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Isoseisten

Isoseisten (Intensität IV bis X) eines Bebens in der Türkei. Quelle: USGS

Isoseisten sind Isolinien, die Orte gleicher (ganzzahliger) Intensitäten eines Erdbebens verbinden.

Die Intensität eines Erdbebens wird nach der Mercalli-Skala bzw. nach der EMS-Skala bestimmt und in der Regel durch Fragebogenerhebungen ermittelt. Die Intensität basiert dabei auf dem subjektiven Empfinden hörbarer und fühlbarer Effekte und der subjektiven Einordnung von Schadensauswirkungen, die ein Beben an einem bestimmten Standort verursacht. Da die Auswirkungen der Erschütterungen mit der Entfernung vom Epizentrum abnehmen und überdies von zahlreichen weiteren Faktoren wie z. B. des Herdvorgangs oder der Beschaffenheit des Untergrundes abhängen, handelt es sich bei der Intensität um eine ortsabhängige Größe.

Die Intsensität charakterisiert nicht das Beben, sondern die Erschütterung an einem Einwirkungsort. In den Medien wird fälschlicherweise dennoch häufig die ermittelte Maximalintensität zur Charakterisierung eines Bebens benutzt (z.B.: "Ein Beben der Inensität VI") Die Intensität ist nicht mit der Magnitude eines Erdbebens zu verwechseln.

Die ermittelte räumliche Verteilung der Intensitäten wird in einer sogenannten Isoseitenkarte (shake map) dargestellt. Wegen der Entfernungsabhängigkeit stellen sich die Isoseisten immer als geschlossene Linienzüge um das Epizentrum herum dar, die aus den angegebenen lokalen Intensitäten interpoliert werden. Die Form der Linienzüge bzw. der Farbcodierung hängt dabei insbesondere von der Abstrahlcharakteristik der freigesetzten seismischen Energie und der Bodenbeschaffenheit (Übertragung der seismischen Wellen) ab, wird zusätzlich aber auch von Faktoren wie der Bevölkerungesdichte und der generellen Bodenunruhe beeinflusst.

Im Zuge einer Schadensbetrachtung können Isoseisten auch auf Messwerten der Immissionsnetze beruhen. Sie werden dann als Linien gleicher maximaler Schwinggeschwindigkeiten dargestellt.

Mikrozonierung

Im Detail werden die Isoseisten durch die geologischen Gegebenheiten nahe der Erdoberfläche überprägt, die zu Verstärkungen oder zu Schwächungen der Erschütterungen führen können. Die Erfassung dieser Effekte bezeihnet man als Mikrozonierung. Die Isosiesten einschließlich der Mikrozonierung stehen juristisch im Zusammenhang mit der Festlegung eines Einwirkungsbereichs bei induzierten Beben. Innerhalb des Einwirkungsbereichs gilt die Bergschadensvermutung (Beweislastumkehr).

Literatur

Hans Berckhemer: Grundlagen der Geophysik, Wissenschaftliche Buchgesellschaft 2002, ISBN 978-3534136964

Wald, D., J., Quitoriano, V., Heaton, T., H., Kanamori, H., Scrivner, C., W., Wooten, C., B.: Shake maps: Rapid generation of peak ground motion and intensity maps for earthquakes in southern California. In: Earthquake Spectra Nummer 55 (1999), S. 537-555 

Weblink

http://de.wikipedia.org/wiki/Isoseiste 

zuletzt bearbeitet Januar 2020