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LNG

Kleines LNG Terminal zur Versorgung eines Inselstaates. Hier ist eine Versorgung mit Erdgas über Pipelines nicht möglich.Quelle: MHI

Als Flüssigerdgas (Abkürzung LNG für englisch liquefied natural gas) wird durch Abkühlung auf −161 bis −164 °C (112 bis 109 K) verflüssigtes aufbereitetes Erdgas bezeichnet. LNG weist nur etwa 1/600 des Volumens von gasförmigem Erdgas im Normalzustand auf.

Besonders zu Transport- und Lagerungszwecken hat LNG große Vorteile. Technisch verliert das Erdgas dadurch seine Eigenschaft der Leitungsgebundenheit und kann somit als spezielles Flüssiggut in besonderen Transportbehältern, idealerweise geeignet ausgeführte Dewargefäßen, auf der Straße, der Schiene und auf dem Wasser transportiert werden. Bislang spielte diese Art der Beförderung nur eine untergeordnete Rolle, da insbesondere der Energiebedarf für die aufwändige Verflüssigung bei etwa 10 bis 25 Prozent des Energieinhaltes des Gases liegt. Die Transportwirtschaftlichkeitsgrenze von verflüssigtem Erdgas liegt bei etwa 2500 Kilometern, darunter ist der Transport per Erdgas-Pipeline als verdichtetes Erdgas (CNG, Compressed Natural Gas) energetisch wirtschaftlicher und wird bevorzugt, wenn eine Landverbindung zwischen Erzeuger und Verbraucher besteht.

Herstellung, Transport und Lagerung

Das Erdgas wird gewöhnlich in Rohrleitungen von einer Erdgas-Förderstätte zu einem LNG-Terminal in einem Hafen transportiert, wo es gespeichert, aufbereitet und durch Herunterkühlen verflüssigt wird. Erdgas enthält in der Regel eine Mischung aus Methan und kleinen Anteilen von schwereren Kohlenwasserstoffen sowie Stickstoff, Kohlendioxid, Wasser und weitere unerwünschte Bestandteile wie Schwefelverbindungen. Vor der Verflüssigung werden diese Komponenten teilweise entfernt, um zum Beispiel eine Verfestigung während der Verflüssigung zu vermeiden oder um Kundenanforderungen zu erfüllen. Dazu werden Verfahren wie Adsorption, Absorption und kryogene Rektifikation angewandt. Nach diesen Verfahrensschritten enthält das behandelte Erdgas nahezu reines Methan, mit einem Methangehalt von ca. 98 %. Danach wird das so bearbeitete gasförmige Erdgas zu LNG verflüssigt. Dazu wird das Erdgas in mehreren Schritten (mit jeweils aufeinander folgender Kompression, Abkühlung unter konstantem Druck, adiabatischer Entspannung) bis auf eine Temperatur von −162  °C heruntergekühlt. Anschließend wird das LNG auf Spezialschiffe gepumpt, die zu einem anderen LNG-Terminal fahren und das LNG dort wieder mit den schiffseigenen Ladungspumpen an Land fördern. Die im Verlauf der letzten Jahre immer größer gebauten Schiffe werden gemäß Sicherheitskategorie auch als 2G-Tanker bezeichnet.

In LNG-Terminals wird das Flüssigerdgas im tiefkalten Zustand in isolierten Lagertanks (meist zylindrische Flachbodentanks) und unter atmosphärischem Druck bis zum weiteren Transport oder bis zur Regasifizierung zwischengespeichert. Das LNG wird danach durch Umladen auf kleinere Tanker oder nach einer Umwandlung in den gasförmigen Zustand in Rohrleitungen zu einem weiteren Verteiler (Hub) oder direkt zu Ferngas-Gesellschaften weitertransportiert.

Besondere Bedeutung hat diese Art des Transportes von Erdgas wegen der langen Transportwege für Länder im Fernen Osten, etwa Japan. Die Kosten für Offshore-Pipelines von den Förderstätten für Erdgas bis in diese Länder wären gegenüber LNG unwirtschaftleich. Zusammen mit Südkorea und Taiwan gehen fast 80  Prozent der globalen LNG-Exporte in diese asiatischen Wirtschaftsmächte, wobei Japan knapp die Hälfte davon bezieht. Auch Großbritannien, Italien und Belgien importieren LNG. In Deutschland sind LNG Terminal geplant oder im Bau.

Umweltbelastungen

Die Betrachtung der Umweltbelastungen, insbesondere ein Vergleich mit in Pipelines transportiertem Erdgas und hier insbesondere der Beitrag zum Klimawandel ist nicht trivial und hängt sehr von den jeweiligen Gegebenheiten ab. Die Betrachtungen bei diesem Vergleich sind auf den Transport, also einen kleinen Teil der Gesamtbetrachtung zu beschränken. Sowohl der Flüssigtransport (LNG) als auch der Hochdrucktransport haben einen spezifischen Energieverbrauch, der unter anderem von der Länge der jeweiligen Transportwege abhängig ist. Klimabedeutsam sind aber insbesondere die CH4 Leckagen, da CH4 verglichen mit CO2 etwa 80-fach klimawirksamer ist. Es kann angenommen werden, dass diese Leckagen bei flüssigem Gas wesentlich geringer sind als bei Hochdruckgas. Bei Hochdruckgas (Pipelinetransport) werden sie auf 1-3% geschätzt. Dies bedingt, dass Gaskraftwerke nicht weniger klimaschädlich sind als Kohlekraftwerke.

Weblink

https://de.wikipedia.org/wiki/Fl%C3%BCssigerdgas