Die Forschungsplattform Groß-Schönebeck, etwa 50 Kilometer nördlich von Berlin gelegen, ist eines der weltweit bedeutendsten Reallabore für die Tiefengeothermie. Betrieben vom Deutschen GeoForschungsZentrum (GFZ) Potsdam, dient sie primär dazu, die Strom- und Wärmegewinnung aus tief liegenden Gesteinsschichten mit geringer natürlicher Durchlässigkeit zu erforschen.
Siehe auch Groß Schönebeck - Forschungsvorhaben.
Status (in Betrieb, im Bau, in Planung, stillgelegt) | Forschung |
Name der Anlage | Groß-Schönebeck |
Ort/sonstige Bezeichnung | - |
Betreiber (Name) | GFZ |
Feldname | - |
Bundesland | Brandenburg |
Koordinaten | 52.90381696285989, 13.601612176917618 |
Art der Nutzung | Forschung |
Installierte Leistung geothermisch [MWth] | - |
Installierte Leistung elektrisch [MWel] | 1 |
max. Thermalwasser-Temperatur [°C] | 150 |
Tiefe - TWD (wirkliche Tiefe) [m] | 4.309 |
Förderrate [kg/s] | - |
Jahresproduktion geothermische Wärme [GWh/a] | - |
Jahresproduktion geothermischer Strom [GWh/a] | - |
Jahr der Inbetriebnahme | 2011 |
Aufsuchung (Erlaubnis), Gewinnung (Bewilligung) | - |
Endprodukt | - |
Anzahl der Bohrungen | 2 |
Hauptnutzung | - |
Nebennutzung | - |
Art des Reservoirs | - |
Geologische Region | Norddeutsches Becken |
Betreiberstruktur | - |
Zusätzliche Information | - |
Die Anlage nutzt das sogenannte Norddeutsche Becken. Die Besonderheit in Groß-Schönebeck ist, dass man zwei unterschiedliche Reservoirgesteine in großer Tiefe erschlossen hat:
Sandsteine: In ca. 4.100 Metern Tiefe.
Vulkanite (Rhyolithe): In ca. 4.300 Metern Tiefe.
Die Temperatur des Thermalwassers liegt dort bei etwa 150 °C. Da das Gestein in dieser Tiefe jedoch kaum Porenräume besitzt, durch die Wasser fließen kann, muss die Durchlässigkeit künstlich erhöht werden (EGS-Technologie).
Die Anlage besteht aus zwei tiefen Forschungsbohrungen, die einen geschlossenen Kreislauf bilden:
E GrSk 3/90: Ursprünglich eine Erdgas-Explorationsbohrung aus dem Jahr 1990, die später vom GFZ für geothermische Zwecke vertieft und ausgebaut wurde.
E GrSk 4/05: Eine zweite, gezielt abgelenkte Bohrung, die 2006 fertiggestellt wurde.
Das Prinzip: Aus einer Bohrung wird das heiße Wasser gefördert, über Tage wird die Wärme entzogen, und das abgekühlte Wasser wird durch die zweite Bohrung wieder in denselben Horizont zurückgeleitet.
Groß-Schönebeck ist kein kommerzielles Kraftwerk, sondern ein Feldlabor. Die Forschung konzentriert sich auf:
Stimulationsverfahren: Wie kann man Risse im harten Gestein erzeugen oder chemisch weiten, um den Wasserfluss zu erhöhen, ohne dabei spürbare Erdbeben auszulösen?
Korrosionsschutz: Das Thermalwasser ist extrem salzhaltig (Sole). Es werden Materialien und Inhibitoren getestet, die den aggressiven Bedingungen standhalten.
Langzeitstabilität: Wie verhält sich das Reservoir über Jahrzehnte bei ständiger Entnahme und Reinjektion?
Anlagentechnik: Test von spezialisierten Pumpen und Wärmeübertragern für tiefengeothermische Sole.
Nach intensiven Testphasen und Stimulationsmaßnahmen in den 2000er und 2010er Jahren steht die Anlage heute für interdisziplinäre Projekte zur Verfügung. Die Erkenntnisse aus Groß-Schönebeck sind wegweisend für die Wärme- und Energiewende in Norddeutschland, da die dortigen geologischen Bedingungen (Sedimentbecken) repräsentativ für weite Teile Mitteleuropas sind.
Teilweise Gemini, überarbeitet
Zu Literatur siehe:
zuletzt bearbeitet März 2025, Änderungs- oder Ergänzungswünsche bitte an info@geothermie.de