Die Deutsche Erdwärme GmbH (DEW) plant bei Graben-Neudorf, im zentralen Oberrheingraben gelegen, die Niederbringung zweier Tiefbohrungen, um Erdwärme zu Heizzwecken und zur Erzeugung von Strom zu nutzen. Das Projekt verfolgt einen hydrothermalen Erschließungsansatz. Heißes Thermalwasser soll aus einer Tiefe von ca. 4.000 m gefördert, thermisch genutzt und anschließend wieder in denselben Tiefengrundwasserleiter injiziert werden. Sollten die Bohrungen erfolgreich sein und die getroffenen Annahmen bestätigen, wird die thermische Leistung der Dublette bei etwa 40MWth liegen. Daraus ließe sich Strom und Wärme für etwa 10.000 Haushalte erzeugen.
Status (in Betrieb, im Bau, in Planung, stillgelegt) | im Bau |
Name der Anlage | Graben-Neudorf |
Ort/sonstige Bezeichnung | - |
Betreiber (Name) | Deutsche Erdwärme GmbH |
Feldname | - |
Bundesland | Baden-Württemberg |
Koordinaten | 49.16376, 8.49329 |
Art der Nutzung | Hydrogeothermie |
Installierte Leistung geothermisch [MWth] | vorauss. 40 |
Installierte Leistung elektrisch [MWel] | - |
max. Thermalwasser-Temperatur [°C] | über 200 |
Tiefe - TWD (wirkliche Tiefe) [m] | etwa 4.000 |
Förderrate [kg/s] | - |
Jahresproduktion geothermische Wärme [GWh/a] | - |
Jahresproduktion geothermischer Strom [GWh/a] | - |
Jahr der Inbetriebnahme | - |
Aufsuchung (Erlaubnis), Gewinnung (Bewilligung) | - |
Endprodukt | - |
Anzahl der Bohrungen | Doublette |
Hauptnutzung | - |
Nebennutzung | - |
Art des Reservoirs | - |
Geologische Region | Oberrheingraben |
Betreiberstruktur | privater Investor |
Zusätzliche Information | - |
Die Bohrpfade der beiden Bohrungen sind auf Grundlage umfangreichen und großräumigen Datenlage geplant worden. Dabei wurden geomechanische, seismische und produktionstechnische Aspekte ebenso berücksichtigt wie die bohrtechnischen Auslegungen zur Risikominimierung. Diese Planung sieht z. B. einen ausreichenden Abstand der abgelenkten Bohrungen auf Reservoirteufe vor, um einen thermischen Durchbruch während der Betriebszeit zu verhindern, und hält einen großzügigen Sicherheitsabstand zum seismisch gegebenenfalls sensiblen Grundgebirge vor.
Bereits die hohe Durchlässigkeit des Buntsandsteins und mehrere hundert Meter Abstand vom Grundgebirge, mindern die Eintrittswahrscheinlichkeit induzierter Seismizität. Zusätzlich überwacht ein empfindliches seismisches Monitoring-System jegliche seismischen Aktivitäten im Untergrund und ermöglicht, eventuell auftretende seismische Ereignisse frühzeitig zu erkennen. Ein Ampelsystem gibt klare Handlungsanweisungen, um auf Schwingungen zu reagieren. Schaltet die Ampel vom Normalbetrieb auf gelb, startet eine Systemanalyse und die Leistung der Anlage wird gegebenenfalls gedrosselt. Steigt die Schwingungsintensität weiter an und die Ampel schaltet auf Rot, wird die Anlage abgeschaltet. Und das zu einem Zeitpunkt, bevor die Seismizität an der Oberfläche in einen spürbaren Bereich gelangt..
Alle Bohrungen werden mehrwandig ausgebaut. Dies bildet die Basis für eine sichere Barriere - ein sogenanntes „Multi-Barriere-Konzept“, bestehend aus mehreren ineinander zementierten Stahlrohren. Ein integriertes Messsystem überwacht ständig das Thermalwasser in der Bohrung. Lecks können damit praktisch ausgeschlossen und extreme Ausnahmefälle frühzeitig erkannt werden. Bevor die Bohrung niedergebracht wird, wird das geplante Bohrfenster durch ein stählernes Rohr vom oberflächennahen Grundwasser isoliert.
Die Qualität und Dichtigkeit der Stahlrohre wird regelmäßig überprüft, zum Beispiel durch Ultraschallmessungen. Ferner unterliegen Druck und Temperatur der Flüssigkeit zwischen dem sogenannten Ankerrohr und dem Produktionsrohr ständiger Kontrolle. Zum Grundwasserschutz gehört neben dem untertägigen Multi-Barriere-Konzept, dem Bohrloch-Monitoring sowie separaten Auffangsystemen für Schmutz- und Niederschlagswasser auf dem Bohrplatz auch das Grundwasser-Monitoring.
An mehreren, rund um den Bohrplatz angelegten Grundwassermessstellen wird die Wasserqualität im Zu- und Abstrom der Grundwasserleiter kontinuierlich kontrolliert. Jede Grundwassermessstelle ist mit einem Daten-Logger ausgestattet, der wichtige Qualitätsmerkmale des Grundwassers aufzeichnet, registriert und an die Zentrale sendet. Treten zum Beispiel Veränderungen der elektrischen Leitfähigkeit auf, die auf ein Eintreten salzigen Thermalwassers schließen lassen, werden diese schnell erfasst und entsprechende Maßnahmen zur Behebung der möglichen Ursache eingeleitet.
Erfolgreiche Tests: Im Dezember 2025 wurde ein mehrwöchiger Langzeit-Injektionstest durch die Deutsche ErdWärme GmbH (DEW) erfolgreich abgeschlossen. Dabei wurden ca. 30.000 m³ Wasser injiziert. Die Ergebnisse bestätigten die hohe Qualität des Reservoirs mit Temperaturen von über 190°C in rund 4 km Tiefe.
Seismik & Sicherheit: Während der Tests im November 2025 kam es zu einer minimalen mikroseismischen Aktivität. Diese lag jedoch weit unter der Spürbarkeitsschwelle und wurde von den Behörden als normaler Prozess eingestuft. Das Überwachungssystem ("Ampelsystem") funktioniert planmäßig.
Geplante zweite Bohrung: Für das Jahr 2026 ist die zweite Bohrung (die sogenannte Dublette) geplant. Diese ist zwingend erforderlich, um einen geschlossenen Kreislauf für den späteren Kraftwerksbetrieb herzustellen.
Trotz des technischen Erfolgs gab es Ende 2025 einen politischen und wirtschaftlichen Rückschlag für das regionale Fernwärmenetz:
Auflösung der Projektgesellschaft: Die beteiligten Kommunen (u.a. Graben-Neudorf, Bruchsal, Bretten) haben zum Jahresende 2025 die gemeinsame Projektgesellschaft PEG Regionaler Wärmeverbund aufgelöst.
Unwirtschaftlichkeit des Netzes: Grund dafür waren veränderte wirtschaftliche Rahmenbedingungen und Differenzen mit dem Betreiber über die Vertragsgestaltung. Ein großflächiges regionales Netz wird es in der ursprünglich geplanten Form vorerst nicht geben.
Fokus auf lokale Lösungen: Die Gemeinde Graben-Neudorf plant nun stattdessen ein lokales Wärmenetz, um die Erdwärme vor Ort für die eigenen Bürger nutzbar zu machen.
Im Rahmen dieses BMWE-geförderten Projekts Thermion soll ein innovatives Lithiumextraktionsverfahren („Ionenpumpe“ (EIP)) am Standort in Graben-Neudorf demonstriert werden.
Homuth Sebastian, Ron Zippelius, Geothermieprojekt Graben-Neudorf by DEW, GTE, 2022
Weitere Literatur siehe:
zuletzt bearbeitet März 2026, Änderungs- oder Ergänzungswünsche bitte an info@geothermie.de