstoffsuboxid und dem instabilen Kohlenstofftrioxid zur Gruppe der Kohlenstoffoxide.
Kohlenstoffdioxid ist ein farb- und geruchloses Gas. CO2 ist zunächst ein natürlicher Bestandteil der Luft. Dieser ist allerdings durch menschliche Einwirkung in den letzten Jahren von 280ppm (parts per million) auf 419ppm gestiegen und steigt stetig weiter. Es entsteht sowohl bei der vollständigen Verbrennung von kohlenstoffhaltigen Substanzen unter ausreichendem Sauerstoff als auch im Organismus von Lebewesen als Kuppelprodukt der Zellatmung. Das CO2 wird dabei über den Atem abgegeben. Umgekehrt sind Pflanzen, manche Bakterien und Archaeen in der Lage, CO2 durch die Kohlenstoffdioxid-Fixierung in Biomasse umzuwandeln. So produzieren Pflanzen beispielsweise bei der Photosynthese aus anorganischem CO2 Glukose.
Überkritisches (sCO2), oft auch superkritisches Kohlenstoffdioxid genannt, ist in einem Zustand, in dem es sowohl die kritische Temperatur als auch den kritischen Druck überschreitet. Es existiert dann als homogenes Fluid ohne unterscheidbare Gas- und Flüssigphase.
Im Vergleich zu überkritischem Wasser (ÜKW) sind die kritischen Bedingungen für deutlich milder:
Kritische Temperatur (Tc): 31,1 ∘C
Kritischer Druck (pc): 73,8 bar (oder 7,38 MPa)
Diese relativ milden Bedingungen machen sCO2 zu einem praktikablen und vielseitigen industriellen Lösungsmittelek
sCO2 vereint vorteilhafte Eigenschaften von Gasen und Flüssigkeiten:
Die Kombination dieser Eigenschaften macht sc$\text{CO}_2$ zu einem idealen Medium für Prozesse in vielen Industrien:
Die Nutzung von CO2 (Kohlenstoffdioxid) in der oberflächennahen Geothermie ist ein technologisch spannender Ansatz, der sich deutlich von klassischen wassergestützten Systemen unterscheidet.
In den in der Geothermie genutzten Thermalwässern ist oft CO2 in mehr oder weniger großen Konzentrationen enthalten. Obleich dieses CO2 natürlichen Ursprungs ist und somit nicht zum anthropogenen Kohlenstoff zählt ist es klimafreundlicher, es bei der Erdwärmenutzung nicht in die Atmosphäre zu entlassen. Dies wird entweder dadurch erreicht, dass der übertägige Thermalwasserkreislauf unter Druck gehalten wird, so dass das CO2 gelöst bleibt, oder indem das CO2 separiert wird, in einem Bypass um die Anlage geführt und dem Thermalwasser von der Reinjektion wieder zugemengt wird.
In der oberflächennahen Geothermie (bis ca. 400 Meter Tiefe) wird CO2 oft in Form einer Wärmerohr-Sonde (Heat Pipe) eingesetzt. Im Gegensatz zu herkömmlichen Erdwärmesonden, bei denen eine Sole (Wasser-Glykol-Gemisch) mittels Pumpen umgewälzt wird, nutzt das CO2-System einen physikalischen Phasenwechsel:
Der Einsatz von CO2 bietet spezifische physikalische und ökologische Vorzüge:
Keine Umwälzpumpe erforderlich: Da der Kreislauf auf Schwerkraft und Phasenwechsel basiert, entfällt der Stromverbrauch für eine Sole-Pumpe im Primärkreis.
Höhere Entzugsleistung: CO2 hat eine sehr hohe Wärmeleitfähigkeit und nutzt die latente Wärme des Phasenwechsels. Dies ermöglicht oft kürzere Sondenbohrungen bei gleicher Leistung.
Gewässerschutz: Im Falle einer Leckage ist CO2 für das Grundwasser unbedenklich, während Glykol-Mischungen strengen Auflagen unterliegen. Dies ist besonders in Wasserschutzgebieten ein entscheidender Genehmigungsvorteil.
Konstante Temperatur: Das System arbeitet nahezu isotherm, was die Effizienz (COP) der angeschlossenen Wärmepumpe verbessern kann.
Obwohl das Konzept besticht, gibt es limitierende Faktoren, die gegen eine pauschale Übernahme der Technologie für jedes Projekt sprechen:
In der Tiefengeothermie kann sCO2 in verschiedenen Arten genutzt werde, in offenen oder geschlossenen unterirdischen Kreisläufen (anstelle des Themalwassers) aber auch in überirdischen Anlagenteilen. Eine besonders innovative Anwendung ist die sCO2-Plume Geothermie (CPG).
In der klassischen Tiefengeothermie wird meist Thermalwasser aus tiefen Aquiferen gefördert. Beim Einsatz von sCO2 wird dieses jedoch aktiv in den Untergrund injiziert, um die Wärme aus dem Gestein aufzunehmen. Dies ist besonders bei Hot-Dry-Rock-Systemen (HDR) oder Enhanced Geothermal Systems (EGS) relevant.
Ein wesentlicher physikalischer Vorteil von sCO2 gegenüber Wasser ist der starke Dichteunterschied zwischen der kalten (absteigenden) und der heißen (aufsteigenden) Säule.
Das kalte CO2 ist sehr dicht und "drückt" die Säule nach unten.
Das im Reservoir erhitzte CO2 dehnt sich stark aus, verliert an Dichte und steigt mit hoher Kraft auf.
Resultat: Es entsteht eine natürliche Zirkulation, die oft stark genug ist, um auf mechanische Pumpen im Primärkreislauf komplett zu verzichten.
Obwohl Wasser eine höhere spezifische Wärmekapazität besitzt, bietet sCO2 in großen Tiefen spezifische Vorzüge:
Teilweise Gemini, überarbeitet
http://de.wikipedia.org/wiki/CO2
https://www.sciencedaily.com/releases/2023/12/231207160421.htm
Zu Literatur siehe:
zuletzt bearbeitet März 2026, Änderungs- oder Ergänzungswünsche bitte an info@geothermie.de