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Dürrnhaar - Geothermieanlage

Teil des Geothermiekraftwerks Dürrnhaar. Quelle: DocPlayer

Die Entwicklung des Geothermie-Standortes Dürrnhaar im Erlaubnisfeld Kirchstockach wurde 2004 initiiert - damals noch durch den Erlaubnisfeldinhaber Fa. Ganser und der sich später zur Süddeutsche Geothermie-Projekte GmbH & Co. KG (SGG) zusammenschließenden Firmen Renerco und Sachsenfonds - und hat über die geologisch-geothermischen und hydraulischen Vorerkundungen, seismischen Untersuchungen und fortgeschrittenen Bohrplanungen mit nachfolgender EU-weiter Ausschreibung in der erfolgreichen Niederbringung der Bohrungen Dürrnhaar Gt 1 und Gt 2a von November 2007 bis März 2009 seinen Höhepunkt erreicht.  Die Anlage ging dann, nach Errichtung des Kraftwerks, 2013 in Betrieb.

Steckbrief

Name der Anlage

Geothermiekraftwerk Dürrnhaar/ Kirchstockach

Standort

Dürrnhaar/ Kichstockach

Eigentümer/ Betreiber

Stadtwerke München

Nutzungsart

Kraftwerk, hydrothermale Dublette

Jahr der Inbetriebnahme

2013

Leistung thermisch [MWth]

-

Leistung elektrisch [MWel]

5,5

Bohrungen [m]

3241

Thermalwassertemperaturen [⁰C]

141

Förderraten [kg/s]

133

Sonstiges

Fernwärmenetz in Planung

Geschichte und Infrastruktur der Anlage

Die Tiefbohrfirma H. Anger's Söhne GmbH, Betreiber der innovativen weil vollhydraulischen Bohranlage Innovarig (Herrenknecht Vertical) TI 350 des Geoforschungszentrums Potsdam, brachte die Tiefbohrungen nieder. Beide Bohrungen sind gerichtet auf den Zielhorizont Malm mit einem Endbohrdurchmesser von 8.1/2". Die Bohrung Dürrnhaar Gt 1 erreichte ohne Schwierigkeiten ihre Endteufe bei 4.393 m MD (3.926 m TVD). Beim Niederbringen der Bohrung Dürrnhaar Gt 2 traten bereits in der Kreide unerwartet totale Spülungsverluste auf. In deren Folge musste die Bohrung bis Teufe 1.973 m MD aufgegeben werden und wurde mit einem Sidetrack (Dürrnhaar Gt 2a) erfolgreich bis Top Malm niedergebracht. Die Bohrung Gt 2a erreichte ihre Endteufe im Malm planmäßig bei 4.530 m MD bzw. 4.114 m TVD. 

Wärmeauskopplung (2020)

An der Geothermieanlage Kirchstockach wird eine Fernwärmestation zur Wärmeauskopplung errichtet. Hinzu kommt eine Anschlussleitung, die auch die nebenan angesiedelte Bioenergieanlage einbindet und als erstes die Gebäude des Schulzweckverbands Südost in Ottobrunn und Neubiberg versorgen wird. Die Bauphase ist bis März 2021 angesetzt. Es handelt sich um den ersten Schritt zur Wärmeanbindung der Geothermieanlagen im Süden Münchens.

Es wird auf dem Gelände der Geothermieanlage Kirchstockach das Technikgebäude gebaut und die Anschlussleitung gelegt. Damit werden die Voraussetzungen dafür geschaffen, das in den vergangenen Jahren kontinuierlich aufgebaute Wärmenetz an die Geothermieanlage anzuschließen. Künftig kann hier mit dem Heißwasser aus der Tiefe auch thermische Energie zu den Kunden transportiert werden.

Die Fernwärmeauskopplung ist modular geplant. Im ersten Schritt wird eine Wärmeleistung von 12 MW ausgekoppelt. Durch Austausch und Erweiterung von Komponenten kann die Anlage bis auf 40 MW erweitert und damit einer wachsenden Netzleistung angepasst werden. Ein integriertes Blockheizkraftwerk erhöht durch Eigenstromerzeugung die Versorgungssicherheit des Standortes, auch die Abwärme wird klimafreundlich genutzt. Zudem wird in einer Kooperation mit Ganser Entsorgung, Betreiber der nebenan gelegenen Bioabfall-Vergärungsanlage, auch dort anfallende Wärme mitgenutzt. Diese kombinierte klimafreundliche Wärmeauskopplung wurde gemeinsam mit dem Landkreis München und den im Schulzweckverband beteiligten Gemeinden entwickelt.

Die Stadtwerke München (SWM) haben mit der 2021 erfolgten Wärmeauskopplung ihr vormals reines Geothermiekraftwerk Kirchstockach zu einem Geothermie-Heizkraftwerk ausgebaut. Gleichzeitig haben sie eine neu gebaute, neun Kilometer lange Fernwärme-Hauptleitung in Betrieb genommen. Über diese können die Stadtwerke nun Kundinnen und Kunden in Hohenbrunn, Ottobrunn, Putzbrunn, Riemerling und Neubiberg mit der ökologischen Wärme aus der Tiefe versorgen. Bisher erfolgte die Wärmeerzeugung durch dezentrale Blockheizkraftwerke. Diese sind nun nicht mehr notwendig und daher kommen sie in den anstehenden Sommerferien weg. Mittelfristig erfolgt die Anbindung an das Münchner Fernwärmenetz.

Fernwärme in der Gemeinde Hohenbrunn

Als einer der ersten hat sich die Kirchenverwaltung der Kirchenstiftung St. Stephanus Hohenbrunn entschieden, sich mit dem Stephani Haus an das neu erstellte Fernwärmenetz anzuschließen. Der soeben fertig gestellte Neubau des Stephani Hauses ersetzt nicht nur das alte Pfarrheim, sondern dient zukünftig als Begegnungsort im Zentrum von Hohenbrunn. Im Mittelpunkt steht dabei der barrierefreie große Saal im Erdgeschoss. In den zwei obersten Etagen entstanden neue Büroräume, die die Gemeinde Hohenbrunn angemietet hat.

Fernwärme in der Gemeinde Ottobrunn

Ottobrunn hat bereits seit vielen Jahren ein lokales Fernwärmenetz. Bislang deckt dieses gut 10 Prozent des Ottobrunner Wärmebedarfs durch klimaneutrale Fernwärme. Die östlich der Bahnlinie verlaufende rund zweieinhalb Kilometer lange Fernwärmeleitung erhielt bislang Wärme aus dezentralen Blockheizkraftwerken. Mit der Anbindung an das Geothermie-Heizkraftwerk in Kirchstockach sind diese nun überflüssig und die SWM bauen sie ab. Die Geothermie versorgt nun ab sofort auch die Gymnasien Ottobrunn und Neubiberg, die Realschule Neubiberg (Schulzweckverband Südost) sowie die Carl-Steinmeier-Mittelschule, die Grundschule Riemerling und den Sportcampus Riemerling mit Wärme aus dem Kirchstockacher Untergrund. Ebenso beheizt sie die „Josef-Seliger-Siedlung“ der Baugesellschaft München-Land mit ihren gut 150 Wohnungen.

Ausbau der Geothermienutzung in Kirchstockach zum Geothermie-Heizkraftwerk

Die SWM haben ihren Geothermiestandort in Kirchstockach zum Heizkraftwerk erweitert, das Ökostrom und Ökowärme produziert. Ursprünglich wurde die Erdwärme ausschließlich zur Ökostrom-Erzeugung genutzt.

Neben neuen Anlagenteilen mussten die Stadtwerke Transport- und Anschlussleitungen errichten. Die Transportleitung verläuft von Kirchstockach über Hohenbrunn, unter der A99 hindurch bis nach Ottobrunn und weiter nach Neubiberg. Sie schafft die Voraussetzung dafür, die in den vergangenen Jahren aufgebauten Wärme-Inselnetze an die Geothermie-Anlage anzuschließen. Neben der Versorgung der angrenzenden Gemeinden soll die Erdwärme aus der Region künftig auch ins Fernwärmesystem der SWM einfließen.

Literatur

Zu der sehr umfangreichen Literatur siehe unter Literaturdatenbank und/oder Konferenzdatenbank unter dem Stichwort 'Dürrnhaar'.

Weblink

http://www.erdwerk.com/projekte/geothermie-duerrnhaar/ 

zuletzt bearbeitet Juni 2022, Änderungs- oder Ergänzungswünsche bitte an info@geothermie.de