Diese Webseite nutzt Cookies

Diese Webseite verwendet Cookies zur Verbesserung der Benutzererfahrung. Indem Sie weiterhin auf dieser Webseite navigieren, erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden.

Falls Sie Probleme mit einer wiederauftauchenden Cookie-Meldung haben sollten, können Ihnen diese Anweisungen weiterhelfen.

Essenzielle Cookies ermöglichen grundlegende Funktionen und sind für die einwandfreie Funktion der Website erforderlich.
Statistik Cookies erfassen Informationen anonym. Diese Informationen helfen uns zu verstehen, wie unsere Besucher unsere Website nutzen.
Mitglied werden Sponsor werden

Garching bei München- Geothermieanlage

Aus geologischer Sicht spricht man in Garching von einer geothermischen Dublette. Dies bedeutet, dass an zwei verschiedenen Orten je eine Bohrung bis zur thermalwasserführenden Gesteinsschicht im Untergrundabgeteuft“ wurde. Da das heiße Thermalwasser direkt zur Wärmeerzeugung genutzt wird, handelt es sich bei der EWG um eine hydrothermale Geothermienutzung.

 

 

 

Steckbrief

Status (in Betrieb, im Bau, in Planung, stillgelegt)

in Betrieb

Name der Anlage

Garching bei München

Ort/sonstige Bezeichnung 

-

Betreiber (Name)

Energie-Wende-Garching (EWG)

Feldname

-

Bundesland

Bayern

Koordinaten

48.26126192560934, 11.66291528907552

Art der Nutzung

Hydrogeothermie

Installierte Leistung geothermisch [MWth]

14,6

Installierte Leistung elektrisch [MWel]

-

max. Thermalwasser-Temperatur [°C]

125

Tiefe - TWD (wirkliche Tiefe) [m]

2.226,3

Förderrate [kg/s]

100

Jahresproduktion geothermische Wärme [GWh/a]

-

Jahresproduktion geothermischer Strom [GWh/a]

41,99

Jahr der Inbetriebnahme

2011

Aufsuchung (Erlaubnis), Gewinnung (Bewilligung)

-

Endprodukt

Wärme

Anzahl der Bohrungen

Dublette

Hauptnutzung

Fernwärme

Nebennutzung

-

Art des Reservoirs

Kalkstein

Geologische Region

Molassebecken

Betreiberstruktur

kommunal

Zusätzliche Information

-

Beschreibung der Anlage

Herzstück der Fernwärmeversorgung der EWG ist der Thermalwasser Kreislauf – bestehend aus der Förderbohrung, den Geothermiewärmetauschern, der Heizzentrale und der Versenkbohrung. Mittels einer Tauchkreiselpumpe wird heißes Thermalwasser aus der Förderbohrung zutage gefördert und über erdverlegte, isolierte Rohrleitungen in die Heizzentrale gepumpt. In drei großen Titan-Plattenwärmetauschern findet eine Wärmeübertragung vom heißen Thermalwasser zum kühleren Fernwärmewasser, das von den Kundenanlagen in das Heizkraftwerk zurückgelangt, statt. Dadurch wird das Thermalwasser abgekühlt und das Fernwärmewasser aufgeheizt. Das so abgekühlte Thermalwasser gelangt durch eine weitere erdverlegte, isolierte Rohrleitung von der Heizzentrale zur Versenkbohrung. Dort wird es wieder der Schicht zugeführt, aus der es entnommen wurde. Durch diese rein energetische Nutzung des Thermalwassers bleibt die Massenbilanz im Untergrund erhalten, und seismologische Ereignisse in der Erde werden ausgeschlossen.

Technische Details

Förderbohrung, Hüterweg 22 in Garching

  • Bohrlochlänge 2 450 m, Vertikale Tiefe 2 226 m
  • Bohrinnendurchmesser gestuft von 13 3/8“ bis 8 1/2“ am Ende der Bohrung
  • Förderrohrleitung Durchmesser 7 5/8“
  • Ruhewasserpegel bei ca. 108 m unter Geländeoberkante

Förderpumpe

  • 14-stufige Tauchkreiselpumpe mit maximal 620 kW elektrischer Leistung
  • Außendurchmesser 260 mm, Gesamtlänge 19 m
  • Einbautiefe ab ca. 330 m unter Geländeoberkante
  • Maximale Förderrate 100 kg/s bzw. 360 m³/h

Versenkbohrung, Ludwig-Prandtl-Str. 7 in Garching

  • Bohrlochlänge 2 165,5 m, Vertikale Tiefe 1 973 m
  • Bohrinnendurchmesser gestuft von 13 3/8“ bis 8 1/2“ am Ende der Bohrung
  • Versenkrohrleitung Durchmesser 7 5/8“
  • Ruhewasserpegel bei ca. 109 m unter Geländeoberkante

Geothermiewärmetauscher

  • 3 geschraubte Titan-Plattenwärmetauscher
  • Plattenanzahl je Tauscher 433 Platten
  • Wärmeübertragungsfläche jeweils 429 m²

Heizzentrale

In der Heizzentrale, südlich des Hochschul- und Forschungscampus gelegen, wird die Wärme für das Fernwärmenetz und Strom für die Fernwärmepumpe erzeugt. Das ansprechend mit Holz verschalte Gebäude direkt neben der U-Bahn-Strecke beherbergt alle technischen Einrichtungen, die für den sicheren Betrieb des gesamten Netzes notwendig sind. Hier sind die 3 Geothermie-Wärmetauscher zur Entwärmung des Thermalwassers und Aufheizung des Fernwärmewassers untergebracht. Weithin sichtbar ist der blaue Schornstein für die beiden Redundanzheizkessel, die, sollte die Geothermie-Anlage einmal unerwartet ausfallen, weiterhin die Wärmeerzeugung gewährleisten und alle Kunden mit Wärme versorgen. Die Kessel heizen außerdem an kalten Tagen die aus der Geothermie gewonnene Temperatur gleitend auf, damit in jedem Objekt, das mit Fernwärme versorgt wird, ein angenehmes Komfortniveau auch an kältesten Tagen gewährleistet ist. Daneben erzeugt das Blockheizkraftwerk (BHKW) als Kraft-Wärme-Kopplungsmaschine den Strom für den Eigenbedarf.

Die Pumpen – zwei große für den Winter und eine kleinere für die Sommermonate –, die das Fernwärmewasser im gesamten Netz umwälzen und zu jeder einzelnen Kundenstation fördern, sind ebenfalls in der Geothermie-Heizzentrale platziert. Die Versorgungs- und Ausfallsicherheit für die Geothermie-Heizzentrale hat oberste Priorität. So gibt es zwei voneinander unabhängige Stromnetzeinspeisungen, zwei Hochspannungstrafos, von denen jeder für sich die elektrische Gesamtleistung der Heizzentrale abdecken kann, ein Notstromaggregat und eine Batterieanlage zur Absicherung aller Computer und Steuergeräte. Darüber hinaus gibt es auf dem Gelände einen Anschlusspunkt für ein großes, dieselbetriebenes Netzersatzaggregat, das sogar das Heizwerk komplett mit Strom – unabhängig vom öffentlichen Netz – versorgen könnte. Die Redundanzheizkessel werden mit Erdgas betrieben, können jedoch bei Ausfall der Gaslieferung auch mit Heizöl befeuert werden, wodurch auch bei der Spitzenlasterzeugung eine zusätzliche Redundanz gegeben ist.

Aktuelle Entwicklungen (2025/2026)

Garching bei München baut seine Vorreiterrolle in der Geothermie aktuell massiv aus, insbesondere durch die Dekarbonisierung des Forschungscampus:

  • CO₂-neutraler Forschungscampus: Im Februar 2026 steht das neue Wärmekonzept für den TUM-Campus Garching kurz vor dem Regelbetrieb. Hierbei wird die Geothermie mit der Abwärme des Leibniz-Rechenzentrums kombiniert.

  • Modernisierung: Das bestehende Heißwassernetz wurde auf niedrigere Temperaturen (80–100 °C statt früher 140 °C) umgestellt, um die geothermische Energie effizienter nutzen zu können und Wärmeverluste zu minimieren.

  • Wärmeplan 2026: Die Stadt Garching arbeitet aktuell an der Finalisierung ihres kommunalen Wärmeplans (Frist Juni 2026), bei dem die Erweiterung des Geothermie-Netzes auf weitere Wohngebiete im Stadtgebiet die zentrale Rolle spielt.

Weblink

https://www.ewg-garching.de/

Literatur

Zu Literatur siehe:

zuletzt bearbeitet Februar 2026, Änderungs- oder Ergänzungswünsche bitte an info@geothermie.de