Das Geothermiekraftwerk Insheim ist ein Geothermiekraftwerk im südpfälzischen Ort Insheim. Die Anlage wird seit dem November 2012 von der Pfalzwerke geofuture GmbH betrieben, seit 2021 Natürlich Insheim GmbH. Die Anlage wandelt thermische Energie aus dem Tiefenwasser in elektrischen Strom um.
Die Geothermieanlage in Insheim (Südpfalz) ist ein Schlüsselprojekt für die Energiewende im Oberrheingraben. Seit der Übernahme durch Vulcan Energy im Jahr 2022 hat sich der Fokus der Anlage deutlich erweitert: von der reinen Stromerzeugung hin zu einem kombinierten Werk für Wärme, Strom und die Gewinnung von Lithium.
Das Kraftwerk mit einer mittleren elektrischen Leistung von rund 4,3 Megawatt ist beim Erreichen der Auslegungsleistung fähig, bei etwa 8.000 Betriebsstunden im Jahr ca. 33.000 Megawattstunden elektrische Energie zu erzeugen. Rechnerisch können damit rund 8.000 Haushalte mit umweltfreundlichem Strom versorgt werden. Die Restwärme reicht aus, um zusätzlich ca. 600 bis 800 Haushalte mit Wärme zu versorgen. Der Aufbau eines Nahwärmenetzes in Insheim wird derzeit geprüft.
Status (in Betrieb, im Bau, in Planung, stillgelegt) | in Betrieb |
Name der Anlage | Insheim |
Ort/sonstige Bezeichnung | - |
Betreiber (Name) | Natürlich Insheim GmbH, Vulkan Energy |
Feldname | - |
Bundesland | Rheinland-Pfalz |
Koordinaten | 49.15363259926349, 8.153275626628721 |
Art der Nutzung | Hydrogeothermie |
Installierte Leistung geothermisch [MWth] | - |
Installierte Leistung elektrisch [MWel] | 4,8 |
max. Thermalwasser-Temperatur [°C] | 165 |
Tiefe - TWD (wirkliche Tiefe) [m] | 3.600 |
Förderrate [kg/s] | 80 |
Jahresproduktion geothermische Wärme [GWh/a] | - |
Jahresproduktion geothermischer Strom [GWh/a] | 21 |
Jahr der Inbetriebnahme | 2012 |
Aufsuchung (Erlaubnis), Gewinnung (Bewilligung) | - |
Endprodukt | Strom |
Anzahl der Bohrungen | Dublette |
Hauptnutzung | Strom |
Nebennutzung | - |
Art des Reservoirs | - |
Geologische Region | Oberrheingraben |
Betreiberstruktur | kommunal |
Zusätzliche Information | - |
Die Erzeugung des Stroms erfolgt durch eine ORC-Anlage, die die Energie mithilfe des Trägermediums Isopentan auf eine Turbine überträgt.
Das bei der Geothermieanlage in Insheim eingesetzte Verfahren nutzt die Wärme aus dem Thermalwasser, das über Tiefbohrungen gefördert und über Reinjektionsbohrungen abgekühlt ins Erdreich zurückgeführt wird. Das Thermalwasser wird mit eine Gestängepumpe gefördert. Aufgrund zu geringer Injektivität wurde zur Verbesserung der hydraulischen Eigenschaften der Injektionsbohrung ein Seitenarm (Sidetrack) gebohrt, die ursprüngliche Bohrung jedoch nicht verfüllt, so dass nun für die Reinjektion eine Bohrung mit zwei Armen zur Verfügung steht. Mit einer solchen Ablenkbohrung kann sich das Wasser im Untergrund schneller und großräumiger verteilen. Dadurch ist beim Betrieb ein geringerer Druck nötig, was das seismische Risiko deutlich verringert, trotzdem kommt es weiterhin zu meist nicht fühlbaren Erderschütterungen.
| Zeitraum | Projektschritt |
|---|---|
| Ab Februar 2007 | Planung und Vorbereitung |
| Ab November 2007 | Beginn der Bohrplatzarbeiten |
| Juni 2008 bis September 2008 | Durchführung der ersten Tiefbohrung |
| Januar 2009 bis April 2009 | Durchführung der zweiten Tiefbohrung |
| April und November 2009, März bis April 2010 | Zirkulationstests, Prüfung der Fließraten und der Temperatur des Thermalwassers |
| 9. April 2010 10:52:22 Uhr | Das stärkste in Insheim registrierte Erdbeben mit einer Magnitude von 2,4. |
| August 2010 bis Oktober 2010 | Bohrung eines weiteren Seitenarms |
| Ab Oktober 2010 | Vorbereitungen der Bauarbeiten, Baugenehmigungen, Planung des Kraftwerks |
| September 2011 bis Oktober 2012 | Bau des Übertrageteils |
| Oktober 2012 | Erst-Inbetriebnahme des Kraftwerks |
| November 2012 | Start des Kraftwerksbetriebes |
| Februar 2013 | Betriebsunterbrechung nach Pumpenschaden |
| Mai 2013 | Wiederinbetriebnahme |
| 2021 | Übernahme der Anlage durch die Vulcan Energie AG, Karlsruhe (Natürlich Insheim GmbH) |
Im Rahmen der Demonstration der Innovationen des GeoSmart-Projekts wurde am Standort des Geothermiekraftwerks Insheim ein adiabatisches Kühlsystem mit Ultra-Fogging-Technologie installiert. Dieser Aufbau besteht aus mehreren Komponenten: einem Grundwasserbrunnen zur Wassergewinnung, einer Wasseraufbereitungsanlage zur Reinigung, Puffertanks zur vorübergehenden Speicherung von gereinigtem Wasser und einem Nebelsystem, das Wasser durch Sprühwasserdüsen verteilt, die sich unter den vorhandenen luftgekühlten Kondensatoren befinden. Alle neuen Elemente wurden erfolgreich installiert und die Inbetriebnahme läuft derzeit.
Das Hauptziel der Implementierung dieses Kühlsystems besteht darin, die Effizienz der Stromerzeugung des Geothermiekraftwerks zu steigern, wenn die Lufttemperatur über 20 °C und die relative Luftfeuchtigkeit unter 60 % liegt. Darüber hinaus liefert das Feedback zum Betrieb des Kühlsystems Erkenntnisse über die Gesamtleistung des Kraftwerks einschließlich Wartung sowie Betriebskosten und -aufwand.
Insheim steht derzeit im Zentrum zweier großer Erweiterungsprojekte:
Fernwärme für die Gemeinde: In diesen Tagen (Februar 2026) findet im Rathaus Insheim die Präsentation der finalen Machbarkeitsstudie zur Tiefengeothermiewärme statt. Ziel ist es, Insheim zu 100 % mit CO₂-neutraler Wärme zu versorgen. Der Umbau der Anlage zur Wärmeauskopplung ist bereits weit fortgeschritten.
Lithium-Extraktion: Vulcan Energy betreibt in Insheim eine Optimierungsanlage zur Gewinnung von Lithium aus dem Thermalwasser. Dies ist ein weltweit beachtetes Projekt, da das Lithium für E-Auto-Batterien hier fast CO₂-neutral als Nebenprodukt der Energiegewinnung anfällt. Im Rahmen des "Lionheart-Projekts" wurde Anfang 2026 die Finanzierung für die großindustrielle Phase gesichert.
Wie viele Anlagen im Oberrheingraben steht auch Insheim unter genauer Beobachtung hinsichtlich induzierter Seismizität (kleinere Erdbeben).
Überwachung: Ein engmaschiges Messnetz registriert selbst kleinste Erschütterungen.
Betriebsweise: Durch eine angepasste Fahrweise (geringerer Injektionsdruck) versucht der Betreiber, die Seismizität so gering wie möglich zu halten, damit sie für die Bevölkerung nicht spürbar ist. Es traten seit Inbetriebnahme keine Ereignisse auf, die Schäden hätten verursachen können.
https://de.wikipedia.org/wiki/Geothermiekraftwerk_Insheim
Zu Literatur siehe:
zuletzt bearbeitet Februar 2026, Änderungs- oder Ergänzungswünsche bitte an info@geothermie.de