Unter Karst versteht man in der Geologie und Geomorphologie unterirdische und oberirdische Geländeformen, die vorwiegend durch Lösungs- und Kohlensäureverwitterung sowie Ausfällung von biogenen Kalksteinen und ähnlichen Sedimenten mit hohen Gehalten an Calciumcarbonat (CaCO3) entstanden sind. Hauptmerkmal von Karstlandschaften ist die überwiegend unterirdische Hydrologie, die nicht auf einer primären Porosität des Gesteins beruht, sondern vielmehr sekundär durch den in geologischer Zeit stattfindenden Prozess der Verkarstung bedingt wird.
Karstbildungen können schon währen der Gesteinsbildung oder -Ablagerung auftreten (syngenetisch) oder aber auch zu einem beliebigen späteren Zeitpunkt der Erdgeschichte (diagenetisch). Zunächst denkt man wohl bei Karst immer an größere Hohlräume (Höhlen), bedeutender sind oft aber kleine Strukturen im cm- oder dm- Bereich.
Wenn Karststrukturen in großer Tiefe entstanden sind oder heute in größerer Tiefe vorliegen, spricht man auch von Tiefenkarst. Bei Tiefenkarst spielen oft nicht mehr eingesickertes Regenwasser (meteorische Wässer) sondern hydrothermale Grundwässer eine Rolle. Die Verkarstungsgechwindigkeit ist dann natürlich stark von den Wassertemperaturen abhängig.
Karstbildungen sind oft nicht unabhängig von tektonischen Störungen, da diese oft den primären (initialen) Wasserzutritt gestatten.
Unter Paläokarst versteht man in der Geologie Karstphänomene (wie Höhlen, Dolinen oder Karren), die in der geologischen Vergangenheit entstanden sind und heute keine Verbindung mehr zum aktuellen Wasserkreislauf an der Erdoberfläche haben. Einfach gesagt handelt es sich um „fossilen Karst“.
Damit eine Struktur als Paläokarst gilt, müssen meist zwei Bedingungen erfüllt sein:
Paläokarst entsteht in mehreren Phasen:
Verkarstungsphase: Kalkstein tritt an die Oberfläche (Exposition) und wird durch Regenwasser gelöst. Es entstehen Hohlräume.
Sedimentationsphase: Durch Meeresspiegelanstieg oder Absenkung des Gebiets werden die Hohlräume mit Sedimenten (Sand, Ton, Erze) gefüllt und schließlich von neuen Gesteinsschichten überdeckt.
Exhumierung (optional): Durch spätere Erosion können diese alten Strukturen wieder angeschnitten werden und werden dann im Gelände als „Füllungen“ in einer ansonsten soliden Felswand sichtbar.
Rohstoffe: In den Hohlräumen sammeln sich oft wertvolle Bodenschätze an, wie zum Beispiel Eisen- oder Manganerze (z. B. im Rheinischen Schiefergebirge).
Erdöl- und Erdgas-Speicher: Da Paläokarst extrem porös sein kann (alte Höhlensysteme), bilden diese Strukturen hervorragende Reservoirgesteine für fossile Brennstoffe oder Grundwasserleiter.
Klimageschichte: Die Füllungen in Paläokarst-Hohlräumen enthalten oft Fossilien oder Sedimente, die Rückschlüsse auf das Klima vor Millionen von Jahren zulassen.
In Deutschland findet man Paläokarst-Erscheinungen häufig im Iserlohner Massenkalk oder in der Eifel. Dort sieht man oft rötliche Lehm- oder Sandfüllungen in Steinbruchwänden, die zeigen, dass dort schon vor Jahrmillionen (oft in der Kreidezeit oder im Tertiär) Karstprozesse aktiv waren.
Die Seismik ist das primäre Verfahren, um Strukturen in mehreren Kilometern Tiefe sichtbar zu machen. Paläokarst zeigt sich in seismischen Daten oft durch spezifische Muster:
„Bead-like“ Reflections: Kleine, sehr helle Amplitudenpunkte (Bright Spots), die wie Perlen auf einer Schnur aufgereiht wirken. Sie deuten auf mit Gas oder Flüssigkeit gefüllte Hohlräume (Paläohöhlen) hin.
Chaos-Zonen: Bereiche, in denen die Schichtung des Gesteins unterbrochen ist. Dies deutet oft auf eingestürzte Höhlensysteme (Collapse Breccias) hin.
Seismische Attribute: Mithilfe von Computerberechnungen (z. B. Coherence oder Curvature) können Geologen Risse und Einbruchskrater (Sinkholes) im Untergrund präzise umreißen.
Wenn eine Bohrung niedergebracht wird, liefern spezielle Sonden detaillierte Bilder der Bohrlochwand:
Borehole Image Logs (FMI/UBI): Diese liefern hochauflösende elektrische oder akustische Bilder. Hier lassen sich mit Sediment gefüllte Klüfte, Lösungsformen und Vugen (kleine Hohlräume) direkt erkennen.
Sonic Logs: Da poröser Paläokarst die Schallgeschwindigkeit im Gestein verändert, lassen sich so Zonen mit hoher Porosität identifizieren.
Geologen versuchen, die alte Landoberfläche von vor Millionen von Jahren zu rekonstruieren.
Impression Method: Man untersucht die Mächtigkeit der Schichten, die direkt über dem Karst liegen. Wo die darüberliegende Schicht dicker ist, befand sich früher wahrscheinlich eine Senke oder ein Tal im Karstrelief.
Residual Thickness: Man misst die verbleibende Dicke der verkarsteten Schicht, um alte Plateaus und Erosionsrinnen zu finden.
In der Hydrogeothermie spielen Karst oder Verkarstungen insbesondere eine bedeutende Rolle, wenn Kluftaquifere in Karbonaten (z. B. bayrischen Molasse, Kohlenkalk des Karbon, Massenkalk des Devon) durch Verkarstung wesentlich verändert wurden. In solchen Fällen kann die Verkarstung wesentlicher sein als die ursprüngliche Kluftpermeabilität. Verkarstungen können daher auch Ziel einer spezifischen Exploration sein. Üblicherweise geht die Exploration auf Karstbildung mit der auf tektonische Störungen Hand in Hand.
Teilweise Gemini überarbeitet.
http://de.wikipedia.org/wiki/Karst
Hannes Hofmann, Guido Blöcher, Nele Börsing, Nico Maronde, Nicole Pastrik, Günter Zimmermann: Potential for enhanced geothermal systems in low permeability limestones – stimulation strategies for the Western Malm karst (Bavaria). In: Geothermics Nummer 51 (2014), S. 351-367
Schulz, R., Thomas, R., Lüschen, E., Dussel, M.: Geothermische Charakterisierung von karstig-klüftigen Aquiferen im Großraum München, Endbericht. Förderkennzeichen 0325013A. Aufl. Nundes Min, für Umwelt, Naturschutz. Reaktorsicherheit, PTJ
Villinger, E. : Bemerkungen zur Verkarstung des Malms unter dem westlichen süddeutschen Molassebecken. . In: Bull. Ver. Schweiz. Petroleum-Geol. und -Ing Nummer 54 (1988), S. 127
Weitere Literatur siehe:
zuletzt bearbeitet Januar 2026, Änderungs- oder Ergänzungswünsche bitte an info@geothermie.de