Der Projektstandort „Geretsried“ befindet sich zwischen Geretsried und Wolfratshausen, südlich von München. Ursprünglich sollte mittels einer Dublette Thermalwasser aus dem Malm für ein Strom -und Wärmeprojekt erschlossen werden. Seit 2023 setzt die Firma Eavor ein Projekt als geschlossenes System zur Wärme und Stromgewinnung um.
Status (in Betrieb, im Bau, in Planung, stillgelegt) | in Betrieb |
Name der Anlage | Geretsried |
Ort/sonstige Bezeichnung | - |
Betreiber (Name) | Eavor |
Feldname | - |
Bundesland | Bayern |
Koordinaten | 47.8710290510463, 11.434471292527942 |
Art der Nutzung | geschlossenes System |
Installierte Leistung geothermisch [MWth] | - |
Installierte Leistung elektrisch [MWel] | 1 |
max. Thermalwasser-Temperatur [°C] | 155,3 |
Tiefe - TWD (wirkliche Tiefe) [m] | 4.736 |
Förderrate [kg/s] | - |
Jahresproduktion geothermische Wärme [GWh/a] | - |
Jahresproduktion geothermischer Strom [GWh/a] | - |
Jahr der Inbetriebnahme | 2015 |
Aufsuchung (Erlaubnis), Gewinnung (Bewilligung) | - |
Endprodukt | Strom |
Anzahl der Bohrungen | - |
Hauptnutzung | Strom |
Nebennutzung | - |
Art des Reservoirs | - |
Geologische Region | Molassebecken |
Betreiberstruktur | privater Investor |
Zusätzliche Information | - |
Von Januar bis Juli 2013 wurde die Bohrung Geretried GEN 1 bis zur Endtiefe von 6.036 m MD (4.852 m TVD) abgeteuft. Die anschließenden Produktionstests zeigten, dass die Bohrung nicht fündig war.
2017 wurden die Arbeiten an diesem Projekt unterbrochen, da Maßnahmen zur Verbesserung der Gesteins-Durchlässigkeit politisch nicht durchsetzbar waren.
Zur Erforschung der Möglichkeiten die Situation in Geretsried durch eine hydraulische Stimulation zu verbessern, wurde in den Jahren 2020-2021 das Projekt Zokrates durchgeführt.
Im Projekt soll eine hydraulisch leitfähige Störung, die bereits durch eine Bohrung durchörtert wurde, als natürlicher Wärmetauscher genutzt werden, so dass die hydraulische Stimulation vermieden und das Risiko der induzierten Seismizität erheblich verringert wird. Das Ziel des Forschungsvorhabens am Standort Geretsried (Bayern) ist der Nachweis der hydraulischen Wirksamkeit von Stützmitteln, die bislang nicht in der Tiefengeothermie eingesetzt wurden. In Kombination mit zonierter Säuerung sollen diese Stützmittel in natürliche Kluftzonen tiefliegender Karbonaten eingetragen werden und zur Entwicklung eines petrothermalen Standortes in Deutschland dienen. In Bezug auf die Auswahl geeigneter Stützmittel ist insbesondere die Unbedenklichkeit des Einsatzes von Stützmitteln aus Umweltgesichtspunkten von besonderer Bedeutung. Das Verbundprojekt 'ZoKrates' setzt sich aus wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Partnern zusammen, unter denen auch der Feldeseigentümer ist. Die Partner sind Ruhr Universität Bochum, LIAG-Institut für Angewandte Geophysik, GTN, G.E.O.S. und ENEX.
Das Projekt war wissenschaftlich erfolgreich und es konnten die geplanten fracs erzeugt und die Produktionsrate um den Faktor 6 gesteigert werden. Die Verbesserung der Permeabilität reichte aber für eine kommerzielle Nutzung nicht aus.
Um mit den Standort Geretsried noch weiter zukommen, vereinbarte Enex 2022 eine Zusammenarbeit mit der Firma EAVOR GmbH, um am Standort ein closed loop System zu realisieren.
Eavor ist ein 2017 in Kanada gegründetes Energieunternehmen im Bereich der Geothermie, das die geothermische Energie in geschlossenen Systemen nutzt. Anders als die hydrothermale Geothermie ist das System von Eavor, der Eavor Loop™, nicht darauf angewiesen, heiße Aquifere im Erdinneren zu finden. Es ist der petrothermalen Geothermie zuzuordnen. Der Eavor-Loop basiert auf dem Prinzip des Wärmeübertragers, dem Wärme ausschließlich konduktiv zugeführt wird. Es handelt sich um ein geschlossenes und damit von der Wasserwegsamkeit des Reservoirs unabhängiges geothermisches System: zwei vertikale Bohrungen werden im Abstand von etwa 100 - 150 Metern bis zur Zielformation in 3.000 - 5.500 Metern TVD abgeteuft.
Im Zielhorizont werden aus den beiden vertikalen Bohrungen, ausgehend von übereinander liegenden Ablenkpunkten, je 12 Laterale Bohrungen abgelenkt. Diese werden in zwei Serien übereinanderliegend gebohrt, um maximalen Kontakt mit dem heißen Gestein zu gewährleisten. In der Endtiefe werden die Laterale paarweise zur Flüssigkeitszirkulation zu Schleifen verbunden, sodass ein geschlossenes System entsteht. In diesem System zirkuliert ein Arbeitsmedium, das die Erdwärme aus dem umliegenden Gestein konduktiv aufnimmt und an die Oberfläche transportiert. Dort kann sie entweder über einen Wärmeübertrager ins Fernwärmenetz eingespeist werden, oder über einen Rankine-Zyklus (ORC) in elektrische Energie umgewandelt werden.
Geplante technische Daten:
Die untertägigen Anlagen befinden sich aktuell im Bau, der erste von 4 Loops wird laut Eavor 2025 in Betrieb genommen werden.
Ob die Anlage in der geplanten Form hergestellt und die angegebenen technischen Daten erreicht werden können, wird sich also bis 2025 zeigen. Geretsried wäre die weltweit erste Anlage nach dem Eavor-LoopTM-Prinzip der Firma EAVOR. Soweit (2024) berichtet alledings die Firma, dass alles nach Plan läuft: Die ersten Bohrungen seien verbunden, die ersten Schleifen also geschlossen und auch die Versiegelung vermittels Rockpipe Technologie sei erfolgreich umgesetzt.
Am 5. Dezember 2025 hat die Anlage erstmals kommerziell erzeugten Strom in das öffentliche Netz eingespeist.
Laufender Betrieb: Ein Teil des ersten von insgesamt vier geplanten "Loops" (Schleifen) liefert derzeit Energie. Die aktuelle elektrische Leistung liegt in der ersten Phase zwischen 0,5 und 1 Megawatt.
Nächste Schritte: Für März 2026 ist der Beginn der Bohrungen für den zweiten Loop geplant. Die Fertigstellung der gesamten Anlage mit allen vier Loops ist für das Jahr 2027 vorgesehen.
Zu Literatur siehe:
zuletzt bearbeitet Februar 2026, Änderungs- oder Ergänzungswünsche bitte an info@geothermie.de