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Mark 51,7 - Geothermieanlage

MARK 51°7, so heißt das Quartier, das auf dem ehemaligen Opel-Gelände in Bochum entstehen und künftig auf knapp 70 Hektar technologieorientierte Unternehmen und Forschungseinrichtungen beheimaten soll. Um die wärme- und Kälteversorgung kümmern sich die Stadtwerke Bochum. Die geothermische Erschließung von Bergbauschächten der ehemaligen Zeche Dannenbaum ist dabei Dreh- und Angelpunkt. Federführend dabei ist die RUB als Motor der Wissenschaftsstadt Bochum. Durch Kooperationen mit innovativen Unternehmen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen will sie auf dem früheren Opelgelände einen Ort des Austausches zwischen Wissenschaft und Industrie etablieren.

Die RUB mietet bereits seit Frühjahr 2018 die Hälfte der Fläche des sogenannten O-Werks, des früheren Opel-Verwaltungsgebäudes. Dort soll zukünftig der Transfer zwischen Hochschule und Wirtschaft zusätzlichen Raum jenseits des Campus finden. Hinzukommen verschiedene neue Forschungsbauten, die zum Teil bereits genehmigt sind oder aber kurz davor stehen.

Auf dem Gelände werden folgende Transfer- und Forschungseinrichtungen der RUB ein neues Zuhause finden:

  • Zentrum für das Engineering Smarter Produkt-Service-Systeme (ZESS), Analyse und Entwicklung neuer Engineering-Ansätze für industrielle Anwendungen
  • Zentrum für Theoretische und Integrative Neuro- und Kognitionswissenschaft (THINK)
  • Centrum für Entrepreneurship, Innovation und Transformation (CEIT), Forschungs-, Lehr- und Praxisangebote der Fakultät für Wirtschaftswissenschaft
  • Akademie der RUB, Fort- und Weiterbildungsangebote für Alumni und Externe
  • Zentrum für angewandte Pastoralforschung (ZAP), Erforschung der zukunftsfähigen und innovativen Entwicklung der Kirche
  • MakerSpace/FabricationLaboratory (Fab Lab), praxisnahe Lehre, Unterstützung bei der Ausgründung von Spin-offs und Hilfe für junge Start-ups

Geplant sind weitere Forschungsbauten, vor allem zum Bereich IT-Sicherheit.

Innovative Wärme- und Kälteversorgung mit Grubenwasser

Die Vorbereitungen für den Bohrstart laufen bereits seit Wochen. Auf Basis des unter maßgeblicher Beteiligung der Fraunhofer IEG erarbeitetem Bohrkonzepts wurden zunächst der Bohrplatz erstellt sowie 3,40 x 3,40 Meter große und 6 Meter tiefe Bohrkeller ausgehoben worden. Dort beginnt nun die elektrisch-hydraulisch betriebene Bohranlage vom Typ „Wirth B 4A“ mit der Erschließung des Grubenwassers in der ehemaligen Steinkohlezeche unter dem Gelände des Innovationsquartiers.

„Das für MARK 51°7 entwickelte Energiekonzept hebt sich vorrangig durch eine innovative Wärme- und Kälteversorgung von der Erschließung vergleichbarer Industrieflächen ab. Mit der geplanten Nutzung der geothermischen Energiequelle schaffen wir die Grundlage für einen hohen ökologischen Standard auf dem Areal“, erklärt Dietmar Spohn, Sprecher der Geschäftsführung der Stadtwerke Bochum. Weiterhin unterstreicht Ralf Meyer, Geschäftsführer der Bochum Perspektive GmbH: „Auf MARK 51°7 bieten wir unseren Investoren die bestmögliche Infrastruktur, verbunden mit überzeugenden Dienstleistungen. Neben effizienten und nachhaltigen Kälte- und Wärmenetzen und schneller Dateninfrastruktur entstehen auch Lösungen für die Mobilität der Zukunft – natürlich inklusive moderner Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge oder E-Bikes“. Die Bochum Perspektive GmbH breitet das 70 Hektar große Gelände des ehemaligen Opel-Werk I auf und ist mit der Vermarktung von Flächen betraut. Auf diese Weise sollen in den kommenden Jahren auf dem Gelände mehr als 10.000 Arbeitsplätze entstehen. Der folgende Drohnenflug gibt einen Eindruck vom Gelände im September 2021. Die Bohranlage ist noch nicht zu sehen.

Nun (2022) wurde die zweite Geothermie-Bohrung am Standort erfolgreich abgeschlossen. Dabei wurde in bis zu 820 Meter Tiefe vorgedrungen. Die FUW GmbH, eine Tochter der Stadtwerke Bochum und die Fraunhofer-Einrichtung für Energieinfrastrukturen und Geothermie IEG haben gemeinsam die Nutzung von Grubenwasser am Standort MARK 51°7 erkundet und mit der Bohrfirma MND Drilling das Bohrkonzept umgesetzt.

Vor wenigen Wochen konnten die Projektentwickler bereits den Erfolg der ersten Bohrung in 340 Metern Tiefe feiern. Die unterschiedlichen Bohrtiefen resultieren aus der geplanten Kombination von Wärme- und Kälteversorgung. So soll aus dem tieferen Schacht rund 30 Grad Celsius warmes Grubenwasser für den Heizbedarf gefördert werden. Großwärmepumpen bringen das Wasser dann auf Temperaturen von etwa 45 Grad Celsius. Für die Kälteversorgung wird 18 Grad Celsius „kaltes“ Wasser in etwas höheren Lagen gefördert.

Das natürliche Energiepotenzial des Grubenwassers wird Prognosen zufolge zu mehr als 75 Prozent den Wärme- und Kältebedarf der angeschlossenen Abnehmer decken. Der verbleibende Wärmebedarf wird aus dem Fernwärmenetz der FUW GmbH gedeckt. Kältemengen, die an sehr heißen Tagen zusätzlich erforderlich sind, werden über konventionelle Kälteanlagen an das Kältenetz von MARK 51°7 übergeben. Gegenüber einer rein konventionellen Wärme- und Kälteversorgung mit Erdgasbetrieb und Kompressionskältemaschinen spart das neue Konzept etwa 3200 Tonnen CO2-Emissions pro Jahr ein.  Der Aufbau der innovativen Wärme- und Kälteversorgung für MARK 51°7 wird aus Mitteln des EU-Interreg-Programms North-West Europe und des BMWi-Förderprogramms „Wärmenetze 4.0“ unterstützt.

Fortschritte 2023

Die umfangreichen Pumptests auf dem Gelände MARK 51°7 in Bochum waren erfolgreich. Aus dem alten Grubengebäude kann aus rund 300 bzw 800 Metern Tiefe genug warmes und kaltes Grubenwasser gefördert werden. Das geothermische Potenzial unter dem geplanten Gewerbegebiet ist damit ausreichend, um rund 70 bis 75 Prozent des Wärme- und Kältebedarfs der Unternehmen und Forschungseinrichtungen auf dem Areal mit klimafreundlicher Wärme und Kälte zu decken. Damit steht dem Aufbau einer energiesparenden Wärme- und Kälteversorgung der sogenannten 5. Generation nichts mehr im Wege.

Anmerkungen 2025

  • Im Laufe des kommenden Jahres (2026)sollen die auf MARK 51°7 ansässigen Firmen mit erneuerbarer Wärme und Kälte aus Grubenwasser versorgt werden.
  • Die Umsetzung des anspruchsvollen Energiekonzepts hat nun ein weiteres Etappenziel erreicht: Die Grubenwasserpumpen werden sukzessive in zwei Bohrungen zu zwei unterschiedlich tiefen Stollen des ehemaligen Bergwerks Dannenbaum auf ca. 340 Meter Tiefe abgelassen. Diese Altbergbaubohrungen ermöglichen den Zugriff auf das dort vorliegende Grubenwasser.
  • „Wir streben unter Maximalleistung eine Förderung von bis zu 160 Kubikmeter pro Stunde an. Das sind mehr als 2.600 Liter Grubenwasser in der Minute, das wir zu Tage fördern“, erklärt Markus Siepe, Projekt-Ingenieur bei den Stadtwerken Bochum, die technischen Details.
  • Da das geförderte, salzhaltige Grubenwasser die technischen Anlagen zum Heizen und Kühlen schädigen würde, gelangt es nicht in den Kreislauf des Nahwärmenetzes auf MARK 51°7. Über Plattenwärmetauscher werden Wärme und Kälte an ein geschlossenes Wärme-/Kältenetz übertragen.
  • „So entsteht ein effizienter und nachhaltiger Kreislauf, der das natürliche Energiepotenzial des Grubenwassers optimal nutzt. Es freut mich sehr, dass wir mit unserem Energiekonzept jetzt auf die Zielgeraden einbiegen und schon bald ganzjährig die natürliche Erdwärme- und kälte für das 70 Hektar große Areal nutzbar machen können“, betont Jochen Raube, Leiter Fernwärme- und Stromerzeugung bei den Stadtwerken Bochum.
  • Das Gesamtprojekt :Für die Wärmeversorgung soll das rund 27-28 Grad Celsius warme Grubenwasser aus 840 m Tiefe über Wärmepumpen auf ca. 50 Grad Celsius erwärmt und anschließend in das Netz abgegeben werden. Auch für die Kälteversorgung der Immobilien wird das Grubenwasser genutzt. Dafür wird aus einer Tiefe von etwa 340 Metern ca. 17 Grad Celsius „kaltes“ Wasser gefördert.
  • Klimaschutz: Das Energiekonzept deckt 70–75 % des Wärme- und Kältebedarfs der angeschlossenen Abnehmer. Die Nutzung von Grubenwasser reduziert CO2-Emissionen um rund 3.200 Tonnen jährlich im Vergleich zu einer konventionellen Wärme- und Kälteversorgung mit Erdgasbetrieb und elektrischen Kompressionskältemaschinen.
  • Unterstützt wird das Projekt durch Fördermittel des EU-Interreg-Programms North-West Europe und des BMWK/BAFA-Förderprogramms „Wärmenetze 4.0“

Literatur

Zu Literatur siehe:

zuletzt bearbeitet November 2025, Änderungs- oder Ergänzungswünsche bitte an info@geothermie.de